Das Drama im Goldenen Zeitalter Spaniens

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Drama im Goldenen Zeitalter

Die Entwicklung der theatralischen Gattung im Goldenen Zeitalter erhielt einen deutlichen Impuls und etablierte sich definitiv als eigenständiges Genre in unserer Literatur.

Das prä-Lope'sche Theater

Im 16. Jahrhundert gab es kaum Theaterstücke in kastilischer Sprache. Es gibt Hinweise auf Aufführungen in Straßen und Kirchen, aber nur wenige überlieferte Texte. Auch *La Celestina* war ursprünglich nicht für die Bühne geschrieben, da ihre Inszenierung Schwierigkeiten bereitete. Im Laufe des 16. Jahrhunderts zeigten sich die ersten Anzeichen des Theaters in zwei Generationen von Autoren:

  • In der ersten Hälfte: Juan de Encina. Seine kurzen Stücke waren oft einfach inszeniert und hatten wenig Handlung.
  • In der zweiten Hälfte: Lope de Rueda, bekannt für seine humorvollen, charakterbasierten und umgangssprachlichen Einlagen.

Die Schaffung der nationalen Komödie

Lope de Vega schuf ein Modell, das enormen dramatischen Erfolg hatte: die nationale Komödie. Er verfasste auch eine theoretische Schrift, *Arte nuevo de hacer comedias en este tiempo* (Neue Kunst des Komödienmachens in dieser Zeit), in der er die Merkmale seines Theaters zusammenfasste.

Merkmale der Komödie nach Lope de Vega

  • Die Werke sind in drei Akte unterteilt, die dem Schema von Exposition, Höhepunkt und Auflösung folgen. Das Ende jedes Aktes lässt den Zuschauer gespannt auf die weitere Handlung warten. In den Pausen wurden oft *Entremeses* (Zwischenspiele) aufgeführt.
  • Missachtung der drei Einheiten (nach Aristoteles):
    • Einheit der Handlung: Es gibt oft eine Haupt- und mehrere Nebenhandlungen, z.B. mit Dienern.
    • Einheit des Ortes: Die Handlung entwickelt sich in der Regel an verschiedenen Orten.
    • Einheit der Zeit: Lope de Vega dehnt die Zeitgrenze aus; die Handlung kann sich über Tage, Monate oder sogar Jahre erstrecken.
  • Obwohl diese Werke als Komödien bezeichnet werden, mischen sie komische und tragische Elemente. Das Ende ist jedoch fast immer glücklich, was sie zu Tragikomödien macht.
  • Die Charaktere:
    • Der Protagonist ist oft ein junger, ehrenhafter Herr, der sich in eine edle Dame verliebt, die Intelligenz, Schönheit und List verkörpert. Der Herr gerät oft in Konflikt mit einer anderen Person gleichen Ranges um die Liebe der Dame.
    • Der Villano (oft fälschlicherweise als 'Bösewicht' übersetzt) ist eine Figur aus dem Volk, die mit großem Respekt behandelt wird. Er ist oft ein älterer, fleißiger und ehrlicher Christ, der die Ehre verteidigt.
    • Die Komödie behandelt oft Ehrenfragen, sei es die Verteidigung der Tochter durch den Vater, die Suche nach Gerechtigkeit oder die Rache eines eifersüchtigen Ehemanns.
    • Der Gracioso (der Lustige) ist eine typische Figur dieser Stücke. Dieser lustige und oft gierige Diener ist dafür verantwortlich, komische Elemente in ernstere Szenen einzubringen.

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