Die Ebenen der Sprache: Phonologie, Morphologie und Semantik
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Die Ebenen der Sprache
Die Untersuchung der Sprache erfolgt auf verschiedenen Ebenen. Die phonologische Ebene befasst sich mit dem Klang, die morphologische Ebene mit der Wortstruktur und die semantische/syntaktische Ebene mit Bedeutung und Satzbau.
1. Die Phonologische Ebene (Klangliche Hinsicht)
Diese Ebene wird auf der mündlichen Sprachebene untersucht. Ihre grundlegenden Einheiten sind Phoneme, Laute (Allophone), Akzent und Intonation.
Phoneme und Phonologie
- Phonologie: Der Teil der Grammatik, der für das Studium der Phoneme zuständig ist.
- Das Phonem: Die kleinste bedeutungsunterscheidende Einheit der Sprache. Es ist eine abstrakte Einheit, die aus einer Reihe idealer Eigenschaften besteht, die es von anderen unterscheiden. Es trägt keinen Sinn an sich, dient aber dazu, Wörter zu unterscheiden. (Die spanische Sprache hat beispielsweise 24 Phoneme.)
Konsonanten: Artikulationsort
Die Klassifikation erfolgt danach, wo im Mundraum die Artikulation stattfindet:
- Bilabial: Treffen der Ober- und Unterlippe.
- Labiodental: Die oberen Zähne liegen auf der Unterlippe.
- Interdental: Die Zunge befindet sich zwischen den oberen und unteren Zähnen.
- Dental: Die Zunge nähert sich den oberen Zähnen.
- Alveolar: Die Zunge befindet sich in der Nähe der Alveolen (Zahndamm).
- Palatal: Die Zunge berührt den harten Gaumen.
- Velar: Der hintere Teil der Zunge nähert sich dem weichen Gaumen.
Konsonanten: Artikulationsart
Die Klassifikation erfolgt danach, wie der Luftstrom geformt wird:
- Plosive (Verschlusslaute): Der Luftauslasskanal wird geschlossen und mit einem einzigen Schlag wieder geöffnet.
- Frikative (Reibelaute): Die Artikulationsorgane schließen den Luftstrom nicht vollständig, wodurch Reibung entsteht.
- Affrikaten: Der Kanal öffnet und schließt sich, um die Luft dann sanft freizugeben.
- Nasal: Die Luft entweicht durch die Nase.
- Liquide (Flüssige Laute): Dazu gehören Laterale (die Luft entweicht seitlich am Mund) und Vibranten (die Zunge schwingt gegen die Alveolen).
Vokalphoneme: Zungenlage
Vokale werden hauptsächlich nach der Position der Zunge klassifiziert:
- Vorn (Palatal): Die Zunge nähert sich dem vorderen Gaumen.
- Zentral: Die Zunge befindet sich im zentralen Teil des Mundes.
- Hinten (Velar): Die Zunge nähert sich der Rückseite des Gaumens.
Laut, Akzent und Intonation
- Laut (Allophon): Die praktische, konkrete Realisierung des Phonems durch einen Sprecher. Er hat reale und konkrete Existenz, und seine Zahl ist unbestimmt.
- Phonetik: Die Disziplin, die sich mit dem Studium der Laute befasst.
- Akzent: Die Betonung einer Silbe innerhalb eines Wortes.
- Intonation: Die Melodie des gesamten Satzes. Sie drückt Stimmungen, Gefühle und kulturelle Besonderheiten des Sprechers aus.
2. Die Morphologische Ebene (Form und Struktur)
Diese Ebene befasst sich mit der Struktur der Wörter und ihren kleinsten bedeutungstragenden Einheiten.
Morpheme und ihre Typen
- Morphem: Die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache.
- Lexeme (Wortstämme): Tragen die Hauptbedeutung.
- Gebundene Morpheme (Affixe): Werden unterteilt in:
- Derivationsmorpheme: Dienen der Wortbildung (z. B. Vorsilben, Nachsilben).
- Flexionsmorpheme: Dienen der grammatischen Beugung (z. B. Pluralendungen).
- Wortbildungstypen: Einfache Wörter, abgeleitete Wörter, zusammengesetzte Wörter, parasyntektische Wörter.
Wortarten (Grammatische Kategorien)
Die traditionellen grammatischen Kategorien umfassen:
- Determinative (Artikel)
- Substantive
- Pronomina
- Adjektive
- Verben
- Adverbien
- Präpositionen
- Konjunktionen
- Interjektionen (Ausrufe)
3. Die Syntaktische Ebene (Satzbau)
Die Syntax untersucht, wie Wörter interagieren, um Sätze zu bilden.
Grundlegende syntaktische Einheiten
- Syntax: Der Teil der Grammatik, der sich mit dem Studium der Satzstruktur befasst.
- Äußerung: Eine Sequenz von Wörtern, die in einer gegebenen Situation einen vollständigen Sinn ergibt.
- Satz: Eine Gruppe von Wörtern, die mindestens ein konjugiertes Verb enthält.
- Satzäußerung (Phrase): Konfiguriert durch ein oder mehrere Wörter ohne vollständige Satzstruktur.
- Wortgruppe (Sintagma): Eine Gruppe von Wörtern, kleiner als ein Satz, bestehend aus einem Kern und einigen Ergänzungen.
4. Die Semantische Ebene (Bedeutung und Lexikon)
Diese Ebene bezieht sich auf die Bedeutung der Wörter, das Lexikon einer Sprache, deren Herkunft und die Mechanismen zur Erweiterung des Wortschatzes.
Semantik und Seme
- Semantik: Die Disziplin, die die Bedeutung der Wörter untersucht.
- Seme: Minimale Merkmale, die spezifische Informationen zur Bedeutung liefern.
- Denotative Seme: Die grundlegenden Seme eines Wortes, die von der gesamten Sprachgemeinschaft geteilt werden und typischerweise im Wörterbuch erscheinen.
- Konnotative Seme: Subjektive Bedeutungen, die der Grundbedeutung aus kulturellen oder persönlichen Gründen hinzugefügt werden.
Semantische Beziehungen
- Synonymie: Beziehung zwischen zwei oder mehr Wörtern derselben Klasse, die eine ähnliche Bedeutung haben.
- Polysemie: Ein Wort mit mehreren Bedeutungen.
- Homonymie: Wörter, die ursprünglich unterschiedlich waren, aber schließlich gleich klingen (und oft gleich geschrieben werden).
- Antonymie: Wörter mit entgegengesetzten Bedeutungen.
- Wortfamilie: Begriffe mit demselben Lexem (Wortstamm).
Lexikologie und Lexikographie
- Lexikologie: Untersucht das Lexikon oder den Wortschatz einer Sprache.
- Lexikographie: Die Disziplin, die sich mit der Technik der Erstellung von Wörterbüchern befasst.
Arten von Wörterbüchern
- Normative Wörterbücher: Legen das Lexikon fest.
- Etymologische Wörterbücher: Erklären die Herkunft der Wörter.
- Gebrauchswörterbücher: Beschreiben verschiedene Verwendungen des Wortes.
- Ideologische Wörterbücher: Gruppieren Wörter nach einem gemeinsamen Bedeutungskern.
- Zweifelsfälle-Wörterbücher: Bieten Lösungen für sprachliche Schwierigkeiten.
- Synonym- und Antonymwörterbücher.
- Wörterbücher der Slogans/Redewendungen.