Einführung in die Philosophie: Merkmale, Erkenntnis und moderne Strömungen
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Merkmale der Philosophie
- Die Philosophie ist ein Unterfangen. Der Mensch versucht, die Welt durch geistige Anstrengung zu verstehen.
- Viele Menschen denken, dass Philosophie etwas Abgeschlossenes sei, wie die Mathematik. Das ist sie nicht. Philosophie ist etwas Unfertiges, nicht für alle gültig, und jeder Denker betreibt sie aus seiner persönlichen, historischen oder gesellschaftlichen Perspektive.
Philosophen selbst würden nicht behaupten, dass die Philosophie jemals perfekt oder abgeschlossen ist. Sie ist etwas Offenes und Unvollständiges. Es gibt zwar etwas zu berücksichtigen, aber jeder muss seinen eigenen Beitrag leisten, um dieses Feld zu erschließen.
Philosophische Erkenntnis
Etymologie: Liebe zum Wissen
Die Etymologie der Philosophie bedeutet: „Ein Freund des Wissens“, vor allem aber „Liebe und Neigung zu wissen“. Wenn Biologen den Menschen als Homo sapiens bezeichnen, liegen sie richtig, denn der Mensch will wissen. Aus diesem Grund sind wir alle Philosophen, und jeder baut sein eigenes Weltbild auf (mit oder ohne Begründung).
Ursprung und Entwicklung
Die Philosophie entstand im sechsten Jahrhundert v. Chr. in Griechenland. Der erste Philosoph war Thales von Milet. Er wagte es, die traditionellen, mythischen Erklärungen über das Leben und die Welt zu ersetzen.
Vom Mythos zum Logos: Rationale Erklärungen
In Griechenland begannen rationale Erklärungen für bestimmte Phänomene aufzukommen. Anstatt auf fantastische oder alberne Mythen zurückzugreifen, wurden Dinge durch Beobachtung und kontinuierliches, konstantes Bewusstsein für die Natur erklärt und untersucht.
Die Verbreitung des Logos (der Vernunft) wurde durch den Handel und die Seefahrt begünstigt. Reisende wollten wissen, kommunizierten mit anderen Völkern und deren Mythologien, was zu Denkfreiheit und geringerem religiösem Dogmatismus führte.
Die vorsokratischen Philosophen des 6. bis 4. Jahrhunderts v. Chr. untersuchten Naturphänomene und den Ursprung des Kosmos (die kosmologische Periode). Sokrates und die Sophisten leiteten die kopernikanische Wende ein, indem sie den Kosmos im Sinne des Menschen konzipierten.
Die anthropozentrische Wende
In dieser anthropologischen Periode rückte die Sorge um den Menschen in den Vordergrund. Der Mensch wurde zum Zentrum und Wichtigsten im Universum. Protagoras sagte beispielsweise: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“
Kants vier philosophische Fragen
Kant fasste die Interessen der Vernunft in vier Fragen zusammen:
- Erkenntnistheoretische Frage: Was kann ich wissen?
- Ethische Frage: Was soll ich tun?
- Religiöse Frage: Was kann ich erwarten?
- Anthropologische Frage: Was ist der Mensch? (Diese vierte Frage hängt von der Beantwortung der anderen ab.)
Die Natur philosophischen Wissens
Philosophisches Wissen ist keine einfache Alltagserkenntnis oder gesunder Menschenverstand. Es zielt darauf ab, die Ursachen von Phänomenen zu erkennen. Es ist keine spontane Haltung, die auf bloßen Sinnen basiert und Dinge als vielfältig und sich ständig verändernd wahrnimmt.
Es ist kein religiöses, mythisches, künstlerisch-literarisches oder theologisch offenbartes Wissen. Es ist vor allem ein begründetes Wissen, das Strenge erfordert, inklusiv ist und ständig zur Kritik auffordert, argumentiert und kohärent ist.
Die philosophische Haltung versucht, das Bleibende hinter den vielfältigen und aufeinanderfolgenden Veränderungen zu erfassen. Sie betont außerdem, dass menschliches Wissen für den Menschen da ist.
Philosophische Haltung und moderne Antworten
Bewunderung und die Suche nach Antworten begründen die philosophische Erkenntnis. Im Folgenden beleuchten wir drei moderne philosophische Strömungen:
1. Marxismus
Der Ursprung der Philosophie liegt im menschlichen Bedürfnis, sich von Bedrohungen der menschlichen Würde zu befreien. Die Philosophie hat eine befreiende, revolutionäre und transformative Mission. Die Praxis ist ein Vorgehen, das jedoch noch keine Theorie ist. Marx sagte, dass die Philosophen die Welt nur interpretiert haben, während es darum geht, sie zu transformieren (eine spezifische Aktivität).
2. Existentialismus
Der Mensch ist verzweifelt und denkt, dass seine Existenz in einer Welt, die ihm keinen Sinn und Zweck bietet, absurd ist. Diese Welt ist geschlossen und nicht offen für Transzendenz oder das Göttliche. Der Mensch muss sich ohne Hilfe selbst erschaffen. Diese Situation erzeugt Angst, die ihn antreibt, den Sinn der menschlichen Existenz zu finden und ihm nachträglich einen Sinn zu geben.
Bevorzugte Themen sind: Subjektivität, Authentizität, Endlichkeit, Freiheit, Übelkeit, Entscheidung.
3. Historismus und Vitalismus
Der Mensch braucht die Philosophie, um zu leben. Ortega y Gasset sagte, der Mensch lebe denkend, denn das Leben sei ein unerbittlicher Umstand, und man habe keine andere Wahl, als herauszufinden, was es ist. Aus diesem Bedürfnis entsteht Kultur: Philosophie und Wissenschaft.
In Krisenzeiten gerät der Glaube ins Wanken, der Boden unter unseren Füßen gibt nach, und wir sind in der Luft, entschlossen, aber ohne zu wissen, was uns erwartet. In dieser „Schiffbruch-Situation“ halten wir uns an das System von Ideen, das wir für Überzeugungen halten und dem wir deshalb vertrauen.
Philosophie und Wissenschaft
Ist Philosophie eine Wissenschaft?
Die Renaissance (16. Jahrhundert) war eine Ära der Kultur, in der viele neue Erkenntnisse und eine neue Quelle des Wissens – die wissenschaftliche Methode – aufkamen, die in der Antike selten war.
Aristoteles vertrat die Auffassung, dass Philosophie die Wissenschaft der Realität sei, verstanden als strukturiertes, rigoroses Wissen. Allerdings entspricht diese Vorstellung von Wissenschaft nicht unserem heutigen Verständnis, da philosophische Aussagen nicht empirisch verifiziert oder falsifiziert werden können.
Dennoch ist die Philosophie ein solides und gründliches Wissen, wenn auch nicht im modernen Sinne der Wissenschaft.
Unterschiede zwischen Wissenschaft und Philosophie
- Haltung und Ziel
Die Haltung der Wissenschaft zielt darauf ab, Phänomene zu verstehen, um die Ursachen zu beherrschen. Sie hat eine pragmatische Ausrichtung und praktische Anwendung (z. B. in der Technik).
Der Philosophie fehlt dieses pragmatische Zeichen. Für den griechischen Menschen war sie der höchste Wert, ein Wert an sich, der im spirituellen Bereich verankert ist. Sie ist ein freier und befreiender Akt und ist nicht unmittelbar nützlich.
- Interesse und Gegenstand
Die Wissenschaft kümmert sich nicht um die gesamte Realität, sondern nur um einen Teil oder Aspekt davon.