Die Einigung Italiens und Deutschlands im 19. Jahrhundert
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Die Einigung Italiens (Risorgimento)
Nach dem Wiener Kongress (1815) war Italien in mehrere Staaten unterteilt:
Die politische Gliederung Italiens nach 1815
- Im Norden: Das Königreich Lombardo-Venetien stand unter österreichischer Herrschaft. Das Königreich Sardinien-Piemont, das während der Revolution von den Franzosen besetzt war, verfügte über eine aufstrebende Industrie, ein starkes Bürgertum und eine konstitutionelle Monarchie (das Haus Savoyen hatte den Absolutismus aufgegeben).
- Im Zentrum: Hier lagen vier Herzogtümer (Parma, Modena, Lucca und Toskana), die Satellitenstaaten Österreichs waren. Außerdem gab es die Kirchenstaaten, die vom Papst regiert wurden und in denen liberale Ideen auf fruchtbaren Boden fielen.
- Im Süden: Das Königreich beider Sizilien (Neapel und Sizilien) stand unter der absoluten Monarchie der Bourbonen.
Wirtschaftliche und soziale Ausgangslage
Süditalien: Die Ländereien befanden sich im Besitz des Adels. Das feudale System und die Landwirtschaft mit niedrigen Erträgen waren vorherrschend, was die Bauernschaft in Armut hielt.
Norditalien: Die Umgestaltung der Landwirtschaft leitete die erste industrielle Entwicklung ein. Diese wurde jedoch durch rückständige Zollgesetzgebung und eine Vielzahl von Schwierigkeiten im Handelsaustausch gebremst. Das aufstrebende Bürgertum sah in der politischen Einheit die notwendige Voraussetzung, um seine Geschäfte effektiv ausbauen zu können. Das Bürgertum Norditaliens, insbesondere das Piemonts, wurde zum Motor der nationalistischen Bewegung.
Der erste Schritt zur wirtschaftlichen Einigung war der Bau der Eisenbahn ab den 1840er Jahren, der den Warenaustausch und die Verbreitung von Nachrichten ermöglichte.
Politische Projekte zur Einigung
Der Einigungsprozess sah zwei nationalistische Projekte vor:
- Das monarchische Projekt: Dieses wurde von Camillo Cavour, dem Premierminister des Königreichs Sardinien-Piemont, angeführt. Es zielte darauf ab, die Einheit zum Vorteil Piemonts und des unterstützenden Bürgertums zu erreichen.
- Das republikanisch-demokratische Projekt: Dieses wurde hauptsächlich von der Bauernschaft Süditaliens repräsentiert und von Giuseppe Garibaldi geleitet, der die Beseitigung der absoluten Bourbonen-Monarchie anstrebte.
Der Weg zur Einheit
Die Rolle Cavours und des Nordens
Cavour sicherte sich die Hilfe Frankreichs, um Österreich zu besiegen und die Lombardei an Piemont anzugliedern. Im Gegenzug musste er Savoyen und Nizza an Frankreich abtreten. Anschließend vereinigten sich die vier Herzogtümer mit Piemont und der Lombardei.
Die Rolle Garibaldis und des Südens
Der nationalistische Republikaner Garibaldi landete mit 1250 Freiwilligen (bekannt als die „Rothemden“) im Süden, genauer in Sizilien. Er stürzte die Bourbonen und setzte eine provisorische Regierung demokratischen Charakters ein. Anschließend marschierte er gegen Neapel und den Süden. Später vereinigte er sich mit den Truppen Viktor Emanuels II. und marschierte auf Rom.
Die Einigung wurde 1870 abgeschlossen. Zum ersten Mal versammelten sich die Vertreter der vereinigten Staaten in Turin. Das Parlament proklamierte das Königreich Italien unter der konstitutionellen Monarchie des Hauses Savoyen (Viktor Emanuel II.). Rom wurde zur Hauptstadt Italiens erklärt.
Die Deutsche Einigung
Nach dem Wiener Kongress war Deutschland in über 30 Staaten unterteilt. Diese Staaten standen unter der Herrschaft Österreichs und bildeten den Deutschen Bund. Diese konföderierten Staaten verfügten über einen gemeinsamen Bundestag (oder Parlament) in Frankfurt am Main. Die legislative Kapazität war jedoch gering und wurde von den mächtigsten Staaten des Bundes, Österreich und Preußen, dominiert.
Der Weg zur wirtschaftlichen Einheit (Zollverein)
Der erste Schritt war die wirtschaftliche Vereinigung, die maßgeblich von Preußen vorangetrieben wurde. Ziel war die Schaffung eines einheitlichen Marktes und die Abschaffung der Zollgrenzen, welche die verschiedenen Staaten trennten. Dies führte zur Gründung einer Zollunion (Zollverein) zwischen allen Staaten des Bundes, mit Ausnahme Österreichs.
Die Schaffung eines Binnenmarktes förderte die Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum. Dadurch entstand eine industrielle Bourgeoisie, die bereit war, den Aufbau der nationalen Einheit Deutschlands zu unterstützen.
Die politische Einigung und die Rolle Preußens
Die politische Einigung begann, als die Frankfurter Nationalversammlung 1848 eine einzigartige Verfassung für das gesamte Land proklamierte und die Kaiserkrone dem König von Preußen anbot. Dieser lehnte ab, woraufhin das Parlament aufgelöst wurde. Dies führte nicht zur Gründung eines neuen Staates im Rahmen einer parlamentarischen Demokratie, obwohl die Parlamente der einzelnen Staaten nach dem allgemeinen Wahlrecht gewählt wurden.
Preußen festigte seine führende Stellung im Bund. Es verfügte über eine hochentwickelte Industrie, war gut organisiert und besaß ein mächtiges Heer.
Bismarck und die „Eisen-und-Blut“-Politik
Im Jahr 1862 wurde Otto von Bismarck von Wilhelm I. zum Kanzler ernannt. Bismarck, bekannt als der „Eiserne Kanzler“, war undemokratisch eingestellt und vertrat die Ansicht, dass Krieg der einzige Weg zur Erreichung der Einheit sei. Zu diesem Zweck führte er drei Kriege:
- Gegen Dänemark (Deutsch-Dänischer Krieg): Es wurden zwei Herzogtümer annektiert.
- Gegen Österreich (Deutscher Krieg): Dies führte zur Auflösung des Deutschen Bundes und zur Gründung des Norddeutschen Bundes, der 23 deutsche Staaten zusammenschloss.
- Gegen Frankreich (Deutsch-Französischer Krieg): Hierbei wurden Elsass und Lothringen annektiert.
Bismarck proklamierte 1871 in Versailles die Gründung des Zweiten Deutschen Reiches. Der preußische König Wilhelm I. wurde zum Deutschen Kaiser ernannt.
Das Deutsche Reich integrierte gewaltsam dänische, polnische und französische Bevölkerungsteile. Österreich, das von Deutschen besiedelt war, wurde nicht einbezogen. Dennoch sicherte dieser Prozess die Schaffung eines „Kleindeutschlands“ als Staat, der die meisten deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen umfasste.