Eisenbahngesetz 1855: Kontext und Bedeutung für Spanien

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Fragment des Eisenbahngesetzes von 1855

1. Einordnung des Textes

a) Art, Autorschaft und Datierung

Art des Textes: Die Form ist informativ (Zielsetzung), der Inhalt juristisch-politisch. Der Ursprung ist eine historische Quelle.

Autorschaft: Kollektiv (von der Regierung genehmigt und von der Königin sanktioniert).

Datierung: Unterzeichnet im Palast von Aranjuez (einem der Sitze der Königin) am 3. Juni 1855 und veröffentlicht in der Gaceta de Madrid.

Empfänger und Zweck: Allgemein und öffentlich.

2. Historischer Kontext (Progressives Biennium)

Das Eisenbahngesetz fällt in die Phase des Progressiven Bienniums (1854–1856) der Regierung von Königin Isabella II.

Diese Phase wurde durch das Pronunciamiento von General O'Donnell in Vicálvaro eingeleitet. Der Putsch radikalisierte sich nach der Veröffentlichung des sogenannten Manifests von Manzanares durch die Rebellen, welches breite Unterstützung in der Bevölkerung fand und andere Generäle ermutigte, sich der Rebellion anzuschließen. Schließlich war der Putsch erfolgreich und führte zur Bildung einer Regierung, die vom Progressisten Espartero geleitet wurde.

Obwohl das Biennium nur kurz währte, war es reich an Erfolgen. Hervorzuheben sind:

  • Die allgemeine Desamortisation von Madoz (1855), welche den Prozess der Säkularisierung abschloss und das Vermögen der Gemeinden betraf.
  • Die Einberufung einer neuen verfassungsgebenden Cortes, die mit der Ausarbeitung einer liberaleren Verfassung begann (diese wurde jedoch nicht umgesetzt).
  • Maßnahmen zur Förderung der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes, insbesondere das Eisenbahngesetz von 1855.

3. Die Bedeutung des Eisenbahngesetzes von 1855

In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts fand in Spanien, wie in vielen anderen Ländern, eine intensive Bautätigkeit rund um die Eisenbahn statt. Zu Beginn dieser Periode war lediglich die 28 km lange Strecke von Barcelona nach Mataró (1848) eröffnet; die Strecke Madrid–Aranjuez folgte drei Jahre später.

Die Entwicklung des Eisenbahnbaus wurde durch Gesetze zwischen 1855 und 1877 geregelt. Das erste und wichtigste dieser Gesetze trat während des Progressiven Bienniums in Kraft.

Das Eisenbahngesetz von 1855 war ein wesentlicher Treiber für die Netzentwicklung. Es erleichterte die Anwerbung von ausländischem Kapital für die Durchführung der Baumaßnahmen, allerdings oft unter Vernachlässigung der Interessen spanischer Industriesektoren, wie beispielsweise der Stahlindustrie.

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