Eklektizismus: Definition, Geschichte und Architektur
Eingeordnet in Philosophie und Ethik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,34 KB
Eklektizismus
Definition und Bedeutung
Der Eklektizismus (von griechisch eklektos, „ausgewählt“) bezeichnet Methoden, die sich verschiedener entwickelter und abgeschlossener Systeme – wie Kunststile, Disziplinen oder Philosophien – bedienen und deren Elemente neu zusammensetzen. Eine ähnliche Bedeutung hat der Begriff Genresynkretismus, wobei der Ausdruck Synkretismus eher im religiösen Kontext verwendet wird.
Grammatikalische Angaben
| Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Eklektizismus | — |
| Genitiv | des Eklektizismus | — |
| Dativ | dem Eklektizismus | — |
| Akkusativ | den Eklektizismus | — |
Worttrennung: Ek·lek·ti·zis·mus, kein Plural
Eklektizismus in den Geisteswissenschaften
Der Begriff entstand bereits in der Antike. Damals wurden Denker und Politiker als Eklektiker bezeichnet, wenn sie Elemente verschiedener Philosophenschulen miteinander verbanden. Der berühmteste Vertreter war Cicero, der ethische Vorstellungen der Stoiker mit Werten der Akademie und des Peripatos kombinierte.
In den Geisteswissenschaften beschreibt der Begriff die Methode, aus Versatzstücken unterschiedlicher Theorien eine neue Einheit zu bilden. Der Terminus wird oft abwertend verwendet, da er eine Bevorzugung isolierter Theorien gegenüber einer selektiven Zusammenführung impliziert.
Eklektizismus in Kunst und Architektur
Der Eklektizismus ist kennzeichnend für die europäische Kunst seit Beginn des Historismus. In der Architektur beschreibt er das Zitieren von Stilelementen mehrerer vergangener Epochen an einem neuen Bauwerk. Dies findet sich besonders im 19. Jahrhundert, aber auch in der postmodernen Architektur des 20. Jahrhunderts.
Beispiel: Die Kirche St. Augustin in Paris kombiniert gotische Fassadenelemente mit einer Kuppel im Stil der Renaissance.
Eklektizismus und Historismus
Oft wird Eklektizismus als Epochenbegriff für den Historismus verwendet. Er dient dazu, den verbreiteten Stilpluralismus (z. B. Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance) besser einzuordnen, da diese Stile nicht nur historische Bezüge herstellten, sondern auch Ortsbezüge oder funktionale Stimmigkeit betonten.
Eklektizismus als Methodenbegriff
Als Entwurfsmethode kann Eklektizismus positiv oder negativ bewertet werden. Während Architekten wie George Gilbert Scott die Bereicherung durch verschiedene Stile lobten, kritisierte Gottfried Semper den „Kunstjünger“, der unschöpferisch aus einem „Herbarium“ von Stilen kopiert.
Beispiele für eklektische Architektur
- Sizilianische Romanik: Mischung aus normannischen und arabischen Formen (z. B. La Zisa).
- St. Étienne du Mont: Kombination aus Gotik, Klassik und Manierismus.
- Justizpalast in Brüssel: Verbindung von Barock, Renaissance, antiken und assyrischen Elementen.
Pennsylvania Academy of the Fine Arts: Mischung aus islamischen, gotischen und Renaissance-Motiven.- Hauptbahnhof Antwerpen: Kombination aus Byzantinismus, Neogotik und Jugendstil.
Literatur
- Lehmann, D. H., Petri, G. (Hrsg.): Eklektizismus und eklektische Verfahren in der Kunst. G. Olms Verlag, 2012.
- Richter, J.: Freie Fundamente. Wissenschaftstheoretische Grundlagen für eklektische und integrative Theorie und Praxis. Vandenhoeck & Ruprecht, 2011.