Die Entwicklung der Sprache und ihre neurologischen Grundlagen

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Die Entwicklung der Sprache

Phonologische Entwicklung: Phasen bis 6 Jahre

Das Kind durchläuft verschiedene Phasen bis zum Alter von 6 Jahren.

  • Vorsprachliche Stufe (0–12 Monate)

    Von der Geburt bis zu den ersten Worten. Das Kind macht unwillkürliche Geräusche wie Niesen und Aufstoßen. Anschließend folgen Gurgeln, Schreie und Kehllaute. Ab dem 3. bis 4. Monat werden freiwillige Laute wie Lallen entwickelt (einfaches, verdoppeltes und schließlich redupliziertes Lallen), die den ersten Worten näherkommen.

  • Sprachphase (12 Monate – 7 Jahre)

    Das anfängliche Murmeln verschwindet. Kinder nutzen folgende Strategien:

    • Geringe Verzerrungsstrategien: Das Kind vermeidet bestimmte Töne und bevorzugt Lieblingslaute (z. B. "kaquí", "Kaguya").
    • Starke Verzerrungsstrategien: Konsonantensubstitution (z. B. "x Haus"), Änderung der Silbenstruktur (z. B. "toto" statt "dumm"), segmentale Assimilation (z. B. "papo" statt "Schuh").

Semantische Entwicklung: Aufbau des Wortschatzes

  • Präsemantische Phase (12–18 Monate)

    Kinder sprechen ihre ersten Worte aus. Es wird eine psychische Kategorie aufgebaut, die Assoziationen zwischen dem Wort und dem vom Kind Bezeichneten herstellt.

  • Semantische Phase (18 Monate – 4 Jahre)

    Der Wortschatz wächst und verdoppelt sich. Kinder bauen mentale Kategorien durch zwei implizite semantische Mechanismen auf:

    • Überdehnung (Overextension): Ein Wort wird für zu viele Objekte verwendet (z. B. "Ball" ist alles Runde).
    • Unterrestriktion (Underextension): Ein Wort wird zu spezifisch verwendet (z. B. "Wasser" nur für das Badewasser).
  • Phase der Bedeutungsstrukturierung (4–7 Jahre)

    Das Kind organisiert Bedeutungen intern und verknüpft verwandte Begriffe oder semantische Felder. Der Wortschatz wird durch Lesen beeinflusst. Das Kind verbessert das Leseverständnis und leitet Sinn und Bedeutung von Wörtern aus dem Kontext ab.

Morphosyntaktische Entwicklung: Satzbau

  • 12–18 Monate

    Das Kind spricht die ersten Worte aus und wiederholt Worte, die es hört, oft ohne logische Reihenfolge.

  • 18–24 Monate (Telegrafische Sprache)

    Das Kind spricht in Zwei-Wort-Sätzen. Lexikalische Elemente wie Präpositionen, Hilfsverben und Suffixe fehlen.

  • 2 Jahre – 2,5 Jahre

    Es entstehen Ausdrücke mit drei Elementen. Das Hilfsverb "sein" und Artikel werden verwendet. Einfache Drei-Elemente-Sätze entstehen.

  • Ab 2,5 Jahren

    Ausdrücke mit vier oder mehr Elementen. Morphologische Unterscheidung von Geschlecht und Zahl schreitet voran. Das Kind erwirbt grundlegende Strukturen und macht Fortschritte in der Morphosyntax.

Pragmatische Entwicklung (Proto-Pragmatik)

  • Bis 9 Monate

    Der Erwachsene interagiert mit dem Baby.

  • 9–12 Monate: Deiktische Gesten

    Das Kind nutzt Gesten wie Proto-Imperative (Aufforderung), Proto-Deklarative (Hinweis) und Zeigegesten, um Aufmerksamkeit mit anderen zu teilen. Diese Gesten verschwinden, sobald das Kind sprechen lernt.

  • Entwicklung der Sprachfunktionen durch Worte (ab 12 Monate)

    • 12 Monate: Instrumentelle Funktion.
    • 15 Monate: Imaginative, personale und heuristische Funktionen.
    • 21 Monate: Regulatorische Funktion.

    Zwischen 2 und 3 Jahren nehmen die oben genannten Funktionen ab und weichen der interaktionalen und informativen Funktion.

Neurologische Grundlagen der Sprache

Die folgenden Gehirnareale sind an der Sprachverarbeitung beteiligt (nach Brodmann-Arealen, BA):

  • Frontallappen (Stirnlappen)

    • BA 6 (Prämotorischer Kortex): Zuständig für die Planung von Bewegungen.
    • BA 4 (Motorischer Kortex): Kontrolliert die Ausführung von Bewegungen.
    • BA 8: Steuert die Augenbewegungen (okulare Bewegungen).
    • BA 44/45 (Broca-Areal): Sehr wichtig für die Sprachproduktion. (Schädigung führt dazu, dass die Person Sprache versteht, aber nicht sprechen kann – motorische Aphasie).
  • Parietallappen (Scheitellappen)

    • BA 1, 2, 3 (Somatosensorischer Kortex): Verarbeitet Informationen, die über Berührung (Kälte, Hitze usw.) aufgenommen werden.
  • Okzipitallappen (Hinterhauptslappen)

    • BA 17, 18, 19 (Visueller Assoziationskortex): Hier findet das eigentliche Sehen statt.
  • Temporallappen (Schläfenlappen)

    • BA 41/42 (Auditiver Kortex): Verarbeitet auditive Informationen.
    • BA 22 (Wernicke-Areal): Sehr wichtig für das Sprachverständnis und die korrekte syntaktische Strukturierung der Sprache. (Schädigung führt dazu, dass die Person zwar flüssig spricht, aber ohne Sinn, und das Gesprochene nicht versteht – sensorische Aphasie).

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