Entwicklung und Typologie politischer Parteien

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Funktionen und Professionalisierung

Daher ist die wichtigste Funktion dieser Parteien, die Kandidaten zu bestätigen oder abzulehnen. Dabei gehen die Wähler oft auf Kosten der Integration der Rolle der Bürger in das politische Leben. Die letzte Phase der Entwicklung der politischen Parteien lässt sich am Ende des 20. Jahrhunderts verorten. Politische Parteien in Westeuropa sind professioneller geworden; in ihren zunehmend komplexen bürokratischen Organisationen übernehmen Parteifunktionäre, Fachleute, Techniker und Experten aus verschiedenen Bereichen zentrale Aufgaben. Das Wahlziel hat sich noch deutlicher herauskristallisiert und ist in fast allen Tätigkeiten der Partei präsent.

Verschiedene Autoren prägten Begriffe wie wahlprofessionelle Partei oder Kartellpartei, um auf die aktuellen parteipolitischen Formationen zu verweisen: komplexe, vielfältige Organisationen, die Teil der staatlichen Maschinerie sind und zur Zivilgesellschaft gehören. Diese konzentrieren sich fast ausschließlich auf Regierung und Parlament (institutioneller Aspekt) und auf die Entwicklung eigener Interessen und Organisationsstrukturen (organisatorischer Aspekt), während die Tätigkeiten ihrer Mitglieder (sozialer Aspekt) weitgehend in den Hintergrund treten.

Die Parteiführungen geben schrittweise die Rolle der politischen Entscheidungsträger auf allen Ebenen der Regierung auf. Infolge all dieser Veränderungen sind Leistungsmaßstäbe in ihrer Tätigkeit schwerer zu bestimmen; andere Erwägungen treten in den Vordergrund, und traditionelle soziale, wirtschaftliche und politische Modelle, die gemeinsame demokratische Organisationen begünstigten, geraten zunehmend in den Hintergrund.

Theoretische Erklärungsansätze

Um die Entstehung des Parteiensystems zu erklären, wurden mehrere Vorschläge unterbreitet:

Institutionelle Theorien

Institutionelle Theorien konzentrieren sich auf die Entwicklung der Parlamente und ihre Dynamik. Nach diesen Theorien entstanden Parteien aus der Notwendigkeit, dass Parlamentarier auf die Ausweitung des Wahlrechts reagieren und Fraktionen bilden.

Historische Situationstheorien

Theorien von der historischen Situation betonen dauerhafte Zusammenhänge zwischen verschiedenen sozialen Krisen, den Prozessen der Industrialisierung und dem Aufbau von Nationalstaaten. Aus diesen Prozessen ergaben sich vier grundsätzliche Spaltungen (Frakturen), die zu politisch-sozialen Konflikten führten und die Parteiensysteme in westlichen Gesellschaften prägten: die Achse Primärsektor–Sekundärsektor bzw. Arbeiter–Eigentümer einerseits und die Achse Zentrum–Peripherie sowie Staat–Kirche andererseits.

Theorien der Modernisierung

Theorien der Entwicklung sehen die Entstehung von Parteien und Parteiensystemen in Zusammenhang mit Modernisierungsprozessen und deren sozioökonomischen Folgen. Dazu zählen unter anderem:

  • eine neue Klasse von Unternehmern und Händlern,
  • erhöhte soziale Mobilität,
  • steigende Bildungs- und Informationsniveaus,
  • Entwicklung der Medien,
  • Säkularisierung usw.

Zusammen mit diesen Theorien wird der Einfluss kulturellen Wandels sowie die Wirkung politischer Fragen und postmaterialistischer Werte auf die Konfiguration und Dynamik bereits bestehender Parteien berücksichtigt.

Ansätze zur Klassifikation von Parteiensystemen

Pluralistische Ansätze klassifizieren Parteiensysteme unter anderem anhand der Art und Dynamik ihrer Entstehung, Entwicklung und Kristallisation sowie durch die Analyse von Modellen, Wettbewerbsdynamiken und Mustern der Morphologie (Form, Anzahl, Verankerung und Beziehungen zwischen den konstituierenden Einheiten). Dieser Ansatz wurde insbesondere durch die Kriterien Giovanni Sartoris bekannt.

Sartori fordert, dass als wesentlich anzusehende Parteien solche sind, die koalitionsfähig oder prägend sind, das heißt Parteien, die in der Lage sind, Muster und Taktiken des parteipolitischen Wahlkampfs zu beeinflussen. Seine Typologie berücksichtigt die Zahl der Parteien (unter Berücksichtigung ihres jeweiligen Gewichts in Parlamentswahlen) und den Grad der Polarisation des Systems (den ideologischen Abstand zwischen den Einheiten). Darauf basierend unterscheidet er unter anderem folgende Typen:

  • Ein-Parteien-System: Ein einziges, monopolistisches Parteienangebot;
  • Hegemoniales Parteiensystem: Ein System, in dem der Wettbewerb formell oder taktisch verhindert wird;
  • Zweiparteiensystem: Ein System mit nur zwei relevanten Parteien;
  • Dominantes Parteiensystem: Ein System, in dem eine Partei über mindestens drei aufeinanderfolgende Wahlen eine absolute Mehrheit im Parlament hält, sodass die anderen Parteien in beträchtlicher Entfernung liegen;
  • System begrenzten Pluralismus und Mäßigung: Koexistenz von drei bis fünf Parteien, getrennt durch geringe ideologische Distanz und mit einem bipolaren Wettbewerbstendenz;
  • Zentrierter Pluralismus (mäßig oder polarisiert): Sechs oder mehr Parteien (einige davon antipluralistisch), getrennt durch erhebliche ideologische Distanz, was multipolare Wettbewerbe, zentrifugale Tendenzen und bilaterale Gegensätze erzeugt;
  • Zersplitterter Pluralismus: Ein System, in dem die Macht völlig zersplittert ist, mit zehn oder mehr beteiligten Parteien im Wettbewerb um die Macht.

Diese Typologie hilft, die Vielfalt und Dynamik moderner Parteiensysteme zu analysieren und die Auswirkungen von Institutionen, sozialen Strukturen und kulturellem Wandel auf das politische Gefüge besser zu verstehen.

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