Entwicklungspsychologie: Spiel, Moral und Identität
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Spielphasen in der Kindheit
Das Spiel:
Baby: Ihr Baby spielt gerne allein. Körperliche Bewegungen sind in dieser Phase oft zufällig und noch nicht zielgerichtet.
Kleinkind im Lauflernalter: Das Kind im Kleinkindalter spielt gerne selbstständig mit Spielzeug. Es bevorzugt insbesondere Spielsachen, die die körperliche Bewegung fördern.
Kindergartenkind: Das Vorschulkind genießt die Gesellschaft von Gleichaltrigen und das Nachahmen anderer. Es interagiert jedoch meist nur mit wenigen Personen tatsächlich beim Spielen.
Kinder im Schulalter beginnen damit, Spielzeug zu leihen und zu verleihen. In dieser Altersgruppe beginnt häufig das Simulationsspiel. Während dieser Zeit gibt es zwei vorherrschende Arten des Spiels:
- Symbolspiel (6–7 Jahre): Es orientiert sich an realen Situationen. Kinder übernehmen bestimmte Rollen und nutzen Ersatzstoffe oder imaginäre Objekte, um die Welt der Erwachsenen darzustellen.
- Regelspiel (8–11 Jahre): Dies erfordert soziale Zusammenarbeit und die Achtung von Regeln; bei Verstößen gibt es Strafen. Diese Form des Spiels bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Teenager: Jugendliche genießen Spiele und sportliche Wettkämpfe. Das Hauptziel in dieser Altersgruppe ist das Knüpfen sozialer Kontakte.
Die Entwicklung der Perspektivübernahme
Egozentrische Sichtweise (3–6 Jahre): Das Kind unterscheidet zwar zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“, ist aber unfähig, die eigene Perspektive von der anderer zu unterscheiden. Gefühle anderer können benannt werden, aber es wird kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen sozialen Aktionen erkannt.
Sozial-informative Perspektivübernahme (6–8 Jahre): Die Erkenntnis reift, dass andere eine eigene Sichtweise haben können, die nicht der eigenen entsprechen muss. Dennoch konzentriert sich das Kind meist nur auf eine Sichtweise und kann verschiedene Punkte noch nicht koordinieren.
Selbstreflexive Perspektivübernahme (8–10 Jahre): Kinder kennen die Perspektive des anderen und wissen, dass man sich gegenseitig beeinflusst. Sie erkennen, dass die Einnahme der Position des anderen hilft, Absichten und Ziele zu verstehen. Sie sind nun in der Lage, Perspektiven zu koordinieren.
p>Wechselseitige Perspektivübernahme (10–12 Jahre): Das Kind kann aus der Zweierbeziehung (Dyade) heraustreten und Interaktionen aus der Sicht einer unbeteiligten dritten Person betrachten.
Sozio-konventionelle Perspektivübernahme (ab 13 Jahren): Der Jugendliche erkennt, dass gegenseitige Perspektivübernahme nicht immer zu vollständigem Verständnis führt. Soziale Konventionen werden als notwendig erachtet, damit alle Gruppenmitglieder einander unabhängig von ihrer Position verstehen.
Psychosoziale Theorie nach Erikson
1. Urvertrauen vs. Misstrauen (Geburt bis ca. 18 Monate): Es entsteht ein körperliches Gefühl des Vertrauens. Das Baby erfährt Wärme durch den Körper der Mutter und liebevolle Fürsorge.
2. Autonomie vs. Scham und Zweifel (18 Monate bis ca. 3 Jahre): Diese Stufe ist mit dem Muskelaufbau und der Kontrolle der Körperausscheidungen verbunden. Das Kind entwickelt ein wachsendes Gefühl der Willensbejahung.
3. Initiative vs. Schuldgefühl (ca. 3 bis 5 Jahre): In dieser Phase des Spiels entwickelt sich die Phantasie. Das Kind wird energischer, gesprächiger und lernt, sich frei zu bewegen. Die Sprache verfeinert sich, Fragen werden gestellt und die Vorstellungskraft erweitert sich.
4. Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (ca. 5 bis 13 Jahre): Das Kind beginnt die Schule. Es möchte Dinge mit anderen tun, Aufgaben teilen und planen. Unzufriedenheit entsteht, wenn das Gefühl aufkommt, Dinge nicht gut oder perfekt erledigen zu können.
5. Identität vs. Identitätsdiffusion (ca. 13 bis 21 Jahre): Die Person ist damit konfrontiert, zu entdecken, wer sie ist und wohin der Weg im Leben führt. Eltern sollten Jugendliche ermutigen, verschiedene Rollen und Wege zu erkunden.
6. Intimität vs. Isolierung (ca. 21 bis 40 Jahre): Intimität ist die Fähigkeit zur Nähe, basierend auf einem festen Selbstbild ohne Angst, sich selbst zu verlieren. Erikson warnt hier vor maladaptiven Verhaltensweisen.
7. Generativität vs. Stagnation (ca. 40 bis 60 Jahre): Ein Zeitraum, der oft der Kindererziehung gewidmet ist. Die Hauptaufgabe ist die Balance zwischen Produktivität und Stagnation.
8. Integrität vs. Verzweiflung (ab ca. 60 Jahren bis zum Tod): Der Blick richtet sich zurück auf das Leben. Eine positive Bewertung der verschiedenen Lebensbereiche erzeugt ein Gefühl der Befriedigung, Integrität und Leistung.
Moralische Entwicklung und Ethik
Bereich Moral: Die moralische Entwicklung bezieht sich auf Gedanken, Gefühle und Verhalten im Hinblick auf Gut und Böse. Sie hat zwei Dimensionen:
- Intrapersonal: Das Wertesystem im Selbstwertgefühl, das das Verhalten reguliert, wenn keine Interaktion stattfindet.
- Zwischenmenschlich: Reguliert soziale Interaktionen und vermittelt in Streitfällen.
Moralische Entwicklung nach Piaget
Heteronome Moral (4 bis 7 Jahre): Gerechtigkeit und Regeln werden als unveränderliche Eigenschaften der Welt angesehen, die außerhalb der menschlichen Kontrolle stehen. Die Güte eines Verhaltens wird nach den Folgen beurteilt, unabhängig von der Absicht.
Autonome Moral (ab 10 Jahren): Das Kind erkennt, dass Normen und Gesetze von Menschen geschaffen wurden. Bei der Beurteilung einer Aktion werden die Absichten sowie die Folgen berücksichtigt. Kinder können nun neue Regeln für ein Spiel entwerfen.
Übergangsphase (7 bis 10 Jahre): In dieser Zeit findet ein Übergang statt, der Merkmale beider Formen des moralischen Denkens aufweist.
Moralische Entwicklung nach Kohlberg
Ebene 1: Präkonventionelles Stadium (vor dem 9. Lebensjahr): Keine Internalisierung moralischer Werte. Moral wird durch externe Belohnungen und Strafen geregelt.
- Stufe 1: Heteronome Moral: Moral ist an Bestrafung geknüpft. Gehorsam erfolgt aus Angst vor Strafe.
- Stufe 2: Individualismus und Austausch: Man verfolgt eigene Interessen, lässt aber auch andere dasselbe tun.
Ebene 2: Konventionelles Stadium (ab ca. 10 Jahren): Die Internalisierung ist moderat. Man hält sich an interne Prinzipien, die jedoch den Kriterien anderer (extern) entsprechen.
- Stufe 3: Zwischenmenschliche Konformität: Vertrauen, Pflege und Loyalität sind Basis für Urteile. Man übernimmt Normen der Eltern, um als „gut“ zu gelten.
- Stufe 4: Soziale Systemmoral: Urteile basieren auf dem Verständnis von sozialer Ordnung, Gesetz und Pflicht.
Ebene 3: Postkonventionelles Stadium (ab ca. 20 Jahren): Die Moral ist vollständig verinnerlicht. Man erkennt alternative moralische Optionen und entscheidet auf Basis eines persönlichen Moralkodex.
- Stufe 5: Gesellschaftsvertrag und individuelle Rechte: Werte und Prinzipien können über dem Gesetz stehen.
- Stufe 6: Universelle ethische Prinzipien: Urteile basieren auf universellen Menschenrechten. Bei Konflikten zwischen Gesetz und Gewissen folgt man dem Gewissen.
Zentrale Entwicklungsaufgaben des Kindes
Folgende Aufgaben soll das Kind erreichen:
- Beginn eines schrittweisen Prozesses der Autonomie und Unabhängigkeit von den Eltern zur Integration in neue Umgebungen.
- Aufbau einer Lernmotivation.
- Erwerb von Fähigkeiten, die für die Welt der Erwachsenen erforderlich sind.
- Lernen, das eigene Verhalten situationsgerecht zu regulieren.
- Anpassung an gesellschaftliche Normen.