Epische Chroniken und Humanismus in der Krone Aragon

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Epische Erzählungen und die großen Chroniken

Nationen schätzen ihre glorreiche Vergangenheit und besitzen oft eine epische Geschichte ihrer Heldentaten. Ähnlich wie ikonische sowjetische Helden, ob real oder imaginär, die ein Gefühl nationaler Gemeinschaft stärkten, tragen auch historische Texte dazu bei, solche Erzählungen zu festigen. Obwohl katalanische Epen nicht immer in Versform überliefert sind – viele sind möglicherweise verloren gegangen –, belegen gelegentlich auftauchende prosaische Fragmente die Existenz solcher Geschichten. Ein herausragendes Beispiel hierfür sind die „Vier großen Chroniken“, historische Prosatexte, die die Blütezeit der Krone von Aragon widerspiegeln.

Allgemeine Merkmale der Chroniken

  • Authentizität: Oft aus der Perspektive der Autoren geschrieben, die selbst Zeitzeugen waren.
  • Nationalismus: Betont die Größe und Bedeutung der Krone von Aragon.
  • Providentialismus: Die Überzeugung, dass Siege und Erfolge göttlich gewollt waren.
  • Sprachliche Bedeutung: Tragen zur Entwicklung und Standardisierung der katalanischen Schriftsprache bei.

Die vier großen Chroniken im Detail

1. Jaume I. – Das Buch der Taten (Llibre dels Fets)

Diese Chronik ist eine persönliche, autobiografische Erinnerung des Königs, die sich hauptsächlich auf die Eroberung Valencias und Mallorcas konzentriert. Sie zeigt eine didaktische Absicht, eine lebendige Sprache und einen starken Providentialismus: die Überzeugung, dass seine Siege einem göttlichen Plan folgten.

2. Bernat Desclot – Chronik des Königs Peter des Großen

Über Bernat Desclot ist fast nichts bekannt, außer seinem Namen; möglicherweise war er Bernat der Schreiber. Seine Chronik behandelt hauptsächlich die Regierungszeit Peters II. des Großen, dessen Zeitgenosse er war.

3. Ramon Muntaner – Die Chronik

Muntaners Chronik ist die berühmteste der vier. Sie deckt eine lange historische Periode ab, von der Geburt Alfons' bis zur Krönung Jakobs I. des Gütigen. Der interessanteste Teil ist jedoch, wenn der Autor seine eigenen Erlebnisse und Erfolge schildert. Muntaner gilt als der unvoreingenommenste und am wenigsten begeisterte der vier Chronisten. Er nimmt sich selbst keine Hauptrolle, überlässt diese aber Königen und großen Herren, denen er als Söldner diente. Sein Nationalismus beinhaltet providentialistische Übertreibungen und eine lebendige, direkte Sprache, wie sie auch Jaume I. verwendete.

4. Pere IV. – Chronik des Zeremoniösen

Diese Chronik, die Pere IV. dem Zeremoniösen zugeschrieben wird, behandelt seine eigene Herrschaft und die seines Vaters, Alfons des Gütigen. Der Verfasser leitet hier eine Rechtfertigung seiner Handlungen ab. Sie konzentriert sich mehr auf die Intrigen des Hofes als auf den epischen Heroismus der eigenen Vergangenheit. Diese Chroniken sind von großer historischer, sprachlicher und literarischer Bedeutung.

Künstlerische Strömungen: Humanismus und die Königliche Kanzlei

Künstlerische Strömungen des Mittelalters ebneten den Weg für Schriftsteller, die nach der Renaissance kamen. Der Humanismus, der aus Italien über verschiedene Wege nach Aragon gelangte, prägte maßgeblich die intellektuelle Landschaft. Bernat Metge ist eine Schlüsselfigur dieser Bewegung.

Der Humanismus und die Königliche Kanzlei

Der Humanismus, ideologisch gerahmt, bedeutete eine Rückkehr zur klassischen Antike und eine Ablehnung vieler Aspekte des Mittelalters. Humanisten besaßen eine große Gelehrsamkeit. Die Krone von Aragon, insbesondere Könige wie Johann I. und Martin I. der Humane, nahm die humanistischen Ideale voll an und verteidigte sie. Dies ging so weit, dass es für die Königliche Kanzlei, eine Institution von großer Bedeutung zu jener Zeit, zwingend erforderlich war, Latein – zusätzlich zu Aragonesisch und Katalanisch – zu beherrschen.

Die Königliche Kanzlei war eine bürokratische Einrichtung, die alle offiziellen Aufzeichnungen der Könige, des Adels und des kirchlichen Standes der Krone von Aragon erstellte. Ihre Bedeutung rührt vor allem von der sprachlichen Einheitlichkeit her, die im gesamten Land durch die Einführung einer Schriftsprache etabliert wurde: Eine Art Koine (gemeinsame Sprache) wurde über die größere Vielfalt der mündlichen Sprache gelegt.

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