Episches Theater Brecht – Strukturelemente & Galileis Beziehung

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Epische Strukturelemente

Das epische Drama hat eine offene Form: Jede Szene stellt ein Bild für sich dar, die Schauplätze wechseln, die Handlung weist Zeitsprünge auf, das Ende bleibt häufig offen, denn der Zuschauer soll weiterdenken und für sich die Folgen ziehen.

Brecht benutzt in seinem Stück die Form des Dialogs. Es gibt kurze Kommentare des Erzählers am Anfang jeder Szene. Der Erzähler in diesem Stück steht außerhalb der Handlung, kommentiert sie und ist Vermittler zwischen Bühnengeschehen und Zuschauer. Der Erzähler wendet sich an die Zuschauer und teilt ihnen den Zeitpunkt des Geschehens mit. In jedem Bild wird ein Gedicht geschrieben. Brecht verwendet sowohl Verse als auch Prosa. Er benutzt in den Gedichten Verse, um die Szene zu platzieren. Vor Beginn jeder Szene erscheint ein Zwischenvorhang, eine Art Inhaltsangabe, eine Vorschau auf das kommende Geschehen.

Brecht versteht sein episches Theater als marxistisches Lehrtheater. Typische Elemente des epischen Theaters, dessen Hintergrund Brechts marxistische Ideologie darstellt, kommen in diesem Stück vor. Es gibt zahlreiche Reflexionsdialoge, die dazu dienen, dass der Leser mit der Hauptfigur mitdenkt und auch kritisch die Situation anschaut.

  • Verfremdungseffekt: Brecht verfremdet die Wirklichkeit, indem er die Probleme der Gegenwart abhandelt. Außerdem wird Galilei verfremdet, als er sich am Ende des Stückes selbst als Verbrecher verurteilt. Dieser Effekt der Verfremdung soll eine Distanz zum Zuschauer bilden, sodass sich dieser nicht mit dem „Helden“ identifizieren kann.
  • Bibelstellen als Stilmittel: Auch die oft zitierten Bibelstellen sind ein Stilmittel des epischen Theaters. Sie werden oft zu politisch-gesellschaftlichen Positionen von allen Seiten zitiert, z. B. im Zitatduell zwischen Galilei und den zwei Kardinälen im 7. Bild.
  • Dialektik der Entscheidungssituationen: Brecht stellt zwei inhaltlich konträre Bilder dar, die dicht aufeinanderfolgen. Galilei liegt häufig zwischen zwei Entscheidungen (z. B. im Bild 11: soll er nach Venedig fliehen oder in Florenz bleiben?).
  • Antithetische Sprache: Viele Sätze besitzen eine antithetische Struktur und stellen zwei widersprüchliche Thesen gegenüber: „die alte Zeit ist rum, es ist eine neue Zeit“ (S. 9), „Sollen wir die menschliche Gesellschaft auf Zweifel begründen und nicht mehr auf den Glauben?“ (S. 105).

Schließlich liefern die Szenen chronologisch den Verlauf von Galileis Kampf um die Wahrheit, so dass der Eindruck einer abgeschlossenen Handlung mit einer Spannungskurve wie im traditionellen Theater entsteht.

Beziehung zu Andrea Galilei

Andrea (A) ist der Sohn von Galileis Haushälterin. Der Junge zeigt großes Interesse für Galileis Erklärungen, was dazu führt, dass Galilei zum Vorbild des Jungen wird. Die Art und Weise, wie Galilei Andrea seine Kenntnisse erklärt, erinnert daran, wie ein Vater seinem Kind die Welt zeigt und sie ihm nahebringt; das führt zu einem tiefen Verhältnis.

Für Galilei ist es sehr wichtig, Andrea alles erklären zu können, und das Interesse, das Andrea zeigt, verhilft Galilei, sich motiviert zu fühlen. Galilei kann ihm sein ganzes Wissen weitergeben; deshalb teilt er mit dem Jungen alles, was neu entdeckt oder herausgefunden wird. Dieses innige Verhältnis und das Vertrauen erleiden einen tiefen Schlag, als Andrea überzeugt ist, dass Galilei nicht widerrufen wird. Es entsteht eine tiefe Bindung zwischen ihnen.

Doch Andrea ist enttäuscht, als Galilei schließlich widerruft, und besucht ihn später nicht, als er unter Hausarrest steht und von der Inquisition überwacht wird. Bevor Andrea aber nach Holland fährt, wo er wissenschaftlich tätig sein möchte, geht er Galilei noch einmal besuchen. Andrea wirft Galilei vor, welchen großen Schaden sein Widerruf der Wissenschaft zugefügt habe. Doch Galilei zeigt ihm die Discorsi, was Andrea begeistert.

Nun versteht Andrea, dass dank Galileis Widerruf dieser die Möglichkeit gehabt hat, seine Discorsi zu beenden. Und so macht sich Andrea mit den Discorsi unter dem Arm auf nach Holland.

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