Epistemologie: Grundlagen, Kontexte und Rechtfertigung wissenschaftlicher Erkenntnis

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Epistemologie

Epistemologie oder Erkenntnistheorie untersucht die Bedingungen der Produktion und Validierung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Erkenntnistheoretiker beschäftigen sich damit, wie Wissenschaft funktioniert und welche Kriterien eine wissenschaftliche Theorie erfüllen muss. Anders gesagt: Es geht darum, wie Menschen, deren Zugang zur Welt kurz und beschränkt ist, dennoch möglichst verlässliches Wissen gewinnen können.

Kontexte der Entdeckung, Begründung und Anwendung

  1. Kontext der Entdeckung:

    Wie wurde eine bestimmte Theorie entwickelt? Wer war der Erste, der sie aufgestellt hat? Ein klassisches Beispiel ist die Anekdote von August Kekulé: Er berichtete, dass ein Chemiker während des Dösens vor dem Kamin die tanzenden Flammen beobachtete; in seiner Vorstellung wand sich eine Schlange und bildete einen Ring. Er wachte auf und erkannte die Idee eines sechsgliedrigen Benzolrings. Solche Geschichten veranschaulichen, wie kreative oder zufällige Elemente in den Entdeckungsprozess eingehen können.

  2. Kontext der Rechtfertigung:

    Wie werden Theorien miteinander verglichen? Hier geht es darum, wie eine Theorie bestätigt oder widerlegt wird, welche Garantien Wissenschaftlern zur Verfügung stehen und welche Kriterien eine Theorie erfüllen muss, damit sie als zuverlässig gilt.

  3. Anwendungskontext:

    Welchen Nutzen hat eine Theorie für die Menschheit? Wissenschaftlicher Fortschritt sollte nicht nur theoretisch sein, sondern auch mögliche Anwendungen, Nutzen und Risiken berücksichtigen, z. B. die Möglichkeit, genetisch bedingte Krankheiten früh zu erkennen und zu behandeln. Anwendungskontexte betreffen ethische, soziale und praktische Aspekte der Wissenschaft.

Gemeinsames Wissen

Allgemeines oder gemeinsames Wissen lässt sich folgendermaßen charakterisieren:

  1. Erstens: Kenntnisse sind häufig weit verbreitet.
  2. Zweitens: Diese Kenntnisse können spontan erhalten oder das Produkt persönlicher Forschung sein.
  3. Drittens: Dieses Wissen ist gelegentlich vage und ungenau; die Sprache wird benutzt, um auf Sachverhalte zu verweisen.
  4. Viertens: Teile dieses Wissens sind von der Gesellschaft festgelegt, in der wir leben.
  5. Fünftens: Der Ort dieses gemeinsamen Wissens wirkt manchmal chaotisch, da es zufällig aufgebaut wurde und in einer gewissen Unordnung existiert.
  6. Sechstens: Gemeinsames Wissen befasst sich nicht notwendigerweise mit Ursachen; ein Teil davon ist allgemein bekannt, dank der Informationen, die uns Wissenschaft liefert. Das gemeinsame Wissen hilft uns, im Alltag zu funktionieren. Dieses Wissen ist jedoch niemals endgültig ersetzt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

  1. Keine Spontanität: Wissenschaftliche Erkenntnis entsteht nicht spontan; sie erfordert harte Arbeit, Studium und Forschung. Der Wissenschaftler muss zögern, reflektieren und eine kritische Haltung gegenüber der umgebenden Welt einnehmen.

  2. Erklärungsziel: Wissenschaft strebt danach zu wissen, warum etwas so ist. Sie liefert Erklärungen für Phänomene und beschränkt sich nicht auf bloße Beschreibungen.

  3. Objektivität: Wissenschaft bemüht sich um objektive Erkenntnis: Sie soll die Welt so beschreiben, wie sie ist, nicht so, wie wir sie gerne hätten. Dazu müssen Forschende persönliche Interessen, Wünsche, Überzeugungen und Ideologien weitgehend zurückstellen.

  4. Allgemeine Gültigkeit: Wissenschaft sucht nach allgemein gültigen Aussagen und Zielen, die über individuell-subjektive Sichtweisen hinausreichen.

  5. Systematik: Wissen soll systematisch organisiert sein. Wissenschaftliche Theorien sollen konsistent sein und sich nicht widersprechen.

  6. Präzision: Wissenschaft strebt nach größtmöglicher Präzision. Klare Kommunikation von Wissen ist wesentlich, damit Erkenntnisse unverwechselbar und verständlich sind.

Voraussetzungen des Wissens

  1. Glaube: Damit ein Subjekt eine Behauptung als wahr bezeichnet, muss es an die Wahrheit dieser Behauptung glauben.

  2. Wahrheit: Die Forderung ist, dass das Objekt der Ansicht tatsächlich wahr ist. Man kann nicht von Wissen sprechen, wenn eine Aussage falsch ist.

  3. Test / Rechtfertigung: Es muss akzeptable Gründe geben, warum jemand eine Aussage für wahr hält. Das Test- oder Rechtfertigungsrequisit ist von entscheidender Bedeutung, weil es die Brücke zwischen Glaube und Wahrheit bildet. Es müssen gute Gründe vorliegen, an die Wahrheit einer Aussage zu glauben.

Wissen als gerechtfertigter Glaube

Für Platon ist Wissen eine Einrichtung des Nachweises und des Wahrheitsstatus. Wenn es keine Beweise gibt, besteht Grund zu Zweifeln an der Wahrheit der Aussage. Platon betrachtete Wissen als Bezug auf eine transzendente Wirklichkeit, nicht nur auf die unmittelbar erfahrbare Welt. Zwar akzeptiert er nicht, dass bloßer Glaube Wissen darstellt — wenn jemand glaubt, die Wahrheit zu sagen, es aber tatsächlich falsch ist, dann ist das kein Wissen — dennoch erkannte er die Schwierigkeit, absolute Wahrheiten zu sichern.

Das Problem der Gültigkeit des Tests

Als gerechtfertigt gilt ein Glaube, wenn er durch Formen der Begründung getragen wird, die in einer bestimmten Gemeinschaft als akzeptabel oder verlässlich gelten. Die bloße Begründung garantiert nicht automatisch die Wahrheit des Glaubens, sie verleiht ihm jedoch Legitimität. Wissen entsteht dann in Situationen, in denen mehrere Fachpersonen die gleichen Ergebnisse überprüfen und bestätigen.

Die beobachtbare Wissenschaft als Wissen

Wissenschaft versucht zu beschreiben und zu erklären, was in einem bestimmten Kontext und unter bestimmten Umständen beobachtet wurde. Wissenschaft soll auch vorhersagen, was beobachtet wird, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Daher bezieht sich wissenschaftliche Erkenntnis in erster Linie auf das, was direkt oder indirekt beobachtbar ist.

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