Die Epoche der Reformation: Religion, Politik und Kunst im 16. Jahrhundert
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Merkmale der Epoche: Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft
Wirtschaftliche Veränderungen
- Mit der Eröffnung des internationalen Handels und der Banken wird das Geld zur treibenden Kraft aller Aktivitäten.
Politische Entwicklungen
- Nationalstaaten entstehen und Monarchien gewinnen an Stärke.
- Die Politik folgt weiterhin der Leitung der Kirche.
Der Begriff des Lebens und der Individualismus
- Aufstieg des Individualismus, kritischer Sinn gegenüber der Obrigkeit und Bestätigung der persönlichen Freiheit.
Die Religiöse Revolution
Veränderungen und Missstände in der Kirche
Einige Päpste und Bischöfe waren stark mit den Künsten beschäftigt, was ihre spirituelle Macht über die Gläubigen schwächte. Der niedere Klerus führte oft ein wenig vorbildliches Leben. Das Volk lebte einen Glauben, der tief von der Angst vor dem Weltuntergang und der Hölle beeinflusst war.
Martin Luther und der Beginn der Reformation
Martin Luther war einer der Hauptakteure der religiösen und politischen Ereignisse des 16. Jahrhunderts. Die Verkündung eines vollkommenen Ablasses durch Papst Leo X., dessen wirtschaftlicher Erlös den Bau des Petersdoms finanzieren sollte, schockierte Luther zutiefst.
Die Ausbreitung der Protestantischen Reformation
Die protestantische Reformation verbreitete sich schnell in Europa:
- Heinrich VIII. trennte sich von der katholischen Kirche und erklärte sich zum Oberhaupt der Anglikanischen Kirche.
- Johannes Calvin führte die Reformation in Genf (Schweiz) an. Er vertrat die Lehre der Prädestination, wonach jeder Mensch von Gott entweder zur Rettung oder zur Verdammnis vorherbestimmt ist.
Die Katholische Reform (Gegenreformation)
Das Konzil von Trient, einberufen von Papst Paul III., war das längste Konzil in der Geschichte der Kirche. Es verfolgte im Wesentlichen zwei Hauptziele:
- Klärung der Glaubensinhalte als Antwort auf die Fragen des Protestantismus.
- Erlass notwendiger Vorschriften zur Beseitigung von Missständen, zur besseren Ausbildung des Klerus und zur Förderung eines vorbildlicheren christlichen Lebens.
Glaubensunterschiede: Protestantismus vs. Katholizismus
Protestantismus und Katholizismus bieten zwei unterschiedliche Konzepte des christlichen Lebens, insbesondere in Bezug auf das Heil und die Rolle der Kirche.
Das Heil (Erlösung)
- Luther: Der Mensch wird allein durch den Glauben (Sola Fide) gerettet.
- Konzil von Trient: Der Mensch wird gerettet, wenn er mit der Gnade Gottes durch gute Werke zusammenarbeitet.
Die Rolle der Kirche und der Schrift
- Protestantismus: Die Bibel (Schrift) ist die einzige Quelle des christlichen Glaubens (Sola Scriptura).
- Katholizismus: Die Kirche hat neben der Heiligen Schrift auch die Autorität, den christlichen Glauben zu verkünden und auszulegen (Schrift und Tradition).
Verfolgung und Intoleranz
Die Inquisition: Verfolgung von Ketzern
Die Inquisition entstand, als die weltliche und die religiöse Macht zusammenarbeiteten, um Ketzer aufzuspüren. In Spanien organisierte Tomás de Torquemada die harte Verfolgung von falsch Konvertierten (Conversos).
- Dabei handelte es sich um Juden, die zwar die Taufe angenommen hatten, um ihr Leben zu erleichtern, aber weiterhin heimlich ihre ursprüngliche Religion ausübten.
- Die Angeklagten wurden oft unter Folter verhört.
- Die Urteile waren vielfältig: Verbannung, Geldbußen, Gefängnis, das Tragen des Sanbenito (Büßerhemd) oder der Tod durch Verbrennung.
Die weltliche Macht unterstützte diese Maßnahmen, da sie ebenfalls ihren politischen und sozialen Zielen dienten.
Die Vertreibung der Juden aus Spanien (1492)
Das Gefühl von Hass und Misstrauen gegenüber ethnischen und religiösen Gruppen ist ein Phänomen, dessen Ursprung schwer zu lokalisieren ist. Juden wurden oft als mitschuldig am Tod Christi angesehen.
Sie wurden von der Inquisition verfolgt, die in ihnen eine Bedrohung für den katholischen Glauben sah. Es wurden diskriminierende Maßnahmen angewandt, und ihnen wurde die Ausübung bestimmter Berufe verboten. Schließlich wurden sie 1492 von den Katholischen Königen aus Spanien ausgewiesen.
Kunst und Propaganda in der Frühen Neuzeit
Die Renaissance und der Humanismus
Die Renaissance brachte eine neue Vorstellung von der Welt und dem Menschen hervor. Das mittelalterliche theozentrische System geriet in die Krise, während sich der Humanismus in ganz Europa ausbreitete.
Der Aufstieg des Barock
Die Schirmherrschaft der Kirche machte die Kunst zu einem wirksamen Instrument der Propaganda, um die Richtlinien des Konzils von Trient zu illustrieren. Der Barock entstand in Italien im späten 16. Jahrhundert und verbreitete sich schnell in Spanien und anderen katholisch geprägten Ländern.
Merkmale der Barocken Kunst
Die Barocke Kunst war die kulturelle Reaktion der Katholischen Kirche auf die protestantische Reformation. Die Kirche erkannte die große Kraft der Kunst als Propagandamittel und nutzte sie, um die Gläubigen zu blenden und anzuziehen.
Der Barock zeichnet sich aus durch:
- Geschwungene Linien
- Das Spiel von Licht und Farbe (Chiaroscuro)
- Bewegung und Dynamik
- Dramatik und Theatralik
Barocke Malerei
Wiederkehrende Themen sind die Jungfrau Maria, Heilige und die Betonung des Glaubens an die Eucharistie. Übertriebene Bewegungen, Haltungen und Gesten werden mit dramatischen Mitteln eingesetzt, um die Gläubigen emotional zu bewegen.
Barocke Skulptur
In Spanien zeichnen sich besonders die polychromen Holzskulpturen von großem Realismus aus. Sie wurden als Mittel der religiösen Unterweisung genutzt, um religiöse Gefühle durch Altarbilder und die Prozessionsschritte der Karwoche zu fördern.