Erkenntnis, Ethik und Politik bei Platon
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Erkenntnistheorie Platons
Für Platon gehört die Seele der intelligiblen Welt an. Obwohl sie sich in der materiellen Welt befindet, erinnern uns manche Dinge an das wahre Wissen. Dies ist die Theorie der Erinnerung (Anamnesis). Sie besagt, dass Wissen nicht durch Erfahrung erworben wird, sondern bereits in uns existiert. Wir müssen lediglich erkennen, dass es vorhanden ist. Die Ideen (Formen) sind Werkzeuge, die der Seele helfen, sich an das ihr Vertraute zu erinnern.
Wissen entsteht also durch Erinnerung; Wissen ist Erinnern. Sokrates lehrte, dass die Wahrheit in der Seele verborgen liegt. Wir sollen nicht nach dem suchen, was wir nicht wissen, da wir alles bereits in uns tragen.
Die Dialektik als wahre Erkenntnis
Eine weitere Form der Erkenntnis ist die Dialektik, die wahre Erkenntnis der Essenzen. Sie ist ein Dialog, der durch Diskussionen zum Wissen der Ideen führt. Die Dialektik basiert auf der Vernunft und ist der wissenschaftliche Diskurs (Episteme).
Wissen als Liebe (Eros) und Moral
Platon betont, dass Wissen Lernen und eine Grundlage aus Leidenschaft oder Wunsch erfordert – Wissen als Liebe zum Bekannten (Eros). Dieser erotische Impuls reinigt uns vom Körperlichen und erhebt uns zur idealen Welt. Dies führt zum moralischen Intellektualismus: Wer Gutes tun will, muss wissen, was gut ist. Dieses Wissen führt zur Tugend, ganz im Sinne der sokratischen Idee.
Platonische Ethik und Politik
Die Ethik ist eng mit der Politik verbunden. Platon stellt die Frage, ob Gerechtigkeit und Tugend lehrbar sind. Während Sokrates die Tugenden lehrte, basieren wir oft nur auf Meinungen und Erscheinungen, ohne die Tugend an sich zu kennen. Die Sophisten hingegen lehren, jedes Argument verteidigen zu können.
Tugend und Gerechtigkeit in der Seele
Tugend bedeutet Wissen (Erkenntnis des Guten), also moralischer Intellektualismus, und die Harmonie zwischen den Teilen der Seele. Gerechtigkeit ist die höchste politische Tugend und bedeutet, dass jeder das Seine erhält.
Im Menschen bedeutet Gerechtigkeit, dass jeder Teil der Seele seinen Platz und seine Funktion einnimmt. Dies sind die Kardinaltugenden:
- Rationaler Teil der Seele: Weisheit und Klugheit.
- Jähzorniger Teil der Seele: Mut und Tapferkeit.
- Begehrender Teil (Concupiscible): Mäßigung und Besonnenheit.
Die Harmonie dieser Tugenden führt zur Gerechtigkeit.
Der Idealstaat und seine Stände
In der Politik ist Gerechtigkeit das zentrale Thema, sowohl für den Einzelnen als auch für den Staat. Platon entwirft einen Idealstaat, in dem Gerechtigkeit möglich ist, geführt von Philosophen (Sokrates' Idee).
Der Staat muss drei Grundbedürfnisse befriedigen: Versorgung, Verteidigung und Führung. Dafür sind drei Stände notwendig:
- Erzeuger (Versorgung/Ökonomie)
- Wächter (Verteidigung)
- Philosophen (Regierung), da sie das Gute kennen.
Regierung und Erziehung
Die Regierung soll von Wissenschaft und Wissen (Episteme) geleitet werden, nicht von bloßer Meinung. Es besteht eine direkte Beziehung zwischen dem Seelenteil und dem Stand. Die Zugehörigkeit richtet sich nach der dominanten geistigen Tendenz.
Der Staat muss erziehen:
- Bis 20 Jahre: Militärische Ausbildung.
- 20 bis 35 Jahre: Philosophische Ausbildung.
Platon verteidigt daher die Monarchie oder die Aristokratie als Regierungssystem. Im Gegensatz dazu steht die Tyrannei, bei der der Herrscher nur seine eigenen Interessen verfolgt.
Die Wächter und Herrscher leben unter kommunistischen Einschränkungen (kein Privateigentum), um Korruption zu verhindern. Frauen sollen ebenso wie Männer gut ausgebildet werden. Platon räumt jedoch ein, dass dieses ideale Regierungssystem in der Praxis schwer umzusetzen ist.