Erkenntnistheorie: Rationalismus, Empirismus und die Theorien der Wahrheit

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 3,38 KB

Gnoseologische Standpunkte in der Neuzeit

1. Rationalismus (17. und 18. Jahrhundert)

Der Rationalismus ist eine philosophische Strömung des 17. und 18. Jahrhunderts in der Neuzeit. Die wichtigsten Vertreter sind **Descartes**, **Leibniz** und **Spinoza**. Er entstand in Europa und fand besondere Verbreitung in Frankreich, Deutschland und Holland.

Der Rationalismus stellt die menschliche Vernunft in das Zentrum des Wissens. Die Rationalisten gehen davon aus, dass die Vernunft von **angeborenen Ideen** erfüllt ist – Ideen, die der menschliche Geist auf natürliche Weise entwickelt. Beispiele für solche angeborenen Ideen sind die der Unendlichkeit und der Extension (Ausdehnung).

Für Rationalisten ist die Frage des Wissens grundlegend für ihre Philosophie: Sie analysieren den Ursprung, die Wahrheit oder die Grenzen der menschlichen Erkenntnis der Wirklichkeit. Die Erkenntnis der Wirklichkeit ist kein einfacher Prozess; die Ideen, die wir von der Wirklichkeit haben, sind nicht identisch mit der Wirklichkeit selbst.

2. Empirismus

Der Empirismus ist ebenfalls eine Strömung der Neuzeit. Seine wichtigsten Philosophen sind **Locke**, **Berkeley** und **Hume**, die größtenteils Briten sind. Im Gegensatz zu den Rationalisten leiten Empiristen das menschliche Wissen aus der **Erfahrung** ab und lehnen angeborene Ideen (Ideae innatae) ab.

Drei Theorien der Wahrheit

A) Die Wahrheit als Korrespondenz (Korrespondenztheorie)

Diese Theorie war vor allem im Altertum und im Mittelalter verbreitet. Sie besagt, dass Wahrheit in der Übereinstimmung (Korrespondenz) zwischen einer Aussage (Mitteilung) und der Wirklichkeit liegt.

Das Problem dieser Auffassung ist, dass sie eine außersprachliche Realität voraussetzt, die absolut und unabhängig vom beschreibenden Subjekt existiert. Da jedoch alle Fakten sprachlich formuliert werden, können wir nicht über Fakten sprechen, ohne Erklärungen abzugeben. Jeder Bezug auf die Wirklichkeit erfolgt durch die Sprache.

B) Die Wahrheit als Kohärenz (Kohärenztheorie)

Diese Theorie findet Anwendung in logischen und mathematischen Systemen. Eine Aussage ist logisch wahr, wenn sie mit dem System von Aussagen, zu dem sie gehört, kompatibel ist.

Beispielsweise ist die Unbeweglichkeit der Erde eine wahre Aussage im geozentrischen System, aber falsch in der heliozentrischen Theorie. Die Kohärenztheorie besagt lediglich, ob eine Aussage innerhalb des Systems, zu dem sie gehört, wahr ist oder nicht. Sie dient nicht dazu, zu entscheiden, ob dieser Satz von Anweisungen aus der Sicht der Erfahrung oder der Realität wahr ist.

C) Die Wahrheit als Evidenz (Evidenztheorie)

Wahrheit als Evidenz bedeutet, dass etwas so klar ist, dass man es nicht leugnen kann, ohne in einen Widerspruch zu geraten. Ein Beispiel hierfür ist der Satz: „Das Ganze ist größer als der Teil.“ Diese Wahrheit liegt auf der Hand, da das Prädikat das Subjekt umfasst.

In der Neuzeit, insbesondere im Rationalismus, wird die Wahrheit als Evidenz verstanden, wie sie durch den scheinbaren Sinn belegt wird, z. B. in Descartes' berühmtem Satz: ***„Cogito ergo sum“*** (Ich denke, also bin ich). Diese Auffassung führt zum sogenannten philosophischen **Subjektivismus**, wonach Wahrheit nicht in der Korrespondenz der Idee zur Realität liegt, sondern ein Merkmal der Idee selbst ist.

Verwandte Einträge: