Erzähltheorie und spanische Literatur des Mittelalters

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Erzähltheorie und literarische Strukturen

Erzählbeziehungen: Der Text im Kontext und die Beziehung zum Autor.

Der Erzähler

  • Expliziter Erzähler: Die Person wird dargelegt, wie ein Charakter in der Geschichte selbst (in der Regel in der 1. Person).
  • Impliziter Erzähler: Dargestellt als eine Figur, die die Geschichte organisiert und erzählt (3. Person).

Perspektive (Viewpoint)

  • Intern: Der Erzähler berichtet das Geschehen aus dem Blickwinkel einer oder mehrerer Figuren.
  • Extern: Der Erzähler berichtet von außen, aus einem den Charakteren völlig fremden Blickwinkel.
  • Allwissend: Der Erzähler ist über alles informiert, was in der Geschichte geschieht.

Der Erzähladressat (Narratee): Die Person, an die der Text gerichtet ist. Er kann explizit (eine konkret angegebene Person) oder implizit (keine spezifische Person) sein.

Raum und Zeit in der Erzählung

Der Handlungsraum

  • Offen: Orte, an denen sich die Charaktere bewegen und Aktionen entwickeln.
  • Geschlossen: Orte, an denen die Aktion für eine introspektive Analyse der Charaktere oder zur Reflexion über die Ereignisse innehält.

Die Zeitstruktur

Man unterscheidet zwischen der erzählten Zeit (chronologische Zeit der Handlung) und der Erzählzeit (Zeitaufwand für das Berichten). Dabei können folgende Phänomene auftreten:

  • Ellipse: Auslassen von Ereignissen (z. B. „nach fünf Jahren“).
  • Zusammenfassung: Ereignisse werden gerafft dargestellt.
  • Szene: Erzählzeit und erzählte Zeit sind nahezu identisch.
  • Pause: Die Handlung stoppt für Exkurse des Autors oder beschreibende Passagen.

Formen der Beschreibung

  • Topographie: Beschreibung eines Ortes.
  • Chronographie: Beschreibung einer historischen Zeit.
  • Prosopographie: Beschreibung der physischen Erscheinung einer Person.
  • Etopeya: Beschreibung psychologischer und moralischer Eigenschaften.
  • Porträt: Gemeinsame Darstellung von moralischer und physischer Erscheinung.

Literarische Strömungen des Mittelalters

Mester de Clerecía (Die Kunst der Kleriker)

Der Mester de Clerecía bezeichnet die Literatur gebildeter Menschen (Kleriker), die Latein beherrschten, auch wenn sie keine Mönche waren. Diese Werke entstanden zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert.

  • Merkmale: Verwendung einer gepflegten Sprache, Verfassen in Versen, didaktisches Ziel (lehren).
  • Themen: Meist religiös, inspiriert von griechischen, römischen und biblischen Traditionen.
  • Form: Ausschließlich die Cuaderna Vía (Strophe aus vier 14-silbigen Alexandrinern mit konsonantem Reim).
  • Gonzalo de Berceo: Der erste namentlich bekannte kastilische Dichter. Sein Hauptwerk sind die Miracles of Our Lady (Wunder unserer lieben Frau), bestehend aus 25 Gedichten.

Mester de Juglaría (Die Kunst der Spielleute)

Diese epische und lyrische Poesie wurde im Mittelalter von Spielleuten (Juglares) verbreitet. Sie sangen oder rezitierten vor Königen und dem Volk. Spielleute waren oft Akrobaten, Jongleure oder Komödianten niederer Herkunft.

  • Stil: Unregelmäßige Verslängen (Anisosyllabismus) zwischen 10 und 16 Silben, vorwiegend Alexandriner. Verwendung von Assonanzreimen und formelhaften Wendungen zur Gedächtnisstütze.
  • Inhalt: Heldenepen (Cantares de Gesta) über legendäre Ritter und deren Taten, die die Werte der mittelalterlichen Gesellschaft verkörperten.
  • Bekannte Werke: Cantar de Mio Cid in Spanien oder das Rolandslied in Europa. Die Autoren sind meist anonym.

Prosa-Erzählungen und historische Texte

Erzählformen

  • Märchen/Geschichten: Unterteilt in anonyme, mündlich überlieferte Volksmärchen und literarische Kunstmärchen bekannter Autoren.
  • Ritterbücher: Umfangreiche fiktive Geschichten über das Leben eines Ritters (Geburt, Liebe, Taten, Tod). Beispiel: Amadís von Gallien (überarbeitet von Garci Rodríguez de Montalvo).
  • Historische Erzählungen: Gefördert durch die Schule der Übersetzer von Toledo unter Alfonso X. dem Weisen. Wichtige Werke: Estoria de España und General Estoria.

Don Juan Manuel: El Conde Lucanor

Ein didaktisches Werk, bestehend aus 51 Geschichten. Der Graf Lucanor lässt sich von seinem Berater Patronio in moralischen und praktischen Fragen unterweisen.

Merkmale expositorischer Texte

Um Objektivität und Klarheit zu gewährleisten, nutzen diese Texte folgende Mittel:

  • Logische Satzreihenfolge und Aussagesätze im Indikativ.
  • Spezifizierende Adjektive und unpersönliche Strukturen.
  • Zeitloses Präsens und fachsprachliches Lexikon (Denotation).
  • Typografische Hervorhebungen, Zitate anderer Autoren und strukturierende Konnektoren.

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