Europa & Katalonien: Gesellschaft in der Zwischenkriegszeit

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Europa in der Zwischenkriegszeit

Industrieller Fortschritt und soziale Spaltung

Die europäische Gesellschaft im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war geprägt vom industriellen Wachstum. Dieses führte zur Bereicherung der privilegierten und bürgerlichen Schichten, verursachte aber als Folge des Ersten Weltkriegs (1914–1918) auch tiefe Wunden und eine ernsthafte Wertekrise.

Die Euphorie über das industrielle Wachstum und den wirtschaftlich-technischen Fortschritt brachte eine Konsumgesellschaft hervor, welche die neue liberal-kapitalistische Gesellschaft schützte und ermöglichte. Sie begründete aber auch die soziale Ungleichheit zwischen der wohlhabenden Bourgeoisie und der ausgebeuteten Arbeiterklasse. Diese war jedoch in der Lage, sich in Protestbewegungen und ideologischen Strömungen zu organisieren: Anarchismus, Sozialismus und Kommunismus.

Krise der Werte und neue Denkansätze

In der ideologischen Auseinandersetzung wurden der Positivismus und das rationale Denken in Zweifel gezogen und ihr Versagen angeprangert. Um diese zu überwinden, wurden neue und provokative Gebiete erforscht, wie das Unbewusste, das Zufällige, das Absurde oder der Wahnsinn.

Kurz gesagt, die Krise erfasste die alten Überzeugungen:

  • Der religiöse Glaube, der keine überzeugenden Antworten mehr auf die großen Fragen gab.
  • Der Glaube an die Wissenschaft, deren Gesetze nicht mehr als unfehlbar und eindeutig akzeptiert wurden.
  • Der Glaube an die Technik, die nach den Schrecken des Rüstungswettlaufs im Krieg nicht mehr als wirksames Instrument für das menschliche Wohlergehen angesehen wurde.
  • Der Glaube an die Sprache, die nicht mehr nur der menschlichen Kommunikation diente, sondern vielmehr als Quelle von Missverständnissen betrachtet wurde.

Katalonien im frühen 20. Jahrhundert

Bourgeoisie, Proletariat und politische Spannungen

Unter Prat de la Riba als Präsidenten erlangte die katalanische Bourgeoisie erstmals politische Macht und strebte durch den Noucentisme eine soziale und politische Hegemonie an.

Diese Bewegung existierte neben den Avantgarde-Erscheinungen, die in Katalonien auftraten, und war auch vom Einfluss der europäischen Avantgarde und deren radikaleren Ansätzen geprägt. Es gab Auseinandersetzungen zwischen den beiden sozialen Schichten, die den Großteil der Bevölkerung ausmachten: der Bourgeoisie und dem Proletariat.

Während die industrielle Bourgeoisie die Macht- und Reichtumsorgane beherrschte, schuf die Arbeiterklasse – bestehend aus Industrieproletariat und Handwerkern – ihre eigenen Aktionsplattformen: Gewerkschaften, Arbeiterparteien, Genossenschaften und Kulturvereine wie die beliebten Ateneus (Bildungszentren für Arbeiter).

Bildung als Instrument des Wandels

Eines der deutlichsten Beispiele für dieses Phänomen war die 1901 von Francisco Ferrer i Guàrdia gegründete Moderne Schule (Escola Moderna). Sie hatte einen rationalistischen und anarchistischen Charakter, und es wurden fortschrittliche Lehrmethoden erprobt. Ferrer i Guàrdia wurde später fälschlicherweise beschuldigt, die gewalttätigen Auseinandersetzungen der „Tragischen Woche“ organisiert zu haben.

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