Europas Wiedergeburt und Krise: Mittelalterliche Entwicklung (12.-15. Jh.)

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1. Die städtische Wiedergeburt Europas (ab 12. Jahrhundert)

Die Hauptursachen für die Wiedergeburt Europas ab dem 12. Jahrhundert waren:

  • Gute Ernten und Zunahme der Bevölkerung.
  • Handel (*Comercio*). Es erschien ein neues Wiederaufleben der sozialen und herrschenden Klasse.

1.1 Die Agrarrevolution: Expansion der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft expandierte deutlich, weil:

  • Die Pflege der Böden verbessert wurde.
  • Neue landwirtschaftliche Techniken erfunden wurden, wie die Dreifelderwirtschaft (*Rotation trineal*), die Auswahl des Saatguts und der eiserne Pflug (*Pflügen vertedera*).

Auch die Leistungsfähigkeit der Zugtiere erhöhte sich durch:

  • Die Erfindung des starren Kummet (Kragen).
  • Hufeisen (*clavos*).

Zudem erfolgte die Verallgemeinerung des Einsatzes von Wasser- und Windmühlen.

1.2 Entwicklung von Handel und Handwerk

Die Ausweitung der Landwirtschaft führte zu landwirtschaftlichen Überschüssen, was wiederum eine erhöhte kommerzielle Aktivität zur Folge hatte. Das Handwerk (*Artesanía*) entwickelte sich stärker. Handelsrouten und Märkte wurden in ganz Europa etabliert. Es entstanden Messen, und die Währung kehrte zurück, ebenso wie die Bankiers.

Die Handwerker organisierten sich in Zünften (Verbände der Handwerker, die in Werkstätten tätig waren). Die Zünfte bestanden aus dem Meister (*Kapitän*), den Gesellen (*Offiziere*) und den Lehrlingen.

1.3 Soziale Transformationen

Der Adel klammerte sich an den Boden. Der Klerus (religiöse Orden) nahm weiter zu, auch im kulturellen Bereich. Die Bauern erhielten mehr Ausbildungsplätze in der Landwirtschaft, obwohl einige noch dem Feudalherrn unterstanden.

Mit der Zeit führte die herrschende Klasse zu unterschiedlichen Gruppen:

  • Große Gewerbetreibende, Kaufleute und Bankiers.
  • Kleine Händler oder Meister und Lehrlinge.
  • Gesellen (*Offizielle*).
  • Bedienstete, Bettler und Vagabunden.

2. Die mittelalterlichen Städte

Die mittelalterlichen Städte hatten ihren Ursprung in den antiken römischen Städten, an Übergangsorten für Händler, Wochenmärkten und Kontaktpunkten für Kaufleute. Die Entwicklung der Städte und des städtischen Lebens war so stark, dass neue Stadtteile außerhalb der Stadtmauern gebaut wurden.

Spezialisierte städtische Funktionen:

  • Handelszentren: Genua, Venedig.
  • Handwerkszentren: Burgos, London.
  • Messezentren: Antwerpen, Troyes, Medina del Campo.
  • Universitätsstädte: Paris, Oxford.

3. Monarchien und Städte im Feudalismus

  • Die Autorität des Königs wurde gestärkt, und zwar durch delegierte Agenten, die das Leben des Königreiches leiteten und kontrollierten. Die königliche Kurie wandelte sich in Räte (*regia*) oder Parlamente um.
  • Die Städte erhielten Privilegien oder Freibriefe, die es ihnen erlaubten, eigene Gesetze zu erlassen und den Bürgern mehr Freiheit zu gewähren.

4. Das religiöse Gefühl

4.1 Die Kreuzzüge

Die Kreuzzüge waren militärische Expeditionen, die zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert stattfanden, um von Muslimen besetzte Gebiete (Heiliges Land) zurückzuerobern. Ritterorden waren Soldaten, die von Mönchen gegründet wurden, wie die Templer. Obwohl das Hauptziel nicht erreicht wurde, trugen die Kreuzzüge zur Modernisierung Europas bei.

4.2 Die Bettelorden

Aufgrund der Bereicherung der Kirche und der Verschlechterung der Sitten entstanden die Bettelorden. Ihr Ziel war es, die Kirche zu erneuern und die Prinzipien der Evangelisierung zu verbreiten.

4.3 Religiöse Probleme und das Schisma

Es gab eine starke Verbreitung von Häresien, was zur Gründung der Gerichtsbarkeit der Inquisition im 13. Jahrhundert führte. Das Abendländische Schisma des 14. Jahrhunderts trat auf, da es zeitweise mehrere Päpste gab. Im Jahr 1417 wurde auf dem Konzil von Konstanz ein einziger Papst gewählt: Martin V.

5. Kultur und Wissenschaft

5.1 Schulen und Universitäten

Während des 11. Jahrhunderts gab es eine kulturelle Renaissance. Kathedralen und Schulen entstanden, die später zu Universitäten wurden. Wichtige Studienfächer waren das Trivium und das Quadrivium. Die bekanntesten Universitäten waren Bologna, Paris, Oxford und Salamanca.

Im 12. und 13. Jahrhundert zeichnete sich auch die Übersetzerschule von Toledo aus. Hervorzuheben ist St. Thomas von Aquin.

5.2 Technik, Wissenschaft und Astronomie

  • Astronomie: Man hielt am Glauben fest, dass die Erde das Zentrum des Universums sei (Geozentrismo).
  • Mathematik: Die ersten Handbücher der Arithmetik mit Regeln für das Multiplizieren und Dividieren wurden veröffentlicht.
  • Technik: Die Spinnmaschine (*Rocken*) erschien, was die Mechanisierung der Textilindustrie einleitete. In der Navigation wurden Segelboote mit Ruder und Kompass erfunden, was zur Entwicklung der Karavelle führte.
  • Wichtigste Erfindung: Die berühmteste und wichtigste Erfindung war die Druckerpresse von Gutenberg (um 1440). Das erste gedruckte Werk dieses Jahrhunderts war die Bibel.

6. Die Gotik: Kunst der Kathedralen und Städte

Die Gotik begann im 12. Jahrhundert in Frankreich und blühte im restlichen Europa zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Sie ist die Kunst der Kathedralen und Städte.

  • Malerei: War realistischer und ausdrucksstärker als die Romanik. Es wurde auf Tafeln gemalt.
  • Skulptur: Hatte mehr Ausdruck und Bewegung. Die Figuren waren lang und wellig, und die Kleider wirkten natürlicher.
  • Architektur: Gekennzeichnet durch höhere und schmalere Mauern, große Kirchenfenster (Glasfenster), äußere Strebepfeiler oder Säulen. Der Bogen war spitz (Spitzbogen) und die Decke bestand aus Kreuzrippengewölben (*cruzeria*).

7. Das Ende des Mittelalters (14. Jahrhundert)

7.1 Die Krise des 14. Jahrhunderts

Missernten führten zu Hungersnöten und einem Bevölkerungsrückgang. Der technologische Fortschritt verlangsamte sich, und viele Epidemien breiteten sich aus. Die wichtigste war die Pest im Jahr 1348, die 20 Millionen Todesopfer in Europa forderte. Kriege, wie der Hundertjährige Krieg, wurden provoziert.

Folgen der Krise:

  • Zunahme von Bettlern und Dieben.
  • Aufstände der am stärksten benachteiligten Gruppen.

7.2 Beginn der Neuzeit

Im späten 14. und 15. Jahrhundert traten eine Reihe von Veränderungen auf:

  • Gute Ernten und Bevölkerungswachstum kehren zurück.
  • Zentralisierung der Macht.
  • Neue politische Institutionen wie Gerichte oder Parlamente werden geschaffen.
  • Neue Denkströmungen entstehen.
  • Neue Navigationstechniken erleichtern geografische Entdeckungen.

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