Familienkommunikation, Krisen und psychosoziale Interventionen

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Gängige pathologische Kommunikationstypen

Double-Bind: Zwei widersprüchliche Anforderungen oder Aussagen stehen im Raum, die sich gegenseitig diskreditieren. Die eine Botschaft negiert die andere, was Verwirrung und Unentscheidbarkeit erzeugen.

Symmetrisches Eskalieren: Interagierende Personen reagieren, indem sie die Häufigkeit und Intensität der Kommunikation erhöhen; es entsteht ein sich steigernder Konkurrenz- oder Verstärkungsprozess.

Komplementarität: Starre, komplementäre zwischenmenschliche Positionen, in denen Rollen festgelegt und kaum verändert werden können.

Ebenen der Kommunikation

Informationsebene

Diese Ebene tritt ein, wenn konventionelle Daten übertragen werden und sich auf Alltägliches bezieht, also auf routinemäßige Ereignisse.

Rationale Ebene

Die rationale Ebene tritt auf, wenn beide Parteien Fakten oder Daten kommunizieren.

Expressive bzw. emotionale Ebene

Diese Ebene ist emotional und tiefgründig: Neben der Übermittlung konventioneller Informationen wird gleichzeitig der emotionale Zustand der sprechenden Person mitgeteilt.

Eine gesunde Familie ermöglicht es ihren Mitgliedern, Gefühle auszudrücken, Gedanken mitzuteilen und einander einfühlsam und verständnisvoll zu begegnen.

Flexibilität des Systems

Anpassung an Krisen: Das System hat die Kapazität, sich familiär an Veränderungen anzupassen und sich im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln. Der Grad, in dem eine Familie neue Antworten auf Krisen entwickeln und sich verändern kann, zeigt ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.

Personen, die eine Krise nicht angemessen lösen können, leben in einer Situation von Ungleichgewicht und Desorganisation.

Arten von Krisen

Krisensituation durch äußere Ereignisse

Ereignisse äußerer Natur, die eine Bedrohung für das Individuum oder die Familie darstellen, z. B. der Tod eines Verwandten.

Lebenskrisen

Phasen, die mit Übergängen im Lebenszyklus zusammenhängen, z. B. Aufwachsen, Heirat, Studienbeginn, usw.

Familiengesundheit: Merkmale einer gesunden Familie

  • Positive Wechselwirkungen zwischen den Mitgliedern und erfolgreiche Generationswechsel.
  • Klare Grenzen, Offenheit gegenüber der Außenwelt und positive Beziehungen zur Gemeinschaft.
  • Förderung von Autonomie und Individualität jedes Mitglieds.
  • Effektive Kommunikation, die den Ausdruck von Gedanken und Gefühlen mit Empathie, Verständnis und Zuneigung erlaubt.
  • Fähigkeit, sich an neue Situationen anzupassen, Konflikte zu lösen und einen gesunden Lebensstil zu pflegen.

Zu bewertende Aspekte

Wichtige Bewertungsbereiche sind:

  • Realistische Einschätzung der familiären Situation und Komplexität.
  • Fähigkeit der Familie, Unterstützung zu leisten und gemeinsame Muster zu erkennen.
  • Beziehung zwischen der Familie und der Außenwelt.
  • Fähigkeit, systemisch mit familiären Problemen umzugehen.
  • Zugängliche Unterstützung für die Person und die Familie, z. B. durch Freunde oder andere Ressourcen.

Vulnerabilitätsfaktoren der Familie

Zu den Vulnerabilitätsfaktoren gehören Typ und Definition der Familie, Struktur und Dynamik, bestehende Stressfaktoren, vorhandene Bewältigungskapazitäten und verfügbare Unterstützungsquellen.

Phase der Desorganisation

Emotionale Reaktionen auf eine Diagnose können Schock, Unglauben, Ablehnung, Angst, Furcht, Wut und Ressentiments umfassen. Manchmal folgt darauf eine Reorganisation. Ein frühes Symptom kann Verleugnung sein; das Risiko besteht darin, in einer tiefen Zerrüttung gefangen zu bleiben.

Psychosoziale Interventionen in der Pflege (Enf.)

Bei psychosozialen Interventionen der Pflege ist es wichtig:

  • Die psychologische Wirkung der Erkrankung auf Patient und Familie zu beurteilen.
  • Einen verlässlichen Bezugsrahmen für die Familie bereitzustellen, damit sie Gefühle und Gedanken ausdrücken kann.
  • Die Familie offen und respektvoll zu informieren; dabei Terminologie zu verwenden, die verstanden wird, und gleichzeitig darauf zu achten, keine unaufgeforderten Informationen zu geben.

Erholungsphase

Erholung ist gegeben, wenn die Familie oder der Patient beginnt, Entscheidungen zu treffen, weitere Informationen zu erbitten und aktiv Probleme und Lösungen anzugehen. Dies zeigt, dass Angst und Depressionen abnehmen und die Situation zunehmend akzeptiert wird. Akzeptanz erleichtert die rechtzeitige Entscheidungsfindung zur Problembewältigung.

Intervention und Lernen

In dieser Phase erfolgt eine bessere Assimilation und Lernprozesse. Gute Beratung und emotionale Unterstützung sind wichtig, um sichere Kommunikation zwischen dem Gesundheitswesen und der Familie sowie zwischen Patient und Familie zu fördern. Ziel ist es, Techniken zu vermitteln, wie Stress effektiv bewältigt werden kann.

Reorganisation

Die Familie baut ihre bisherige Struktur um oder entwickelt eine neue Organisationsform, besonders wenn die Erkrankung chronisch ist. Das Ziel ist die Konsolidierung einer neuen Rollenverteilung zur Förderung der Entwicklung und des Wachstums der Mitglieder.

Die Pflege soll die Familie beraten und unterstützen, damit sie eine reibungslose und klare Beziehung zum Behandlungsteam aufrechterhält, die Entscheidungen der Familie stärkt und Kontrolle fördert. Eine gelungene Reorganisation ermöglicht Wachstum und Entwicklung der Familienmitglieder.

Aktuelle Risiken

Ein Risiko besteht darin, dass der Patient im Mittelpunkt steht und dadurch das Wachstum und die Entwicklung anderer Familienmitglieder verhindert werden. Die Familie kann sich so organisieren, dass die Beziehung eines Mitglieds zum Patienten dominiert. Die Vermeidung der aktiven Beteiligung des Patienten an der eigenen Gesundheitsfürsorge kann Nebenwirkungen hervorrufen, z. B. Probleme in anderen Bereichen des familiären Funktionierens oder gesundheitliche Probleme bei anderen Familienmitgliedern.

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