Filmgeschichte: Vom sequentiellen Aufbau zur Musealisierung

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Der sequentielle Aufbau im Film

In seinen frühen Jahren unterlag der Film technischen Beschränkungen, die eine sequentielle Konstruktion von mehr als 24 Sekunden nicht erlaubten. Mit der Zeit erhöhte sich jedoch die Kapazität der Projektoren, und die Filme wurden zunehmend komplexer.

Europäisches vs. amerikanisches Modell

Während das europäische Modell zunächst statisch blieb, dauerten amerikanische Einstellungen (Takes) oft nicht länger als zwei Sekunden. Im europäischen Modell agierten die Schauspieler zudem mit ausladenden Gesten, während man in den USA eine dezentere Mimik bevorzugte.

Kohäsive Mittel und Kontinuität

Der Mechanismus der Kontinuität dient als Maßstab und beginnt oft mit einem Bild an einem Ende des Raumes.

  • Einführung eines Inserts: Ein visueller Akzent, um die Bedeutung eines Elements hervorzuheben.
  • Sequenzabschluss: Ein heftiger Sprung durch einen visuellen Schlag im Vordergrund.

Verbindungen zwischen den Sequenzen

Die Sequenz wird als eine Einheit von Raum und Zeit definiert. Zu den Übergängen gehören:

  • Ab- und Aufblende: Ein sanfter Übergang aus oder in die Dunkelheit.
  • Überblendung (Verkettung): Das letzte Bild von Sequenz 1 und das erste Bild von Sequenz 2 werden überlagert.
  • Wischer (Sweep): Ein Bild weicht dem nächsten durch eine Schiebebewegung.
  • Iris-Blende: Bekannt aus vielen Stummfilmen. Ein kreisförmiges Schließen des Bildes markiert Zeitsprünge oder verbindet Vergangenheit und Gegenwart.

Montagesysteme

  • Kontinuierliche Montage: Ein flüssiger Erzählfluss.
  • Parallelmontage: Zwei simultane Aktionen in verschiedenen Räumen werden miteinander verknüpft. Dies steigert die rhythmische Spannung und ist revolutionär durch die Schaffung einer dynamischen Raum-Zeit-Verbindung.

Film als Synthese der Künste

Der Film leitet sich nicht nur von anderen Kunstformen ab, sondern integriert diese und geht über die bloße Kopie hinaus. Er übernimmt Elemente aus der Musik und der Literatur.

Die Avantgarde sah im Film eine Kunst der Synthese, die fähig ist, Literatur, Tanz, Poesie und Mythographie zu kombinieren, um einen traumhaften Raum zu schaffen. Im Gegensatz zum hell erleuchteten Raum, in dem Zuschauer wandern und nachdenken, fokussiert sich das Erzählkino auf den sitzenden Betrachter. Es besteht eine Dichotomie zwischen der Reflexion über den Film und dem Trost des Traums vor dem Bildschirm.

Experimentelle Formen

Die Polyvision nutzt eine Multiplizität von Bildschirmen (z. B. drei Bildschirme), um mit Farben und experimentellen Strukturen zu spielen.

Poesie und Chronofotografie

Der Film versucht, den traditionellen Raum der Ausstellung zu brechen und nutzt linguistische Ressourcen sowie die allgemeine Bewegung der Kamera. Er kopiert nicht nur die Struktur, sondern übersetzt visuelle Bilder mittels Synästhesie in klangliche Elemente.

Pioniere der Bewegung

  • Muybridge: Analysierte tierische und menschliche Bewegungen. Er machte Phasen sichtbar, die das menschliche Auge zuvor nicht wahrnehmen konnte.
  • Marey: Hielt aufeinanderfolgende Aufnahmen in einem einzigen Foto fest (Chronofotografie).
  • Edgerton: Überlagerte Bewegungsphasen auf einem einzigen Bild, was unglaubliche rhythmische Variationen ermöglichte.

Film und Musik

Die Beziehung zwischen Film und Musik existierte bereits vor dem Tonfilm. Man unterscheidet zwischen atonaler Musik und der Verwendung bestehender Musikstücke. Musik kann als autonomer Teil fungieren, der in einen Dialog mit dem Bild tritt. Sie erzeugt eine solide Atmosphäre, unterdrückt die Wahrnehmung von Flachheit und fördert die Entspannung des Zuschauers.

Das Museum und neue Technologien

Die Musealisierung von Film und Fotografie begann kurz nach den ersten Erfahrungen mit diesen Medien in den Jahren 1920–1930.

Die Rolle des MOMA

Unter Steichen und Newhall wurden Kriterien definiert, um Fotografie als Museumsstück zu legitimieren. Wirtschaftliche Bewertungskriterien spielten hierbei eine Rolle:

  • Die Seltenheit der Technik oder des Themas.
  • Schwarz-Weiß-Aufnahmen galten als wertvoller als Farbaufnahmen.
  • Die Erhaltung des Negativs durch den Autor war für weitere Kopien notwendig.

Filmarchive und ihre Probleme

Institutionen wie das MOMA oder die Kinematheken in Paris und London begannen, Werke weltweit zu sammeln. Dabei traten jedoch Probleme auf:

  • Später Beginn: Viel Material war bereits verloren.
  • Zersetzung: Nitratfilme sind hochgradig brennbar und zersetzen sich chemisch. Viele Länder verloren Filme durch die chemische Verbrennung des Materials.
  • Das Paradox des Erfolgs: Je erfolgreicher ein Film war, desto schlechter ist oft der Zustand des Originalnegativs, da zu viele Kopien davon gezogen wurden.

Originalität und Autorschaft

In der Filmgeschichte gab es lange Zeit kein echtes 'Original', da Filme oft an die kulturellen Sitten des jeweiligen Landes angepasst wurden (z. B. durch neue Szenen). Erst später setzte sich der Begriff der Autorschaft (Regisseur als Autor) durch.

Standardisierung und Video-Kunst

Frühe Farbfilme verloren aufgrund chemischer Instabilität schnell ihre Farbe. 1965 markiert die Ankunft des künstlerischen Videos (z. B. durch die Fluxus-Gruppe), das sich als Diskurs der Kunst gegenüber dem Fernsehen abgrenzte.

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