Finanzmärkte, Finanzintermediäre und Unternehmensfinanzierung

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Finanzmärkte: Grundlagen

Finanzmärkte: Ein grundlegender Teil der finanziellen Rahmenbedingungen. Orte oder Mechanismen, durch die finanzielle Vermögenswerte ausgetauscht werden. Das Ziel ist die effiziente Allokation von Ersparnissen an Endverbraucher bzw. an die Wirtschaft.

Eigenschaften der Finanzmärkte

  • Amplitude: Spektrum der Vermögenswerte, die gehandelt werden.
  • Transparenz: Verfügbarkeit von Informationen und Informationssymmetrie.
  • Freiheit: Zugänglichkeit für Käufer und Verkäufer sowie Nicht‑Einmischung (öffentlich oder privat).
  • Tiefe: Handelsvolumen in den einzelnen Assets.
  • Flexibilität: Fähigkeit, einfach und schnell auf Änderungen zu reagieren.

Klassifikation der Märkte

  1. Direkte und vermittelte Märkte: Direkte Märkte, bei denen Angebot und Nachfrage der Transaktion direkt verhandeln (es kann jedoch ein Makler auftreten), und vermittelte Märkte, in denen mindestens ein Agent als Vermittler fungiert.
  2. Geldmarkt und Kapitalmarkt: Geldmarkt für kurzfristige Aktiva; Kapitalmarkt für längerfristige Operationen.
  3. Primär- und Sekundärmarkt: Primärmarkt für die erstmalige Ausgabe von Wertpapieren; Sekundärmarkt für den Handel mit bereits ausgegebenen Wertpapieren (Beispiel: Börsen als zentrale Sekundärmärkte, die zugleich eine wichtige Rolle bei der Primärplatzierung spielen können).
  4. Freie und regulierte Märkte: Märkte, die entweder hauptsächlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, oder durch behördliche Regulierung beeinflusst sind.
  5. Organisierte und nicht organisierte Märkte: Organisierte Märkte finden zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten unter festgelegten Regeln und formalisierten Rahmenbedingungen statt; nicht organisierte Märkte funktionieren durch direkte Vereinbarung der Parteien ohne formale Intermediärstruktur.

Aktuelle Prägungen und Veränderungen

Die Finanzmärkte sind heute geprägt durch ihre Komplexität und Dynamik. Wichtige Veränderungen sind:

  1. Globalisierung und Internationalisierung: Zunehmende Verflechtung zwischen Märkten weltweit.
  2. Deregulierung, Disintermediation und Innovation: Aufkommen neuer Produkte und mehr direkte Kontaktmöglichkeiten zwischen Parteien in einem zunehmend dynamischen Umfeld.
  3. Beschleunigter technologischer Wandel: Fortschritte in Datenverarbeitung und Telekommunikation beeinflussen Marktprozesse.
  4. Erhöhte internationale Kapitalströme: Folgen von Liberalisierung und Globalisierung der Wirtschaft.

Finanzintermediäre

Finanzintermediäre: Eine Gruppe spezialisierter Institutionen, die als Vermittler zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern in der Wirtschaft fungieren. Sie schaffen Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit und produzieren bzw. vermitteln Finanzdienstleistungen und -anlagen.

Arten von Finanzintermediären

  1. Banken (bankintermediäre): Institutionen, deren Verbindlichkeiten Geld sind.
    • Privatbanken: Geschäftsbanken, Sparkassen etc.
    • Zentralbank: Institution, zuständig für die Durchführung der Geldpolitik (z. B. nationale Zentralbanken).
  2. Nichtbanken (Nichtbankintermediäre): Institutionen, deren Verbindlichkeiten nicht unmittelbar als Geld fungieren; ihre Hauptfunktion ist die Vermittlung von Finanzierungen.
    • Leasinggesellschaften: Unternehmensfinanzierung durch Leasing.
    • Versicherungen: Absicherung von Risiken und Kapitalmarktvermittler.
    • Investment- und Pensionsfonds: Sammeln und Investieren von Anlegergeldern.

Externe Finanzierung von Unternehmen

Externe Finanzierung bietet Unternehmen eine Vielzahl von Alternativen mit unterschiedlichen Voraussetzungen hinsichtlich Kosten, Laufzeit und Bedingungen. Die Wahl der Finanzierung ist eine wichtige Entscheidung, weil sie die Kapitalstruktur bestimmt. Der Verschuldungsgrad beeinflusst den Marktwert des Unternehmens.

Eigene externe Finanzierung

Eigenkapitalfinanzierung: Eigenmittel können über den Kapitalmarkt beschafft werden, etwa durch einen Börsengang (IPO) oder durch Kapitalerhöhungen, bei denen Aktien ausgegeben und am Markt platziert werden.

Kurzfristige Fremdfinanzierung

  1. Spontane Finanzierung: Entsteht durch die natürliche Verschiebung von Verbindlichkeiten; es erfolgt keine zusätzliche Mittelzufuhr vom Unternehmen.
  2. Kontokorrentkredite und kurzfristige Bankdarlehen: Kurzfristige Kreditlinien oder Darlehen, deren Bedingungen zwischen Unternehmen und Kreditgeber ausgehandelt werden müssen.
  3. Wechsel- bzw. Händlerrabatt: Operation, bei der eine Bank den Wert von Wechseln oder Forderungen vor Fälligkeit vorschießt (Diskontierung).
  4. Factoring: Verkauf von Forderungen an einen Factor; eine Alternative, deren Einsatz deutlich zugenommen hat.

Langfristige Fremdfinanzierung

  1. Emission festverzinslicher Wertpapiere: Ausgabe von Schuldverschreibungen, bei denen die Zinszahlungen vorab vereinbart werden, auch wenn der Kupon variieren kann.
  2. Leasing: Finanzierungsform für Investitionsgüter; sie bietet finanzielle, technische und steuerliche Vorteile.
  3. Darlehen und langfristige Kredite: Häufig genutzte Finanzierungsquellen. Der Unterschied zwischen Darlehen und Kredit besteht darin, dass beim Darlehen ein fester Betrag zu Beginn gewährt wird, während beim Kredit eine Vereinbarung über einen Kreditrahmen besteht, innerhalb dessen das Unternehmen Beträge abrufen kann. In beiden Fällen können die Zinsen fest oder variabel sein; es gibt viele Ausgestaltungsformen.

Vorteile und Nachteile (Konsequenzen)

  1. Steuerliche Effekte: Kann verhindern, dass Aktionäre direkte Steuern auf ausgeschüttete Dividenden zahlen müssen (abhängig von Rechtsform und Steuergesetzen).
  2. Reinvestition von Gewinnen: Fördert produktive Reinvestition von Gewinnen.
  3. Kostensenkung: Reduziert Transaktionskosten.
  4. Transparenz und Aussagekraft: Kann das Bild der finanziellen Lage des Unternehmens beeinflussen und die Aussagekraft von Bilanzen verändern.
  5. Anlegerattraktivität: Für Kleinanleger kann eine Variante unattraktiv sein; sie kann auch im Widerspruch zum Unternehmenszweck oder zu Satzungszielen stehen.
  6. Liquiditätsrisiken: Übermäßige Liquidität kann zu unüberlegten Investitionsentscheidungen führen.
  7. Opportunitätskosten: Jede Finanzierungsentscheidung ist mit Opportunitätskosten verbunden.

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