Forensische postmortale Veränderungen: Kühlung, Austrocknung, Totenflecken
Eingeordnet in Medizin & Gesundheit
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,38 KB
Vergiftung, Kälte- und Hitzeschäden
Vergiftung durch Alkohol, Todesfälle infolge von Kälte und großer Hitze, Verbrennungen, akute Erkrankungen, Hitzschlag und Schlaganfall gehören zu den Ursachen, die die Körpertemperatur und den weiteren Todesbefund beeinflussen können. Ebenso sind krampfhaft wirkende Gifte zu nennen.
Individuelle Faktoren
Individuelle Merkmale wie Alter, Körpergröße, Ernährungszustand und Gewicht bestimmen die Rate des Wärmeverlustes. Entscheidend ist der Körperumfang, der die Geschwindigkeit der Abkühlung beeinflusst; der Durchmesser spielt eine größere Rolle als die Dicke des Fettgewebes.
Umweltfaktoren
Vier Komponenten der Umwelt beeinflussen die Abkühlung: Strahlung, Wärmeleitung, Konvektion und Verdunstung. Höhere oder niedrigere Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und Belüftung sind wichtig. Die Zeit, die ein Körper benötigt, um seine Temperatur an die Umgebung anzupassen, hängt mehr von der Differenz zwischen Körpertemperatur zum Todeszeitpunkt und der Umgebungstemperatur als von den absoluten Werten der Temperaturen ab. Die Kühlung ist regelmäßiger und beginnt später in inneren Organen.
Medizinisch-rechtliche Bedeutung
Es gibt zwei für die Rechtsmedizin wichtige Anwendungen:
- Die Diagnose des Todes: In der Praxis gilt z. B. eine Körpertemperatur von ca. 20 °C in bestimmten Kontexten als unvereinbar mit Leben und kann als Hinweis auf sicheren Tod herangezogen werden. Die Temperaturmessung erfolgt rektal oder vaginal.
- Der Zeitpunkt des Todes: Die Thermometrie kann in der Chronotanatodiagnostik (Bestimmung des Todeszeitpunkts) sehr nützlich sein.
Dehydration mortis
Hohe Umgebungstemperaturen und starke Belüftung können zur Verdunstung der Flüssigkeiten aus Leichnamen führen (Dehydration mortis). Man unterscheidet allgemeine Phänomene (z. B. Gewichtsreduktion) und lokale Phänomene (lederartige Haut, Austrocknung der Schleimhäute und Augenbefunde).
Gewichtsverlust
Gewichtsverluste sind bei Neugeborenen und Kleinkindern relativ deutlich spürbar; bei Erwachsenen sind sie im Allgemeinen weniger auffällig.
Pergamentartige Haut (Apergaminamiento)
Pergamentartige (ledrige) Haut: Die Epidermis bildet eine verhornte Schicht; die Haut der betroffenen Zone unterliegt einem speziellen Trocknungsprozess, der als apergaminamiento bezeichnet wird. Es entsteht eine gelblich-dry, harte, dicke, pergamentartige Konsistenz. Die Oberfläche zeigt verzweigte Adern und einen dunkleren Farbton entlang der Verzweigungen.
Austrocknung der Schleimhäute
Die Austrocknung tritt häufig an den Lippen auf und führt zu einem rötlich-braunen bis schwärzlichen Rand, der die äußere Zone einnimmt. Sie kann auch in der Übergangszone zwischen Haut und Schleimhaut auftreten, beispielsweise an der Vulva bei jungen Mädchen.
Phänomene des Auges
Verlust der Hornhauttransparenz: Die Hornhaut trübt ein; dies kann bereits nach etwa 45 Minuten nach dem Tod beginnen und fortschreiten, mit deutlich sichtbaren Veränderungen innerhalb von Stunden.
Weiße Flecken (weiße Lärchenflecken): Sie beginnen kurz nach dem Tod zunächst als kleiner, dunkler Fleck, der rund oder oval wird, mit der Basis zur Hornhaut gerichtet. Dieser Befund erscheint zuerst an der Außenseite des Augapfels; ein ähnlicher Aspekt kann auch an der Innenseite auftreten.
Erweichung des Augapfels: Durch die Verdunstung der intraokularen Flüssigkeit wird der Augapfel weich und schlaff, was schließlich zu einem Zusammenbrechen der Augenpartie führen kann.
Livores mortis (Totenflecken)
Mit dem Stillstand der Herzaktivität endet die zentrale Pumpwirkung; die Gefäße werden passiv mit Blut gefüllt. Das Blut unterliegt der Schwerkraft und sammelt sich in den abhängigen Körperpartien an. Auf der Hautoberfläche bilden sich rote beziehungsweise violette Flecken (Livores, Totenflecken, livor mortis).
Die Intensität der Livores hängt vom Blutfluss und der Blutgerinnung ab: Sie sind stärker ausgeprägt bei Asphyxie, da das Blut weniger schnell gerinnt, und weniger ausgeprägt bei Todesfällen durch massive Blutungen oder Anämie wegen der geringen Blutmenge.
Die Verteilung der