Friedrich Nietzsche — Einflüsse, Biografie und historischer Kontext
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Philosophische Einflüsse Nietzsches
Nietzsche, im neunzehnten Jahrhundert in Sachsen geboren, erhielt eine Vielzahl von Einflüssen. Seine Gedanken basieren zum Teil auf der klassischen griechischen Welt und auf frühen Denkern sowie auf verschiedenen Philosophen der Neuzeit; dies lässt sich in mehreren Entwicklungsphasen darstellen.
Sein Einfluss aus dem antiken Griechenland konzentriert sich auf die Dichotomie dionysisch versus apollinisch. Gleichzeitig lehnte er bestimmte Aspekte von Sokrates und Platon ab, während er Heraklit als wichtigen Einfluss akzeptierte. Diese griechischen Denker thematisierten Widerspruch, Bewegung, Veränderungen und Opposition.
In seiner ersten Phase ist außerdem der Einfluss der Sophisten, des Stoizismus und der Anfänge des Christentums zu beobachten.
In der zweiten Phase finden sich starke Einflüsse der Aufklärung sowie moderner Denkströmungen, insbesondere in der kritischen Auseinandersetzung mit der Existenz Gottes und mit traditionellen metaphysischen Annahmen.
Es ist erwähnenswert, dass der Positivismus bei Nietzsche nicht gänzlich außen vor blieb. Vor allem Auguste Comte prägte mit seinem Projekt der "Geburt einer Wissenschaft" die Idee einer Soziologie, die historische Probleme und soziale Konflikte analysieren und lösen will. Diese positivistische Orientierung verband sich mit dem Glauben an Ordnung und Fortschritt.
Anschließend wirkten auch Ideen der sogenannten "Hegelschen Linken" sowie Gedanken von Marx auf Nietzsche ein: Untersuchungen über Gesellschaft, Fragen der Organisation, die Rolle der Bourgeoisie und die Belastungen der Arbeiterschaft. In diesem Zusammenhang betonte man Theorien zur ökonomischen Infrastruktur und zum Überbau bzw. zur Ideologie im Rahmen des kapitalistischen Systems.
Schließlich war wohl einer der bedeutendsten Einflüsse Arthur Schopenhauer, der die Existenz des »Willens zum Leben« betonte und die Verneinung des Begehrens als Weg zur Linderung des Leidens vorschlug. Nietzsche widersprach dieser Haltung: Er lehnte eine bloße Verneinung des Lebenswillens ab und vertrat die Auffassung, dass Triebe und Wünsche Triebfedern des Lebens sind. Für Nietzsche muss das Leben bejaht werden; man sollte Risiken eingehen und die Verwirklichung von Wünschen anstreben, auch wenn dies Schmerz mit sich bringen kann — im Gegensatz zu Schopenhauers Betonung der Verneinung und des Entsagens.
Biografie und historischer Kontext Nietzsches
Nietzsche wurde 1844 in Röcken (Sachsen) in einer Familie mit kirchlicher Tradition geboren. Er starb 1900.
Die Entwicklung dieses Philosophen fällt in das neunzehnte Jahrhundert, eine Phase der Moderne, in der zahlreiche tiefgreifende Umwälzungen stattfanden. Das Jahrhundert war geprägt von der industriellen Revolution. In dieser Zeit wuchs die Bevölkerung; die Regierungen konzentrierten sich stärker auf die Lösung gesellschaftlicher Probleme und setzten vermehrt auf wissenschaftliche Methoden.
Zu den dominanten ideologischen, kulturellen und philosophischen Strömungen jener Zeit gehören Romantik, Positivismus, Realismus und Neoromantik.
Die Ideale der Romantik betonen Freiheit und die Rückkehr zur Natur; dies spiegelt sich deutlich in der Literatur der Zeit wider (beispielsweise Larra, Goethe). Es ist zu beachten, dass Nietzsches Nihilismus gegen Ende des Jahrhunderts bereits in der romantischen Dichtung ganz Europas Spuren zeigte, da dort oft keine scharfe Trennung zwischen Wahrheit und Irrtum, Sein und Nichts oder zwischen Gott und Mensch gezogen wurde.
Was den Positivismus betrifft: Comte begründete die Soziologie als neue Wissenschaft, die historische Probleme und soziale Konflikte analysieren und lösen sollte. Eine positivistische Philosophie band sich an Tatsachen und an die wissenschaftliche Methode; sie glaubte an Ordnung und Fortschritt. Aus dieser Haltung entwickelte sich ein realistisch geprägter Positivismus, der in Literatur und Wissenschaft dem Geist der beobachtenden Methodik verpflichtet war.
Die Neoromantik befasste sich mit neuem Wissen, neuen Problemen, philosophischer Reflexion und neuen Disziplinen, insbesondere Linguistik und Geschichte. Auch das Studium der Wirklichkeit und des Lebens erlangte große Bedeutung.
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