Friedrich Nietzsche: Historischer Kontext und Philosophie

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Friedrich Nietzsche: Historischer Kontext

Friedrich Nietzsche und sein Werk sind tief im historisch-kulturellen Kontext und der Philosophie seiner Zeit verwurzelt.

Das 19. Jahrhundert: Politischer und sozialer Wandel

Wir befinden uns im neunzehnten Jahrhundert. In der politischen Sphäre findet der Triumph der Bourgeoisie gegen das Proletariat statt, vor allem im Zuge der Revolutionen von 1848, gefolgt von der Wiederherstellung der Monarchie und der Konsolidierung der großen europäischen Staaten wie England, Deutschland, Frankreich und Italien. Als wichtige Ereignisse sind Napoleons Tod im Jahr 1821, der Amerikanische Bürgerkrieg oder, vierzig Jahre später, die Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation im Jahr 1864 zu nennen.

Sozial gesehen tritt der Konflikt zwischen der besitzenden Klasse der Produktionsmittel und der Arbeiterklasse hervor. Die Bourgeoisie erlebt einen ihrer besten Momente in der Geschichte, während die ländliche Bevölkerung sowie die Arbeiter in Bergwerken und Fabriken unter unmenschlichen Bedingungen leben. Es gibt eine enorme Bevölkerungsexplosion. Ein ausgeprägter Konservatismus und die viktorianische Moral werden von der herrschenden Klasse eingeführt. Nach der Gründung des Internationalen Roten Kreuzes im Jahr 1864 erfolgt im folgenden Jahr die Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten, und 1866 findet die Manifestation des 1. Mai im Land statt.

Wirtschaftlicher Fortschritt und Imperialismus

In wirtschaftlicher Hinsicht sind wir Zeugen der Konsolidierung des industriellen Kapitalismus sowie einer bemerkenswerten Erweiterung des europäischen Imperialismus in Asien und Afrika.

Wissenschaftliche und kulturelle Errungenschaften

Kulturell finden wir eine Periode vor, in der fast täglich wissenschaftliche Entdeckungen gemacht werden: die Wärmeleistung, die Dampfmaschine, der Telegraf, die Anästhesie und Impfstoffe. Im Jahr 1859 veröffentlichte Charles Darwin sein revolutionäres Werk unter dem Titel "The Origin of Species". In der Literatur triumphiert der Realismus von Dickens, Flaubert, Zola oder Tolstoi sowie der Symbolismus von Baudelaire, Rimbaud und Verlaine, wobei die Romantik immer noch eine gewisse Wirkung zeigt. In der Malerei markieren wir die Entstehung des Impressionismus. In der Welt der Musik reüssieren Wagner, Debussy, Chopin und Berlioz.

Philosophische Einflüsse und Nietzsches Denken

Nietzsches Denken wurde, abgesehen von der Inspiration durch die Musik von Richard Wagner und den griechischen Quellen, maßgeblich durch die Figuren von Hegel und Schopenhauer geprägt. Von Hegel übernahm Nietzsche in gewissem Sinne die Logik des Widerspruchs, die der Entwicklung dessen, "was ist", einen immer reicheren Wert beimisst. Er lehnt Hegel jedoch ab, da dessen Philosophie als verschleierte Theologie dem Christentum diente und das Echte sowie Rationale ruinierte, indem sie das Negative, den Fehler und das Böse mit dem totalitären Charakter des Seins identifizierte.

Die Auseinandersetzung mit Hegel und Schopenhauer

An Schopenhauer kritisiert Nietzsche dessen nihilistische, passive Haltung der Verleugnung, der Verachtung des Lebens und des guten Willens. Dem setzt er seine Idee der "ewigen Wiederkehr" entgegen. Diese besagt, dass alles, auch unser eigenes Leben, in aufeinanderfolgenden kosmischen Zyklen exakt gleich wiederholt wird – und das für alle Ewigkeit.

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