Friedrich Nietzsche: Philosophie, Kulturkritik und Vitalismus
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Kontext: Das 19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert war geprägt von Nationalismus, dem Aufstieg des Bürgertums, Kolonialismus und Vitalismus. Marx und Darwin beeinflussten das Denken maßgeblich. Nietzsche wird oft in die „Schule des Verdachts“ eingeordnet, zusammen mit Marx und Freud. Diese Denker hinterfragten den direkten Zugang zur Realität.
Nietzsches Kulturkritik
Nietzsche kritisierte die westliche Kultur als „große Lüge“ und stellte Religion, Wissenschaft sowie Moral infrage. Sein Denken lässt sich in zwei Bereiche unterteilen:
- Allgemein: Ein Stil, der sich gegen dogmatische Konzepte (wie bei Sokrates oder Platon) richtet. Er bevorzugt Aphorismen statt systematischer Abhandlungen.
- Speziell: Er lehnt den westlichen Kollektivismus ab, da dieser eine Perversion des Individuums darstelle. Stattdessen propagiert er das Ideal des Übermenschen.
Übersicht: Kritik an der westlichen Kultur
Nietzsche bezweifelt die Existenz einer objektiven Wahrheit. Sein Vitalismus postuliert, dass das Leben die einzige Realität ist – ein instinktiver, körperlicher und irrationaler Wert, der den Nihilismus überwindet.
Die Geburt der Tragödie
Nietzsches frühe Philosophie ist von der Romantik, den Vorsokratikern (Heraklit) und Schopenhauer beeinflusst. Er unterscheidet zwei grundlegende Triebe:
- Apollinisch: Steht für Skulptur, Harmonie, Vernunft, Bewusstsein und Maß.
- Dionysisch: Steht für Musik, Exzess, Trunkenheit, Sinne, Körper und das Unbewusste.
In „Die Geburt der Tragödie“ argumentiert Nietzsche, dass wahre Kunst aus dem Zusammenspiel beider Triebe entsteht. Er kritisiert, dass die westliche Philosophie – beginnend mit Sokrates und Platon – das apollinische Element einseitig überbetonte und das dionysische unterdrückte. Dies führte laut Nietzsche zum „Untergang des Abendlandes“, da das Christentum als „Platonismus für das Volk“ die Sinne und den Körper verachtete.