Friedrich Nietzsche: Der Übermensch und der Wille zur Macht

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Der Übermensch: Nietzsches Vision eines neuen Menschen

„Gott ist tot“ – und mit den Toten sind auch die alten Sünden vergangen. Das Verbrechen gegen die Erde ist nun das schrecklichste aller Verbrechen. Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muss, wie es in der Vorrede zu Also sprach Zarathustra heißt. Der Mensch wird als ein mittelmäßiges, geselliges Wesen (geprägt von der Herdenmoral) beschrieben, elend und nachtragend, unfähig, das Leben voll auszuschöpfen. Er ist schwach und besitzt nicht die Kraft, den traditionellen Werten die Stirn zu bieten.

Der Übermensch ist das genaue Gegenteil. Er ist in der Lage, neue Werte zu schaffen, wohl wissend, dass es keine absoluten Werte gibt. Er lebt auf der Erde und bejaht das Leben, ohne sich von der Welt abzukehren und ohne Rücksicht auf eine abstrakte, ewige Welt. Dionysos ist die Reinkarnation dieser überschwänglichen Vitalität. Zarathustra ist dieser neue Typus des Menschen – die Sonne und das Licht der Welt nach dem Tod Gottes. Der Übermensch wertet die platonischen, christlichen und jüdischen Werte um. Er lebt jenseits von Gut und Böse. Seine Geisteshaltung ist radikal autonom: Sie schreibt nicht spezifisch vor, was zu tun ist, sondern wie der persönliche Lebensstil beschaffen sein muss.

Der Wille zur Macht als Lebensprinzip

Das Leben ist Wille zur Macht. Im Ganzen betrachtet, erzeugt jedes Lebewesen dank ihm eine höhere Lebensform. Sogar der Überlebensinstinkt ist Wille zur Macht. Doch es gibt auch einen negativen Willen zur Macht, der die Realität leugnet oder reduziert – wie in der Wissenschaft oder der Arbeit von Philosophen und Theologen, die eine fiktionale Welt erschaffen haben. Diese Welt dient als Grundlage für lebensfeindliche und unnatürliche Werte. Dies entspringt der Angst vor dem Leben und dem Wunsch, eine Zuflucht voller Bedeutung fernab der Realität zu bauen.

In der Vergangenheit manifestierte sich der Wille zur Macht auch darin, die Wirklichkeit des Todes Gottes und seine Folgen nicht konfrontieren zu wollen. Eine weitere Erscheinungsform sind die „Prediger der Gleichheit“. Dies sind jene, bei denen das Leben schiefgelaufen ist und die Rache an jeder mächtigen Lebensform suchen (siehe den Diskurs über die „Vogelspinnen“ in Also sprach Zarathustra). Sie lehnen jede Form von Stärke ab. Nietzsche wendet sich hierbei nicht nur gegen zeitgenössische Sozialisten und Anarchisten, sondern auch gegen das Christentum, das die Gleichheit aller Menschen vor Gott predigt.

Der Übermensch hingegen verkörpert Wille, Stärke, vitalen Impuls, Emotion, Leidenschaft und Schöpfungsdrang. Er kennt seine Endlichkeit und nutzt seine Freiheit, um vorübergehende und begrenzte Ziele zu schaffen. Er überwindet die Askese, verleugnet nicht die Zeit oder die Endlichkeit und erfindet keine Ewigkeit, auf die er wartet. Stattdessen bejaht er alle Schritte im Endlichen und projiziert sich über diese hinaus.

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