Friedrich Nietzsches Philosophie: Phasen und Nihilismus
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Hintergrund: Die drei Phasen von Nietzsches Werk
Nietzsches Etappen lassen sich in drei wesentliche Phasen unterteilen. In der Zeit der Jugend oder romantischen Zeit studierte er die griechische Kultur und wurde maßgeblich von der Musik Richard Wagners sowie Schopenhauers Pessimismus beeinflusst. Er beschäftigte sich intensiv mit den Vorsokratikern – insbesondere Heraklit –, die er als tragische Denker ansah. Dies markiert den Übergang (transición) zur geistigen Einsamkeit und zur Klarheit seines philosophischen Ansatzes. Er verfolgte sehr kritisch den Weg von Sokrates, in dessen moralischer Argumentation er Zorn und Hass gegen das Leben sah.
Die Phase des freien Geistes und der Wissenschaft
Es folgt ein nicht-positivistischer Zeitraum, in dem Nietzsche auf der Grundlage der experimentellen Wissenschaften die romantischen Werte leugnet, an die er bis zu diesem Moment geglaubt hatte. Er entwickelte sich so zu einem freien Geist (espíritu libre) gegen seine ehemaligen Meister.
Die Reifezeit: Ewige Wiederkunft und Übermensch
In dieser Phase erläutert er die großen Themen seiner Philosophie (ewige Wiederkunft, Tod Gottes, Übermensch) und kritisiert die westliche kulturelle Tradition scharf. Das beste Symbol für diese Bedeutung findet sich in der Fabel der drei Metamorphosen des Geistes: wie der Geist zum Kamel wurde, das Kamel zum Löwen und der Löwe zum Kind.
Die drei Metamorphosen: Kamel, Löwe und Kind
In dem Bestreben, seine Kräfte mit schwierigen Aufgaben zu testen, wird der Geist zum Kamel. Dieses Tier begibt sich in die Wüste und trägt schwere Lasten. Wenn es sich jedoch in einen Löwen verwandelt – ein Tier, das diese Lasten abwirft und brüllt –, muss sich der Löwe schließlich in ein Kind transformieren. Das Kind ist unschuldig, ein heiliges Ja-Sagen und ein Spiel der Schöpfung. Ein Kind, das sagt: „Ich bin“.
Kulturkritik und der europäische Nihilismus
Nietzsche übt eine radikale Kritik an der westlichen kulturellen Tradition aus, sowohl an ihren antiken und modernen Werten als auch an ihrem gegenwärtigen Mangel an Idealen (zeitgenössischer Nihilismus), d. h. Passivität, Langeweile, Unglaube und Gleichgültigkeit gegenüber allem. Nietzsche schlägt eine Lebensphilosophie vor, welche die wahren Werte und Ideale des Menschen als Grundlage für eine Zukunft und eine neue Kultur unterstützt.
Nietzsches Werk im Kontext des 19. Jahrhunderts
Nietzsches Werk muss aus seiner Zeit verstanden werden: dem 19. Jahrhundert. Diese Periode wurde von drei großen Bewegungen dominiert: Liberalismus, Sozialismus und Anarchismus. Diese politischen Theorien befürworteten jede auf ihre Weise den sozialen Fortschritt sowie liberale und demokratische Werte, mit denen Nietzsche nicht übereinstimmen konnte. Die Romantik (eine irrationale Vorstellung der Welt, die ästhetische Werte mit Pessimismus verbindet) und der Positivismus (eine Philosophie, die Wissenschaft und Fortschritt wertschätzt) prägten ihn ebenfalls. Nietzsche, der sowohl romantische als auch positivistische Züge aufwies, überwand diese mit einer Philosophie, die als „Tochter ihrer Zeit“ Spuren dieser Ideologien trägt, besonders des Spätromantizismus.
Die Diagnose des Nihilismus
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erscheinen in der europäischen Kultur die ersten Symptome des zeitgenössischen Nihilismus: Faulheit, Müdigkeit, Skepsis, Toleranz und das Fehlen von Idealen sowie die Entwertung aller Werte. Nietzsches Philosophie ist gegen diesen Nihilismus gerichtet, aber auch gegen den Nihilismus der Zukunft. Nietzsche diagnostizierte nicht nur den Nihilismus als Kind seiner Zeit, sondern prophezeite hellsichtig den vollen Nihilismus unserer Tage.