Gemeinschaft vs. Gesellschaft: Eine kritische Analyse soziologischer Begriffe
Eingeordnet in Lehre und Ausbildung
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,71 KB
Punkt 2: Gesellschaft und Gemeinschaft – Gemeinschaft in der Praxis
1. Die Unterscheidung zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft
In unserem historischen, kulturellen und wissenschaftlichen Kontext unterscheidet sich der Begriff der Gesellschaft nicht immer klar von dem der Gemeinschaft. Hier sind einige Gründe dafür:
a) Verdeckung der Komplexität: Der Begriff der Gemeinschaft erzeugt Bilder, die tendenziell die Komplexität der aktuellen sozialen Wirklichkeit verbergen. Er vermittelt ein Bild von sozialer Harmonie und Homogenität, das sehr simpel ist und interne Konflikte ausschließt. Wenn das Adjektiv „gemeinschaftlich“ verwendet wird, evoziert es eindeutig positive und fast immer sehr wohlwollende Realitäten.
b) Verschleierung der Realität: Die mythische Verklärung der sozialen Realität, die das Konzept der Gemeinschaft evoziert, hilft, die Realität zu verschleiern und dient daher oft der Verdeckung. In jüngster Zeit haben wir sehr deutliche Beispiele für diesen verschleiernden Charakter gesehen: Der Neoliberalismus nutzt das Konzept (ähnlich wie ein Werkzeug), um die Kosten für die Familienbetreuung zu verbergen und/oder von ihnen abzulenken (die sogenannte Community Behandlung wurde als Argument verwendet, um eine Senkung der Sozialausgaben zu legitimieren).
c) Begünstigung von Illusionen: Das Konzept der Gemeinschaft spielt günstig mit der Vorstellung, Illusionen und Interessen zu fördern, die in der Gesellschaft besser definiert und weiter verbreitet sind.
Wenn eine soziale Realität (Bezirk, Institution etc.) als uniform dargestellt wird, die als Notwendigkeit oder Gemeinschaftsprogramm eingeführt wird, spricht man von Menschen mit Artikulationsfähigkeit (dem Bürgertum) und ignoriert die Schwächen jener, denen die notwendigen Attribute fehlen, um ihre Probleme als legitim und sogar bevorzugt kollektiv zu definieren (die Gruppen mit weniger Macht).
Wie oft kommt es vor, dass Segmente dieser sogenannten Gemeinschaften mobilisiert werden, insbesondere gegen andere Segmente (z. B. die Mobilisierung gegen Sozialwohnungen, die von Ärmeren bewohnt werden).
d) Förderung unitarischer Strategien: Die Konzepte der Gemeinschaft und der Sozialen Arbeit, wenn sie konsistent genutzt werden, neigen dazu, die Vorstellung unitarischer oder einvernehmlicher Organisationsstrategien zu fördern (z. B. „Gehe zu dem, der die meisten Vertreter der Vereinigung ist“, „Ein Projekt sollte alle kollektiven und institutionellen Akteure einbeziehen“). Das ist ein Irrtum, weil Interessen und Träume nicht immer geteilt werden.
2. Missverständnisse bei der Verwendung der Begriffe vermeiden
a) Schwache geografische Identität: Die geografische Identität des Gemeinschaftsbegriffs ist ziemlich schwach. Die Interessen und Beziehungen in einem Bereich (z. B. Bezirk) sind sehr vielfältig, und heutzutage sind die Qualität und Quantität menschlicher Beziehungen relativ unabhängig vom Gebiet.
b) Ersatz durch präzisere Konzepte: Wenn möglich, sollte der Begriff der Gemeinschaft durch präzisere alternative Konzepte ersetzt werden. Begriffe wie sozialer Raum, Territorium, Bevölkerung, Kollektiv, Gruppe, Nachbarschaft oder Bewohner sollten jederzeit verwendet werden, um die Gefahren der Verallgemeinerung zu reduzieren.
c) Beschränkung auf Wunschvorstellungen: Die Verwendung des Begriffs der Gemeinschaft sollte darauf beschränkt werden, den Wunsch nach einer bestimmten Gesellschaft und sozialen Beziehungen auszudrücken. Er wäre ein Ausdruck der Gesellschaft, die wir uns wünschen (eine nicht-exklusive, inklusive, robuste), aber niemals ein Ausdruck der tatsächlichen Merkmale der sozialen Wirklichkeit.
d) Bewusstsein für nicht-unitarische Strategien: Seien Sie sich bewusst, dass die organisatorischen Strategien nicht immer unitarisch sind. Die Integration der Gesellschaft bedeutet vielmehr, ihre Gruppen und Organisationen zu vervielfachen, um neuen Akteuren eine Stimme zu geben, Themen zu vertiefen und mehr soziale Lebensgruppen zu generieren.
e) Artikulation jenseits des Ortes: Es ist wichtig zu wissen, dass die Artikulation von Gruppen und Aktionen in verschiedenen Räumen jenseits des physischen Ortes gesucht und verwaltet werden kann. Das Ziel in der Sozialen Arbeit ist der Aufbau eines sozialen Gefüges durch Projekte, die umfassendere, stärker integrierte und ehrgeizigere Antworten liefern.