Geologische Prozesse und die Modellierung der Erdoberfläche

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1. Das Relief: Formen der Erdoberfläche

Die Erdoberfläche lässt sich durch verschiedene Klassifikationen beschreiben:

Beschreibende Klassifikation

  • Berg: Isoliertes Relief mit großem Höhenunterschied zwischen Basis und Gipfel.
  • Cerro: Isoliertes Relief mit geringem Höhenunterschied.
  • Schlucht oder Hals: Enges Tal mit steilen Wänden.
  • Plateau: Relief mit einer flachen Gipfelfläche.
  • Terrassen: Stufenförmiges, isoliertes Relief.

Interpretative Klassifikation (Geomorphologie)

  • Berg: Erhebung, die sich aus dem Umland abhebt. Gebirgsketten werden als orogen bezeichnet.
  • Zeugenberg: Isoliertes Relief, dessen Gipfelhöhe dem Niveau entspricht, auf dem sich das Gebiet in der Vergangenheit befand.
  • Terrassen: Fragmentierte, gestufte Bereiche, die durch die Eintiefung eines Flusses entstanden sind.
  • Anthropogene Modellierung: Durch menschliche Aktivität geformte Landschaften.

2. Erdkruste

  • Ozeanische Kruste: Besteht primär aus Basalt, bildet die Meeresbecken und ist fast vollständig von Wasser bedeckt.
  • Kontinentale Kruste: Besteht im Wesentlichen aus Granit und metamorphen Gesteinen; sie ist dicker und weniger dicht als die ozeanische Kruste.

3. Externe geologische Prozesse: Verwitterung und Erosion

Verwitterung

Die Zerstörung von Gesteinen durch Wasser, Luft und Lebewesen:

  • Mechanisch: Zerkleinerung durch Frostsprengung (Gelifraktion), Thermoklastik oder Dekompression.
  • Chemisch: Veränderung durch chemische Reaktionen (Hydratation, Oxidation, Karbonisierung durch CO2, biologische Säuren).
  • Biologisch: Veränderung durch lebende Organismen.

Erosion

Abtragung von Gestein durch Wasser, Wind oder Eis. Dies führt zur Neuverteilung der Kontinentalmassen und zur Bildung von Rumpfflächen (Peneplains), die über Millionen von Jahren durch kontinuierliche Abtragung entstehen.

4. Transport und Sedimentation

Der Transport beschreibt die Bewegung erodierter Fragmente. Die Sedimentation ist die Ablagerung dieser Materialien.

  • Energie: Bestimmt die Transportkapazität. Hohe Energie ermöglicht den Transport großer Klasten.
  • Reifung: Veränderung der Zusammensetzung, Form und Größe der Sedimente während des Transports.

Sedimentationsformen

  • Dekantieren: Ablagerung durch Nachlassen der Strömungsenergie.
  • Kinetische Akkretion: Ablagerung durch Hindernisse.
  • Strukturen: Schichtung (großflächig) oder Bänderung (fein, bei geringer Energie).

5. Sedimentäre Umgebungen

Sedimentbecken sind Senkungsgebiete der Erdoberfläche. Man unterscheidet:

  • Kontinental: Fluvial (Flüsse), glazial (Gletscher), äolisch (Wind), Karst.
  • Marin: Küsten, Riffe, Festlandsockel, Kontinentalhänge.
  • Übergangsbereiche: Strände, Deltas, Ästuare.

6. Fluviale Modellierung

Flüsse formen die Landschaft durch Erosion und Sedimentation. Typische Formen sind U-Täler (bei hoher Erosionskraft), flache Sohlentäler (bei nachlassender Energie) und Terrassen.

7. Wildbäche und Sturzfluten

In ariden Klimazonen führen seltene, aber heftige Regenfälle zu temporären Wasserläufen. Formen: Gully (tiefe Furchen), Barrancos (tiefe Täler) und Ramblas (trockene Kanäle).

8. Äolische Modellierung (Wind)

  • Deflation: Wind verweht feines Material, zurück bleibt eine Steinwüste (Reg).
  • Abrasion: Sandgestrahlte Felsen.
  • Sedimentation: Bildung von Löß (Staub) und Dünen (Sand).

9. Küstenerosion

Wellen und Meeresströmungen formen die Küste durch den Rückzug von Klippen und die Bildung von Abrasionsplattformen sowie die Ablagerung von Stränden und Nehrungen.

10. Glaziale Modellierung

Gletscher formen durch ihre Eismassen breite U-Täler und Übertiefungsbecken. Die Sedimentation erfolgt meist in Form von Moränen.

11. Karstmodellierung

  • Oberflächenkarst: Dolinen und torcas durch Auflösung von Kalkstein.
  • Untergrundkarst: Galerien, Simas (Schächte) und Höhlen.
  • Sedimentation: Bildung von Stalaktiten, Stalagmiten und Travertin.

12. Determinanten der Modellierung

Die Landschaftsformung hängt ab von:

  • Klima: Bestimmt die vorherrschenden geologischen Agenten.
  • Tektonik: Beeinflusst die Energie und Richtung der Erosion.
  • Lithologie: Die Härte des Gesteins bestimmt die Widerstandsfähigkeit gegen Abtragung.
  • Anthropogene Einflüsse: Menschliche Aktivitäten verändern das Relief direkt oder indirekt.

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