Gerechtigkeitstheorien: Rawls, Utilitarismus und Mediation

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John Rawls: Die zwei Prinzipien der Gerechtigkeit

Rawls definiert zwei Prinzipien:

  • a) Grundsatz der gleichen Freiheit: Ein Prinzip, nach dem alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten haben.
  • b) Grundsatz der wirtschaftlichen Ungleichheit: Dieser besagt, dass Ungleichheiten nur dann zulässig sind, wenn alle davon profitieren. Dieses Prinzip kann begründet werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:
    • Die wirtschaftliche Ungleichheit führt zu einer Verbesserung der Lage der ärmsten Mitglieder der Gesellschaft (das Differenzprinzip).
    • Wirtschaftliche Ungleichheiten sind nicht durch eine Ungleichheit der Chancen motiviert; alle Menschen müssen gleiche Chancen in der Gesellschaft haben.

Daher ist es nicht zwangsläufig unfair, dass manche Menschen reicher sind als andere, sofern die beiden Voraussetzungen eingehalten werden. Der Grund für diese Unterschiede liegt darin, dass es Individuen gibt, die über mehr Fähigkeiten verfügen, qualifizierter sind oder die bereitgestellten Rechte und Chancen der Gesellschaft besser zu nutzen wissen.

Unterschied zwischen Rationalität und Vernunft

Es gibt Unterschiede zwischen dem, was rational und dem, was vernünftig ist: Das rationale individuelle Eigeninteresse entspricht dem, was wir bevorzugen und zu unserem eigenen Vorteil wollen. Es wäre hingegen vernünftig, die Interessen anderer zu berücksichtigen und die Zusammenarbeit sowie Gegenseitigkeit zu suchen, anstatt nur die eigenen Einzelinteressen zu verfolgen. Wenn man diese beiden Grundsätze – das Rationale und das Vernünftige – kombiniert, kann eine stabile und gerechte Gesellschaft erreicht werden.

Gerechtigkeit und gesellschaftliche Unterschiede

Es ist nicht per se unfair, dass in einer Gesellschaft manche Menschen reicher und andere ärmer sind, solange die zwei genannten Bedingungen erfüllt bleiben. Der Grund für diese Differenzen ist, dass bestimmte Individuen ihre Fähigkeiten besser beherrschen, qualifizierter sind oder die gleichen Rechte und Chancen, die die Gesellschaft bietet, effektiver nutzen.

Mediation als Verfahren der Konfliktlösung

Mediation ist ein Verfahren oder eine Methode der Konfliktlösung, bei der die Parteien mit Hilfe eines neutralen Dritten – dem Mediator oder Vermittler – durch Diskussion und Verhandlung selbst eine für beide Seiten zufriedenstellende Vereinbarung erarbeiten.

Utilitarismus: David Hume und John Stuart Mill

David Hume glaubte, dass alles, was zum Glück der Gesellschaft beiträgt, unsere Zustimmung verdient; das heißt, alles, was für die Menschen nützlich ist, ist gut. John Stuart Mill definierte den Wert des Guten als Synonym für „nützlich“: „Aktionen sind in dem Maße gut, wie sie das Glück der größtmöglichen Zahl von Menschen erhöhen.“ Er betonte: „Mein Wohlbefinden hängt vom Wohl anderer ab.“ Diese ethische Theorie wird als Utilitarismus bezeichnet.

Der Utilitarismus und die Industrielle Revolution

Der Utilitarismus ist eng mit der Industriellen Revolution und dem liberalen Geist verbunden, da er die Wirtschaft und das soziale Leben als ein Kalkül individueller und kollektiver Interessen betrachtet. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass diese Ideologie die Grundlage der heutigen Gesellschaft bildet.

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