Geschichte der katalanischen Sprache: 1890 bis heute
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Geschichte der katalanischen Sprache (1890 bis heute)
Während des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts erlangte das Fürstentum Katalonien zwei kurze Perioden politischer Autonomie innerhalb Spaniens:
- Commonwealth (1914–1928): Regiert von der Regionalistischen Liga unter der Führung von Enric Prat de la Riba.
- Regierung (2. Spanische Republik und Bürgerkrieg): Katalonien wurde von der Esquerra Republicana unter dem Vorsitz von Francesc Macià und Lluís Companys regiert.
In diesen Jahren erlebte das Fürstentum eine wirtschaftliche Entwicklung, die durch einen intensiven Zuwanderungsstrom aus anderen Teilen des spanischen Sprachraums geprägt war. Es waren Jahre sozialer Konflikte und der Konsolidierung einer neuen Massenkultur.
Die Sprachregulierung
Die Wiederaufnahme der gelehrten Literatur in katalanischer Sprache, begünstigt durch die Renaissance, machte die Schaffung einer amtlichen Standardsprache notwendig. Pompeu Fabra und seine Kollegen schufen einen modernen Standard, der der Tradition treu blieb und für alle Gebiete der katalanischen Sprache galt. Die Philologische Abteilung des Instituts für katalanische Studien (1911) fungierte als Sprachakademie und veröffentlichte die Rechtschreibregeln (1913), die Katalanische Grammatik (1918) und das Allgemeine Wörterbuch der katalanischen Sprache (1932).
Die soziale Normalisierung der Sprache
Vom 20. Jahrhundert bis 1939 erlebte die katalanische Sprache einen Prozess der Überwindung der diglossischen Situation und eine Erweiterung ihrer gesellschaftlichen Anwendungen. Die populäre Literatur erreichte volle Normalität, und die Presse veröffentlichte zunehmend Publikationen auf Katalanisch (z. B. La Veu de Catalunya). Im Bildungswesen war es vor allem die Kirche, die in Schulen unterrichtete.
Versuch eines kulturellen und sprachlichen Völkermords unter Franco
Das diktatorische Regime unter Franco (1939–1975) versuchte die systematische Eliminierung der katalanischen Sprache und Kultur zugunsten des Spanischen. Dies verlief in drei Phasen:
- Nachkriegszeit (1939–1959): Jahre wirtschaftlicher Not und intensivster Verfolgung des Katalanischen.
- Entwicklungspolitik (1960–1969): Eine gewisse wirtschaftliche Liberalisierung ermöglichte der Opposition und der Sprache einen begrenzten Spielraum.
- Krise der Diktatur (1970–1975): Das System geriet in die Krise, verbunden mit der Demokratisierung Spaniens und der Wiedererlangung der Autonomie.
Sprachlicher und kultureller Widerstand
Trotz des Regimes blieb die Bevölkerung der katalanischen Sprache treu. Es entstanden zahlreiche Initiativen:
- Gründung von Verlagen für Publikationen auf Katalanisch.
- Private Einrichtungen zur Verbreitung von Sprache und Kultur.
- Veröffentlichung von Fachzeitschriften.
- Die Bewegung Nova Cançó (Neues Lied) ab den späten fünfziger Jahren.
- Gründung von Qualitätsschulen durch Eltern oder Lehrervereinigungen.
Das Ende des Regimes und die Anerkennung
Der Tod des Diktators war der erste Schritt in eine demokratische Übergangszeit. Katalonien erlangte seine politische Autonomie zurück. Die Verfassung und die Autonomiestatute etablierten den offiziellen Status des Katalanischen in Katalonien, Valencia und auf den Balearen.
Die Standardisierung des Katalanischen
Katalanisch ist die Sprache des Landes und die Muttersprache für mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Die Normalisierung ist ein politischer Prozess, um die Rolle des Katalanischen als normale Sprache der Gesellschaft wiederherzustellen, ohne die Rechte der spanischsprachigen Bürger zu verletzen.
Der rechtliche Rahmen der katalanischen Sprache
Katalanisch ist in Andorra als Amtssprache anerkannt. Innerhalb der Europäischen Union ist es keine offizielle Sprache, da nur das Spanische als offizielle Sprache Spaniens gilt. Die Situation in den Regionen:
- Andorra: Amtssprache.
- Katalonien und Balearen: Ko-Amtssprache neben Spanisch.
- Valencia: Katalanisch (Valencianisch) und Spanisch als Ko-Amtssprachen.
- Aragonien (La Franja) und Alghero: Schutzbestimmungen und Bemühungen um Anerkennung.
- Nordkatalonien und Carxe (Murcia): Keine offizielle Anerkennung; in Frankreich wird der Unterricht geduldet, befindet sich aber in einer diskriminierenden Lage.