Geschichte der Koexistenz: Juden, Muslime und Christen in Al-Andalus
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Juden in Sefarad: Ankunft und frühe Gemeinden
Die Ankunft der Juden auf der Iberischen Halbinsel (Sefarad) wird von einigen Historikern auf die Diaspora nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar zurückgeführt. Bereits ab dem dritten Jahrhundert etablierten sich jüdische Gemeinden in diesem Gebiet. Toledo (Toledoth, 'Stadt der Generation') entwickelte sich zu einem wichtigen kulturellen und religiösen Zentrum der sephardischen Juden.
Juden und Westgoten: Beziehungen und Diskriminierung
Die Beziehungen zwischen Juden und Westgoten waren zunächst herzlich und respektvoll. Doch mit dem Konzil von Elvira (Iliberres) im vierten Jahrhundert begann die Diskriminierung dieser Gemeinden, die ihre Unabhängigkeit zu wahren suchten. Obwohl die Juden nie politische Macht besaßen, übten sie erheblichen wirtschaftlichen, diplomatischen und sozialen Einfluss aus.
Herausforderungen durch die christliche Kirche
Die Probleme für die Juden wurden nach der Konversion des westgotischen Königs Rekkared zum Christentum im Jahr 589 alltäglich. Rekkared strebte die politische Einheit Spaniens an. In dieser Zeit wurden mehrere Maßnahmen erlassen, um die Juden zu isolieren. Auf dem Konzil von Toledo im Jahr 633 wurden sie gezwungen, Christen zu werden oder des Landes verwiesen zu werden.
Muslime als Verbündete im Süden
Die Muslime begegneten den Juden mit einer gewissen Nachsicht. Erstens waren beide semitische Völker, und zweitens sahen die Muslime in den Juden potenzielle Verbündete. Die Muslime zeigten sich tolerant, und die Juden trugen im Gegenzug maßgeblich zur Entwicklung von Al-Andalus bei.
Juden und Muslime: 'Völker des Buches'
In den eroberten Großstädten etablierten die Juden Kolonien und beteiligten sich am Handel sowie an gemeinsamen administrativen Aufgaben mit den Muslimen. Sie wurden schließlich arabisiert und genossen religiösen Schutz. Die Kalifen schätzten eine Kultur, die sie als komplementär und nicht als selbstgefällig empfanden.
Erste Spannungen zwischen Muslimen und Juden
In Córdoba, dem Sitz des Kalifats, war es nicht möglich, eine große jüdische Gemeinde zu etablieren. Der religiöse Fanatismus innerhalb des Islam verbitterte oft das Leben der jüdischen Gemeinden.
Al-Andalus: Ein Schmelztiegel der Kulturen
Innerhalb von fünf Jahren dominierten die Muslime die Westgoten und breiteten sich bis zu den Pyrenäen und dem Kantabrischen Gebirge aus, wo sie sich niederließen. Mitte des achten Jahrhunderts nahm Abd ar-Rahman III. den Titel eines Kalifen an und erklärte Córdoba zur Hauptstadt des Kalifats. In Al-Andalus entwickelte sich eine starke Wirtschaft mit weitreichenden Handelsbeziehungen im gesamten Mittelmeerraum. Die Ankunft der Muslime führte dazu, dass über acht Jahrhunderte hinweg drei Religionen und Kulturen in diesem Gebiet zusammenlebten. Juden und Christen bildeten Minderheiten, deren Status nicht dem der Muslime entsprach.
Grenzen der muslimischen Toleranz
Minderheiten wurden zwar geduldet, waren aber gezwungen, eine Kopfsteuer (Dschizya) zu entrichten. Die Toleranz des Islam trug zur Entwicklung von Al-Andalus bei, indem sie auch die Beteiligung mozarabischer Minderheiten als 'Leute des Buches' zuließ, die ihre Verwaltung und ihr Recht behielten, jedoch bestimmte Steuern zahlen mussten.
Die Rolle der Sklaven (Saqaliba)
Die Umayyaden misstrauten anderen Minderheiten und brachten Sklaven aus verschiedenen Mittelmeerregionen und Teilen Osteuropas (Saqaliba) nach Al-Andalus. Diese begannen in der Knechtschaft und stiegen teilweise zu Positionen in Verwaltung und Handel auf. Sie bildeten jedoch stets eine eigene Gruppe innerhalb von Al-Andalus und konzentrierten sich in Städten wie Dénia, Tortosa, Valencia und auf den Balearen.
Zoco und Muhtasib: Ordnung und Kontrolle
Zur Wahrung der religiösen Orthodoxie und zur Kontrolle des kommerziellen Lebens wurde die Position des Muhtasib (Marktaufseher/Bürgermeister) geschaffen. Der Muhtasib überwachte nicht nur den Handel im Zoco (Markt), sondern auch religiöse Angelegenheiten, selbst unter Sklaven.
Musik und Kultur: Der Einfluss Ziryabs
Die Musik in Al-Andalus erfuhr im 9. Jahrhundert durch die Ankunft des Musikers Ziryab eine Blütezeit. Er reformierte das Lautenspiel und gründete eine Musikakademie in Córdoba.
Abraham: Vater dreier monotheistischer Religionen
Der Patriarch Abraham wird als Vater der drei monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) angesehen. Dies führte zu einer Gesellschaft, in der die Koexistenz, wenn auch stets von der dominanten Kultur bedingt, ermöglicht wurde.
Frühe Koexistenz zwischen Juden und Christen
Kommunale Satzungen gewährten Juden Nutzungsrechte, sie besaßen eigene Richter, und ihr wirtschaftlicher Status florierte. Ihre Position festigte sich durch die Gunst der Monarchen, von denen sie Darlehen und Zuschüsse erhielten.
Die Aljama: Jüdische Viertel als Schutzraum
Als die Probleme mit den Christen begannen, zogen sich die Juden in eigene Viertel, sogenannte Aljamas, zurück. Diese konnten bei bitterer Stimmung und drohender Gewalt geschlossen werden und dienten als Schutzraum.
Mudéjares: Muslime unter christlicher Herrschaft
Die Mudéjares, Muslime unter christlicher Herrschaft, genossen einen besonderen Status. Sie durften ihre Moscheen behalten, unterlagen ihren eigenen Gesetzen und konnten ihre eigenen Behörden und Richter wählen. Allerdings waren sie gezwungen, einen besonderen Tribut zu entrichten.
Ende der freien Koexistenz: Laterankonzil
Das Dritte Laterankonzil im späten zwölften Jahrhundert setzte der freien Koexistenz zwischen Juden und Christen ein Ende. Es wurde entschieden, dass Juden keine exkommunizierten Christen als Diener haben durften und dass Christen, die mit Juden zusammenlebten, diese zwar gut behandeln mussten, aber eine klare Trennung gefordert wurde.