Gesellschaft, Politik und Wirtschaft in Al-Andalus

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Al-Andalus: Bevölkerung und Religion

Antiquus: Die meisten waren Kriegsgefangene. Die römische Religion basierte auf offiziellen Gottheiten, der Verehrung des Kaisers und den Göttern; sie stand auch in Zusammenhang mit lokalen Zyklen und Traditionen. Die große Neuerung war die Einführung des Christentums. Die Juden in Hispanien waren bereits vor dem Ende des ersten Jahrhunderts präsent.

Al-Andalus hatte eine heterogene und sehr vielfältige Bevölkerung. Hinzu kamen die Westgoten, eindringende Muslime und vor allem Berber, die Verbindungen zum nördlichen Afrika hatten und in den Regionen von Hispania Fuß fassten. Während der Blüte des Kalifats belief sich die Einwohnerzahl auf etwa fünf Millionen aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung in Al-Andalus.

Einige Westgoten konvertierten zum Islam; viele waren jedoch nur vorübergehend zum Islam übergetreten und wurden teilweise als Renegaten oder Muladi bezeichnet. Christen und Juden genossen eine gewisse Autonomie und konnten ihre Religion ausüben.

Politische Organisation

Der Kalif stellte die höchste Autorität in Al-Andalus. Der Kalif übte absolute Macht in der politischen Arena aus und war das geistliche Oberhaupt aller islamischen Gläubigen. Unter dem Kalifen stand der Hajib (Hachib) als eine Art Premierminister; auf niedrigerer Ebene gab es den Wesir, der als sekundärer Minister fungierte.

Einnahmen und Almosen (Zakat) bildeten die finanzielle Grundlage; zusätzlich gab es Steuern wie die Dschizya auf Mozaraber und Juden. Die Rechtsprechung wurde von den Qadis durchgeführt; diese mussten ein gründliches Verständnis der heiligen Schriften des Islam sowie der Tugenden (z. B. Würde) besitzen.

Militär und Verwaltung

Das Heer bestand überwiegend aus berittenen Kämpfern. Der stellvertretende Kommandeur war der höchste militärische Befehlshaber unter dem Kalifen; auf niedrigeren Ebenen bestanden Kommandopositionen wie der Caid. Al-Andalus wurde in Coras (entsprechend heutigen Provinzen) aufgeteilt; jede Cora hatte einen Statthalter (Wali) und war weiter in Bezirke gegliedert.

Landwirtschaft und Tierhaltung

Muslime verstärkten die Landwirtschaft durch Bewässerungstechniken und Innovationen wie das Wasserrad. Es wurden neue oder verbreitete Nutzpflanzen wie Reis eingeführt. Großer Wert wurde auf die Tierzucht von Schafen und Pferden gelegt. Die Schweinezucht wurde aufgrund koranischer Verbote zurückgedrängt.

Industrie und Handel

Die industrielle Produktion war enorm. Wichtige Sektoren waren Textilien, Leinenstoffe und Brokat. Ebenso bedeutsam waren Produktionsstätten für Waffen, Keramik, Papier, Glas, Lederwaren und Metallarbeiten.

Der Handel wurde durch die Prägung von zwei Münzarten unterstützt. Der Binnenhandel fand in den Souks der Städte statt; privilegierte Basare fungierten als steuerlich begünstigte Zonen, in denen qualitativ hochwertige Produkte verkauft wurden. Al-Andalus betrieb intensiven Außenhandel sowohl mit anderen islamischen Ländern als auch mit Europa.

  • Export: landwirtschaftliche Erzeugnisse, Mineralien, Textilien
  • Import: Gewürze und Luxusgüter aus dem Nahen Osten sowie Gold und Sklaven aus dem Sudan

Städte und soziale Organisation

Bedeutende Städte waren unter anderem Madrid, Calatayud und Almería. Die wichtigste Stadt war zweifellos Córdoba, die eine große Bevölkerung hatte. In Córdoba herrschte blühender Handel; es gab Buchproduktion und auch einen Sklavenmarkt.

Aus sozialer Perspektive existierten aristokratische Familien arabischer Herkunft; darunter fanden sich auch Linien westgotischer Abstammung. Auf der anderen Seite standen die Massen: in städtischen wie in ländlichen Gebieten bestanden sie aus Handwerkern und Bauern. Schließlich entstand ein aufstrebendes Bürgertum, zu dem insbesondere Kaufleute gehörten, und es gab ausländische Enklaven bzw. Handelskolonien.

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