Gesundheit und Krankheit: Definitionen, Determinanten, Indikatoren

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Gesundheit und Krankheit: Grundlagen und Definitionen

Die Definition von Gesundheit nach der WHO

WHO-Definition 1948: Umfassendes Wohlbefinden

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierte Gesundheit 1948 als einen Zustand des *umfassenden Wohlbefindens* (physisch, psychisch und sozial) und nicht nur als das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. Diese Definition strebt einen idealistischen Zustand an und geht über rein physische Aspekte hinaus.

Kritik an der WHO-Definition 1948

  • Idealistisch: Die Definition wird als zu umfassend und idealistisch kritisiert.
  • Dichotomie: Sie impliziert eine starre Trennung zwischen krank und gesund.
  • Subjektivität: Das subjektive Gefühl des Wohlbefindens wird berücksichtigt, während biologische und soziale Aspekte von Einzelpersonen oft vernachlässigt werden.

WHO-Definition 1984: Gesundheit als Ressource

1984 definierte die WHO Gesundheit als die eigene Fähigkeit, individuelle Möglichkeiten zu entwickeln und positiv auf die Herausforderungen der Umwelt zu reagieren. Gesundheit wird als eine *Ressource für das Leben* betrachtet. Sie ermöglicht es Menschen, ihr Potenzial zu entfalten und mit ihrer Umwelt zu interagieren und diese zu modifizieren. Dies erfordert persönliche, soziale, kognitive und materielle Fähigkeiten, um das eigene Leben zu kontrollieren und zu steuern.

Definition der Krankheit (Enfermedad)

Krankheit ist das Ergebnis von Interaktionen zwischen einem oder mehreren Erregern, einem anfälligen Wirt (Individuum) und der Umwelt. Diese Interaktionen führen zu einer anatomischen oder funktionellen Anomalie, die dauerhaft oder vorübergehend sein kann.

Ursachen und Determinanten von Gesundheit und Krankheit

Gesundheit und Krankheit bilden ein dynamisches Kontinuum, dessen Enden der Tod und der ideale Zustand absoluter Gesundheit sind. Die Ursachen (Determinanten) der Krankheit lassen sich in vier Hauptbereiche unterteilen:

  1. Menschliche Biologie (Genetik und Alter)

    • Genetische Veranlagung.
    • Alterungsprozesse.
  2. Umweltfaktoren

    Hierzu zählen physikalische, chemische, biologische und psychosoziale Kontaminationen:

    • Physikalische Faktoren: Lärm, Strahlung.
    • Chemische Faktoren: Schadstoffe, Pestizide, Umweltverschmutzung.
    • Biologische Faktoren: Bakterien, Viren, Pilze.
    • Soziokulturelle/Psychosoziale Faktoren: Stress.
  3. Lebensstil (Stil vida)

    Der Lebensstil umfasst spezifische Verhaltensweisen, die Risikofaktoren für die Abnahme des Gesundheitsniveaus darstellen:

    • Drogenkonsum.
    • Mangelnde Bewegung.
    • Ungesunde Ernährung (z. B. übermäßiger Verzehr gesättigter Fettsäuren).
  4. Gesundheitssystem

    • Abhängigkeit von der Abdeckung und Qualität der Gesundheitsversorgung.

Gesundheitsindikatoren: Anforderungen und Klassifikation

Grundlegende Anforderungen an Gesundheitsindikatoren

Indikatoren müssen spezifische Kriterien erfüllen, um aussagekräftig zu sein:

  • Einfache Pflege und Handhabung.
  • Stabilität der Variablen über die Zeit.
  • Universalität (allgemeine Akzeptanz).
  • Einfachheit in der Berechnung.
  • Spezifität und Sensibilität.
  • Reproduzierbarkeit und Validität.

Klassifikation der Gesundheitsindikatoren

1. Expositionsindikatoren (Messung der Risikofaktoren)

  • Demografische Daten: Bevölkerungsstruktur, Geburtenrate (z. B. Anzahl der Geburten pro 1000 Einwohner).
  • Anthropogene Daten: Größe, Gewicht, physiologische Entwicklung.
  • Verhaltensindikatoren: Konsum von Tabak, Alkohol, Drogen, Ernährungsverhalten (Diät).
  • Umweltfaktoren: Wohnformen, Luft-, Wasser- und Lärmbelastung.
  • Sozioökonomische Daten: Bildungsniveau, Beschäftigung, wirtschaftliche Situation.

2. Schutzindikatoren (Präventionsmaßnahmen)

  • Sozioökonomie: Investitionen in die Familiengesundheit und das Gesundheitswesen.
  • Hygienemaßnahmen: Qualität des Trinkwassers, Abwasserbehandlung, Abwasserentsorgung.
  • Impfkampagnen: Abdeckung der Bevölkerung, verwendete Ressourcen.

3. Ergebnisindikatoren (Outcome)

Diese Indikatoren messen die Auswirkungen von Krankheiten und Todesfällen:

  • Morbidität: Anteil der Kranken an einem bestimmten Ort (jährliche Pathologie pro 1.000.000 Gesamtbevölkerung).
  • Mortalität (Sterblichkeit): Allgemeine Sterblichkeitsrate (Verstorbene pro durchschnittlicher Bevölkerungsdichte, dividiert durch 100 pro Jahr).
  • Spezifische Raten: Sterblichkeitsraten nach Alter, Unfälle, Arbeitsunfälle, Suizide.
  • Kindersterblichkeit: Säuglingssterblichkeit, pränatale Mortalität.

Sozioökonomische Entwicklung und Gesundheit

Der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Gesundheit

Die Sterblichkeit variiert stark in Abhängigkeit von der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. In entwickelten Gebieten können Bürger durch ein bestimmtes Einkommensniveau Güter, Ressourcen und Dienstleistungen erwerben, die für das Wohlergehen notwendig sind (gesunde Ernährung, Unterkunft, medizinische Versorgung).

Armut und Krankheit bilden oft einen Teufelskreis. Die Hauptprobleme variieren je nach sozioökonomischem Niveau:

  • Niedriges sozioökonomisches Niveau: Hauptprobleme sind Infektionskrankheiten, Parasiten und Mangelernährung.
  • Mittleres bis hohes sozioökonomisches Niveau: Hauptprobleme sind Krankheiten, die durch physikalische und chemische Faktoren, Lebensstil und Alterung bedingt sind.

Spezifische Mortalitätsstatistiken

  • Quelle: Sterbefallstatistiken dienen als wichtige Informationsquelle für die Epidemiologie und die allgemeine Gesundheitsüberwachung.
  • Kindersterblichkeitsrate: Anzahl der Todesfälle von Kindern unter einem Jahr pro 100 Lebendgeburten.
  • Swaroop-Index: Anteil der Todesfälle von Personen über 50 Jahren an der Gesamtzahl der Todesfälle (Nr. Todesfälle > 50 Jahre / Gesamtzahl der Todesfälle * 100).

4. Indikatoren des Gesundheitswesens (Healthcare Indicators)

Ressourcen und Aktivität

Diese Indikatoren messen die Verfügbarkeit von Personal und Material sowie die Aktivität des Gesundheitssystems.

Personal- und Materialindikatoren

  • Personal: Verhältnis von Krankenschwestern zu Ärzten.
  • Material: Anzahl der Betten, Operationssäle, Krankenhäuser.
  • Menschliches Material (Kombiniert): Verhältnis von Personal (Ärzte, Krankenschwestern, Pflegehilfskräfte) zu Betten.

Aktivitätsindikatoren

Diese werden in Basisindikatoren und allgemeine Indikatoren unterteilt:

  • Basisindikatoren: Mindestaufenthaltsdauer, Kaiserschnittgeburten, Entbindungen.
  • Allgemeine Indikatoren: Art der Krankenhauseinweisung und das Verhältnis der Bevölkerung zum Krankenhaus.
  • Spezifische Bereiche: Indizes für Notaufnahme (URG), Beratungsstellen, externe Konsultationen und Chirurgie (CIRU AREA).

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