Giovanni Boccaccio: Decameron, Alibech und weitere Erzählungen
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Giovanni Boccaccio — italienischer Humanist und Schriftsteller
Giovanni Boccaccio gilt als Vater der italienischen Prosa; er wird als Schöpfer des Romans und als Erneuerer des antiken Epos angesehen. Seine Kindheit verbrachte er in Florenz. Bald gab er den Handel auf zugunsten einer Karriere im Recht und anschließend der Pflege der Künste unter der Leitung hervorragender Gelehrter am Hof der Anjou.
Sein Aufenthalt in Neapel inspirierte ihn für die Bühne; die Stimmung vieler Werke erinnert an die Figur der Fiammetta, seine Geliebte, die in vielen seiner Erzeugnisse auftaucht. Erlebte den Schwarzen Tod in den Jahren 1350–1355.
Decameron — Sammlung von Novellen
Decameron ist eine Sammlung von Erzählungen, aufgeteilt in zehn Tage, wobei an jedem Tag zehn Geschichten vorgetragen werden. Jede Geschichte wird durch einen Prolog eingeleitet. Die Rahmenhandlung begründet die Auswahl der Erzähler: Wegen der Verwüstungen der Pest zieht sich eine Gruppe von Privatpersonen — sieben Damen und drei Herren — aufs Land zurück, um dort der Ablenkung und der Erholung willen Geschichten zu erzählen.
Jeden Tag wird ein Regisseur (ein Erzähler) bestimmt, der die Themen und die Regeln für die zu erzählenden Geschichten verkündet. Das Werk ist voller vieler Bezüge zu Figuren und Volksbräuchen und gilt als eine wahre "humane Komödie" des Mittelalters.
Erzählung: Alibech
Alibech ist die Hauptfigur einer der Geschichten. Die Erzählung stellt sie als vierzehnjährige Jungfrau und von schönem Aussehen dar. Sie ist in der ganzen Geschichte die einzige wirklich Unschuldige; das Bewusstsein der Sünde wird ihr nicht vermittelt. Das Mädchen macht sich auf die Suche nach Gott, ohne zu wissen, welchen Weg es einschlagen soll.
Hardy (als Figur benannt) täuscht sie und bewirkt, dass Alibech genau das Gegenteil dessen übernimmt, was sie eigentlich anstrebte. Alle Beteiligten erscheinen als unschuldig. Ein Mann, den die Erzählung als Ehemann Alibechs nennt, nutzt ihre Jugend und Unschuld, doch sein Motiv ist mehr Reichtum als Liebe. Die Eltern Alibechs sterben, und sie erbt ihren Nachlass.
In der Folge sind zwei Eremiten (Anachoreten) beteiligt; nachdem der erste sich als unfähig erweist, ohne Sünde zu leben, wird Alibech zu einem anderen geschickt, der angeblich besser im Verzicht geübt ist. Rustico, der Eremit, scheint fähiger, doch auch er fällt der Versuchung zum Opfer. Er nutzt Alibechs Unwissenheit zu seinem Vorteil.
Räumlich lässt sich die Geschichte in zwei Bereiche gliedern: die Stadt Capsa, wo Alibech bekannt ist und die Zivilisation repräsentiert, und die Wüste, in der Hardy (paradoxerweise) einen Namen und eine Umwelt hat. Die Wüste steht für das Unzivilisierte, also das Rustikale. Die Zeit verläuft wie ein Zyklus: Beginn in Capsa, durch die Wüste und zurück nach Capsa nach dem Tod von Alibechs Eltern. Alibech verlässt ihre Unschuld, und durch die Erfahrungen mit Freunden und Begegnungen wird sie der Realität begegnen. Durch die Konfrontation mit Tod und Sexualität wird sie zum Erwachsenen, ohne dass ihr bewusst ist, was Gott wirklich ist; sie kennt jedoch die fleischlichen Begierden. Sie glaubt, bekommen zu haben, was sie wollte — und bleibt dennoch in gewisser Weise schuldig.
Das Thema ist vor allem der Übergang zum Erwachsenwerden: vom Unwissen zum Wissen, Konfrontation mit Tod und Sexualität. Boccaccio kritisiert dabei die katholische Kirche seiner Zeit, die Frauen oft von Natur aus als sündig ansah; Boccaccio zeigt jedoch eher die Gier und die menschlichen Schwächen.
Sprache: Die Sprache ist einfach, aber sehr elegant. Boccaccio braucht keine obszöne Ausdrucksweise, um die Vorgänge zu zeigen.
Hühnermehl — Figuren und Handlung
Hühnermehl (Originaltitel möglicherweise anders) nennt folgende Figuren: den Markgrafen von Monferrato und die Marquise; ihr Ehemann ist ein Mann, dessen Anwesenheit bewirkt, dass die Marquise zur Rede des Höflings des Königs wird.
Hofmann: Der Hofmann berichtet dem König von der Marquise. König Philipp, genannt "der Einäugige", interessiert sich für die Marquise und versucht, sie zu verführen. Trotz seiner Bemühungen zieht er weiter auf seinem Weg nach Genua; seine Versuche sind nutzlos.
Die Marquise ist eine schöne Frau, in die sich der König verliebt. Mit Witz und Klugheit wehrt sie sich, bleibt ihrem Mann treu und weicht den Annäherungen des Königs aus.
Räumlich treten drei Orte in der Erzählung auf: erstens der Königshof, wo der Marquise ihr gutes Aussehen und ihren Charakter zugeschrieben werden; zweitens das Heim der Marquise, das ein zentraler Teil der Handlung ist und in dem sie dem König durch kluge Worte und Taten Chancen verwehrt; drittens Genua, ein Ort, zu dem der König angeblich reist und der als Vorwand dient, die Marquise zu besuchen.
Thema: Boccaccio zeigt, wie Frauen jener Zeit oft als niemals fähig dargestellt wurden, Liebe zu einer Person höheren Ranges zu empfinden; die Erzählung thematisiert Treue, gesellschaftlichen Rang und die Macht der Verführung.
e 'Spejo — Figuren und Raum
e 'Spejo ("Der Spiegel") handelt von Fresco da Cholat: Der Onkel des Protagonisten ist der Nörgler, der sich an der Arroganz seiner Nichte stört und ihre Kritik nicht erträgt. Ciesca, die Nichte Frescos, zeigt sich stolz und unfreundlich.
Räume: Die Geschichte spielt hauptsächlich im Hause von Fresco, angeblich an einem Ort, dessen Name nicht genannt wird; es gibt auch eine Festgesellschaft, die nicht näher benannt wird.
Handlung: Die Nichte schläft wiederholt ein, weil es ihr langweilig ist, und wird in das Haus ihres Onkels zurückgeschickt, nachdem sie getadelt wurde.
Thema: Boccaccio erzählt hier, wie töricht diejenigen sind, die sich für größer halten, als sie sind. Der Titel bezieht sich auf den Spiegel: Er zeigt die Realität, und so ist der Spiegel kein nutzloses Objekt, sondern ein Mittel zur Selbsterkenntnis.
Charaktere und Motive (Zusammenfassung)
- Hauptmotive: Übergang zum Erwachsensein, Sex, Tod, Kritik an kirchlichen Moralvorstellungen
- Wiederkehrende Figuren: Alibech, Rustico, die Marquise, König Philipp, Fresco, Ciesca
- Räume: Stadt vs. Wüste, Hof, Privathaushalt, Genua
- Stil: Einfache, elegante Sprache; oft ironisch und sozialkritisch
Hinweis: Die vorliegenden Texte enthalten Namens- und Übertragungsvarianten; in einigen Fällen entsprechen Begriffe dem überlieferten, teilweise schwer übersetzbaren Wortlaut. Inhalt und Figuren wurden sprachlich und grammatisch korrigiert, ohne Textteile zu entfernen.