Glaube und Vernunft: Anthropologie, Ethik und Politik (Augustinus)
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Hauptdenkrichtungen – Glaube und Vernunft 2.1
Es gibt nur eine Wahrheit; das Wichtigste im Leben des Menschen ist, diese Wahrheit zu erreichen. Es soll geprüft werden, ob die Wahrheit (Gott) durch die Vernunft erreicht werden kann, nicht nur durch den reinen Glauben. Glaube und Vernunft können ergänzende Elemente sein, sind aber nicht zwangsläufig identisch. Grundsätzlich stehen Philosophie und Glaube (Theologie) in Beziehung zueinander.
Die beiden Konzepte wirken gemeinsam in einer zirkulären Weise: Man ist nicht automatisch nur ein vernünftiger Mensch oder nur ein Christ. Die Vernunft ebnet den Weg für den Glauben, und der Glaube ist das Licht, das die Vernunft führt (als Voraussetzung für das Verstehen). Gemeinsam entdecken sie die Wahrheit. Vernunft und Glaube: Dieser Ansatz bleibt auch in Gedanken an alle LAEDA-Medien relevant.
Die Existenz Gottes
Wenn es Wahrheit gibt und Gott ihr Fundament ist, dann existiert Gott. Wahrheiten sind unveränderlich und ewig und können nur von einem unveränderlichen Wesen hervorgebracht werden (Gott allein). Hier besteht eine Beziehung zur Welt der Ideen bei Platon.
Körper und Seele — Anthropologie
Es gilt ein dualistisches Modell: Der Mensch ist in seinem Wesen Seele und besitzt einen sterblichen, irdischen Körper. Nach der Lehre von der Erbsünde benötigt der Mensch äußere Unterstützung; sein Wille ist beschädigt und bedarf der Gnade. Das Böse resultiert aus dieser Beschädigung und steht damit gegen sokratische Moralvorstellungen.
Die Seele wird als rationale und unsterbliche Substanz verstanden.
Erkenntnis und Wahrheit
Die Wahrheit bringt das wahre Glück des Menschen. Skeptiker können an allem zweifeln; dennoch gibt es Anzeichen für Gewissheit (später klarer Einfluss von Descartes). Der Mensch kann die Wahrheit erkennen. Im Bereich des Wissens werden drei Ebenen unterschieden:
- Sinnliche Erkenntnis: Die Sinne nehmen Objekte und ihre Modifikationen wahr. Die sinnliche Erkenntnis liefert jedoch kein wahres, vollständiges Wissen (sie ist mangelhaft und irreführbar).
- Rationale Erkenntnis: Sie fällt Urteile über Objekte und vergleicht sie mit ewigen Modellen, den Ideen (platonischer Einfluss), unter der Annahme göttlicher Beleuchtung.
- Kontemplation: Sie bedeutet, die ewigen Ideen unmittelbar zu schauen, ohne Vermittlung durch Gefühle oder bloße Urteile. Sie wird durch Erleuchtung erreicht und führt zu objektivem Wissen und wahrer Weisheit. Die Wahrheit wird nicht allein durch sinnliche Erfahrung erreicht.
Innerlichkeit
Der Ausgangspunkt für die Suche nach der Wahrheit liegt im Menschen; man muss nach innen schauen. In der eigenen Natur zeigt sich eine Instabilität; die Sinne sind nicht unbedingt verlässlich. Die ewigen Wahrheiten werden durch die Erleuchtung Gottes entdeckt.
Ethik
Der Zweck des Lebens ist das Glück, welches der Mensch in Gott und in der Teilnahme am Göttlichen findet (eudaimonismus augustinischer Prägung). Christliche Moral ordnet das menschliche Streben auf dieses Ziel aus. Die Fähigkeit des Menschen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und zu wählen, ist zwar natürlicher Herkunft, doch um das Böse zu überwinden, braucht er äußere Hilfe: die Gnade. Diese Gnade schenkt die wahre Freiheit, Mensch zu sein. Der Mensch trägt etwas in sich, das größer ist als er selbst.
Das Böse
Das Böse wird verstanden als Entzug oder Mangel des Guten (Privation). Gott schafft die Dinge gut, doch diese Schöpfungen sind begrenzt (Gott selbst ist absolut gut). Das Böse ist eine Entziehung des Guten. Kritik richtet sich gegen manichäische Vorstellungen und simplen griechischen Dualismus: Die von Gott geschaffenen Dinge sind gut, wenn auch begrenzt. Es gibt keine unabhängigen bösen Wesenheiten; das Böse tritt auf, wenn der Mensch seine Freiheit missbraucht.
Politik
Der Staat verkörpert Gerechtigkeit insbesondere dann, wenn er christlich ausgerichtet ist. Das Christentum formt Menschen zu guten Bürgern; eine Gesellschaft gilt als vollkommen, wenn sie auf den Prinzipien der Kirche beruht. Es muss eine Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat geben. Die Macht des Papstes soll vor der weltlichen Macht bestehen. Diese politische Theorie wurde besonders im Mittelalter deutlich.
Die Stadt Gottes (City of God) ist sein wichtigstes Werk. Er entfaltet die Geschichte der Menschheit als Kampf zwischen zwei Städten: dem Guten, vertreten durch Gott, und dem Irdischen bzw. Bösen. Diese beiden Alternativen repräsentieren zwei Verhaltensweisen, zwei Haltungen (Fleisch und Geist) und führen zurück auf platonischen Dualismus.