Glaube und Vernunft in der mittelalterlichen Philosophie

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Das Verhältnis von Glaube und Vernunft bei Augustinus

Für Augustinus von Hippo sind sowohl der Glaube als auch die Vernunft notwendig, um die christliche Wahrheit zu erreichen, welche die einzige Wahrheit darstellt. Diese Zusammenarbeit zwischen Glaube und Vernunft wird in dem Satz ausgedrückt: „Ich verstehe, um zu glauben; ich glaube, um zu verstehen“ (credo ut intelligam, intellego ut credam). Die Vernunft hilft bei der Annahme des Glaubens, und dieser Prozess muss auf einem rationalen Diskurs beruhen. Der Glaube wiederum hilft dabei, den Grund zu verstehen, und ebnet den Weg für die Weisheit, die aus diesem Glauben entspringt.

Thomas von Aquin: Harmonie von Glaube und Vernunft

Thomas von Aquin sagt, dass der Glaube die Vernunft nicht aufhebt, sondern sie ergänzt. Es handelt sich um zwei verschiedene Dinge, die nicht im Konflikt stehen. Thomas spricht der Vernunft keine vollständige Autonomie zu, da sie stets im Bezug zum Glauben steht. Glaube und Vernunft sind verschiedene Aspekte: Die Vernunft ist die Kraft des menschlichen Geistes zum Verständnis, während der Glaube die Akzeptanz der von Gott geoffenbarten Wahrheiten darstellt. Glaube und Vernunft widersprechen sich nicht, da der Glaube alle von Gott geoffenbarten Wahrheiten umfasst und die Vernunft eine von Gott geschaffene Fähigkeit der Seele ist.

Wilhelm von Ockham: Die Trennung der Sphären

Wilhelm von Ockham vertritt die Ansicht, dass Glaube und Vernunft aus unterschiedlichen Quellen stammen und unterschiedliche Zwecke verfolgen. Nach Ockham gibt es im Menschen zwei Kräfte:

  • Der Glaube: Ein freiwilliger Akt, der für diejenigen gilt, die glauben.
  • Die Vernunft: Diese betrachtet ausschließlich die Beweise der rationalen Argumentation.

Die Existenz Gottes in der Scholastik

Thomas von Aquin: Die Gottesbeweise

Für Thomas von Aquin ist die Existenz Gottes nicht a priori klar. Er unterscheidet zwei Aspekte:

  1. Die bloße Vorstellung von Gott.
  2. Die Tatsache, dass Gott in der Realität existiert.

Thomas führt folgende Argumente an: Während ein A-priori-Beweis die Existenz Gottes aus seinem eigenen Wesen ableiten möchte, zeigt Thomas, dass die Existenz durch die Erfahrung (a posteriori) bewiesen werden muss. Dies sind die Argumente, die Thomas in seinen berühmten fünf Wegen (Quinque viae) darlegt.

Ockhams Skepsis gegenüber rationalen Beweisen

Ockham sagte, dass die Existenz Gottes nicht allein durch Vernunft und Beobachtung nachgewiesen werden kann. Die Vernunft lässt uns lediglich die genaue Ursache eines jeden Phänomens erkennen. Er argumentiert zudem, dass die Existenz der Seele vom rationalen Standpunkt aus nicht nachweisbar ist. Wenn man nicht bereits a priori glaubt, würde man auch durch eine nachträgliche (a posteriori) Betrachtung nicht zum Glauben finden.

Augustinus: Gott als Ziel des Menschen

Für Augustinus ist Gott das Ende (das Ziel) des Menschen. Der Mensch ist mit den Dingen dieser Welt nicht zufrieden, weil er zu einer perfekten Wirklichkeit neigt. Daher existiert Gott, und wir haben bereits vorab ein Wissen um seine Existenz.

Die drei Thesen des Averroismus

Die drei zentralen Thesen des Averroismus sind:

  1. Ewigkeit der Welt: Die Welt ist ewig und wurde nicht (im zeitlichen Sinne) erschaffen.
  2. Einheit des Intellekts: Die individuelle Seele jedes Menschen ist sterblich; unsterblich ist nur das universelle Verständnis (der aktive Intellekt).
  3. Doppelte Wahrheit: Es gibt eine theologische Wahrheit (geschaffene Welt und unsterbliche Seele) und eine philosophische Wahrheit (ewige Welt und sterbliche Seele), die nebeneinander bestehen können.

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