Glaubwürdigkeit von Kinderaussagen bei Missbrauch bewerten
Eingeordnet in Lehre und Ausbildung
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,89 KB
Zwei Aspekte der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen
Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen, insbesondere von Kindern, stützt sich auf zwei zentrale Aspekte:
- Glaubwürdigkeit: Bezieht sich darauf, ob aus der Erzählung des Kindes und anderen Beweismitteln geschlossen werden kann, dass der geschilderte Missbrauch tatsächlich stattgefunden hat.
- Gültigkeit: Bezieht sich auf die Genauigkeit der Details des Missbrauchs. Sie bewertet, inwieweit die Berichte des Kindes dem tatsächlich Erlebten entsprechen und in welchem Maße äußere Einflüsse die Erinnerungen beeinflusst haben könnten.
Faktoren, die die Genauigkeit der Erinnerung beeinflussen
Der Grad der Genauigkeit der Erinnerung eines Kindes hängt von vielen Faktoren ab:
- Die seit dem Ereignis vergangene Zeit.
- Die Anzahl der Befragungen, denen es ausgesetzt war.
- Der Grad der Suggestibilität bei den gestellten Fragen.
- Die verschiedenen befragenden Stellen (Polizei, Justiz, Gesundheitswesen, Bildung, soziale Dienste).
- Emotionale und motivationale Faktoren (z. B. der Wunsch, der befragenden Person zu gefallen).
- Die bewusste oder unbewusste Voreingenommenheit der Fachleute, die das Kind befragen.
Die Zulassung der Aussage eines Kindes vor Gericht hängt ebenfalls von mehreren Faktoren ab, darunter:
- Die Fähigkeit des Kindes, die Aussage korrekt zu machen.
- Eine dem Alter angemessene Sprachentwicklung.
- Die mögliche Manipulation der Zeugenaussage.
Kriterien zur Gültigkeit der Aussage eines Kindes
Beschreibung und Details des Missbrauchs
- Genaue und wiederholte Angaben in einer oder mehreren Erzählungen.
- Sexuelles Wissen, das über dem für das Alter oder den Entwicklungsstand erwarteten Niveau liegt.
- Ausführliche Beschreibung des sexuellen Verhaltens in einer zusammenhängenden Sequenz.
- Die Beschreibung erklärt eine Progression im Verhalten des Täters.
- Konsistenz der Geschichte mit der Perspektive und den altersgemäßen Merkmalen des Kindes.
- Beständigkeit der Aussage ohne Widerruf.
Kontext des Missbrauchs
- Wann und wo es geschah.
- Wo sich andere Familienmitglieder befanden.
- Was der Täter sagte, um das Kind anzulocken.
- Welche Kleidung Täter und Opfer trugen.
- Ob der Täter dem Kind sagte, es niemandem zu erzählen.
- Ob der Täter das Opfer körperlich oder verbal bedrohte.
- Ob Gewalt oder andere Formen von Zwang angewendet wurden.
- Ob es sich eher um eine Verführung handelte.
- Ob das Kind mit jemandem über den Missbrauch gesprochen hat, mit wem und was es sagte.
- Häufigkeit und Dauer des Missbrauchs.
Emotionale Kongruenz
- Gefühle, die mit den geschilderten Fakten übereinstimmen.
- Zurückhaltung bei der Offenlegung des Missbrauchs.
- Gefühle von Scham, Wut, Angst, Ärger und Unbehagen.
Weitere inhaltliche Kriterien
- Spontaneität in der Erzählung.
- Beibehaltung des Inhalts der Geschichte über die Zeit und gegenüber verschiedenen Personen.
- Berichte über Missbrauch im vorpubertären Alter.
- Beschreibung von physischen Auswirkungen.
- Schilderung von sexueller Erregung oder Angst.
Zusätzliche Informationsquellen
Zur Untermauerung der Aussage können weitere Quellen herangezogen werden:
- Geständnis des Täters.
- Medizinische Beweise.
- Andere Beweismittel am Tatort (z. B. pornografisches Material, Kondome).
- Aussagen von Augenzeugen.
- Vorhandensein von Verhaltensindikatoren beim Kind.
Bewertung der Glaubwürdigkeit von Missbrauchsvorwürfen
Basierend auf den Aussagen des Kindes und anderen Quellen entscheiden Fachleute, ob ein Missbrauch stattgefunden hat und ob die Daten damit übereinstimmen. Kriterien zur Bewertung der Gültigkeit sind:
- Vorhandensein medizinischer Beweise.
- Unangemessenes sexuelles Wissen für das Alter des Kindes.
- Zeitliche Konsistenz in der Erzählung des Kindes.
- Zeigen von sexualisiertem Spielverhalten.
- Einbeziehung von Elementen des Drucks und Zwangs in der Beschreibung.
- Zeigen von frühreifem oder scheinbar verführerischem Sexualverhalten.
- Übermäßige Masturbation durch das Kind.
Körperliche Symptome und Indikatoren
Die häufigsten Läsionen und/oder physischen Indikatoren sind:
- Verletzungen im Genital- oder Rektalbereich.
- Abnorme Erweiterung der Harnröhren-, Vaginal- und/oder Rektalöffnung.
- Sperma im Genitalbereich.
- Wunden an Brust, Gesäß, Schambein usw.
- Fremdkörper in Genital-, Rektal- und/oder Harnröhrenöffnungen.
- Schwangerschaft oder sexuell übertragbare Krankheiten.