Glossar philosophischer und wissenschaftlicher Begriffe
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Habit (Gewohnheit)
Habit (aus dem Lateinischen „Habitus“) bezeichnet in der Regel eine durch Übung erworbene Prädisposition, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Nach der aristotelischen Ethik sind Tugenden und Laster Gewohnheiten, die jeweils zwischen zwei Extremen (Lastern) liegen. Obwohl eine Gewohnheit durch die Wiederholung eines Verhaltens erworben wird, wird sie schließlich zu einem dauerhaften Besitz der Person, die sie erworben hat, und beeinflusst ihr Verhalten unmittelbar.
Hedonismus (Freude als höchstes Gut)
Hedonismus (griechisch „hedone“, Freude) ist eine moralische Theorie, die das Gute mit Freude identifiziert. Sie wird in der Regel mit der Position Epikurs von Samos und seiner Schule verbunden. Die Identifikation des Guten mit der Freude wurde zuvor auch von Aristipp von Kyrene, einem Schüler des Sokrates und Begründer der Schule von Kyrene, vertreten. Dennoch bezieht sich der Begriff Hedonismus oft auf die moralische Theorie Epikurs, nach der Glück durch das Erreichen stabiler Freuden erlangt wird. Obwohl jede Freude von Natur aus gut ist, erfordert das Streben nach Glück eine rationale Berechnung darüber, welche Freuden tatsächlich wünschenswert sind.
Hermeneutik (Interpretation und Verständnis)
Hermeneutik (griechisch „hermeneia“, Übersetzung, Interpretation). Der Begriff „Hermeneutik“ wurde bisher hauptsächlich im Zusammenhang mit der biblischen Exegese verwendet. Heute bezieht er sich häufiger auf eine philosophische Methode, die in den Geisteswissenschaften vorgeschlagen wird. Sie dient dem Verständnis menschlichen Handelns in seinem historischen und sozialen Kontext, außerhalb dessen es seine Bedeutung verlieren würde. Gleichzeitig weist dieses Modell auf die Schwierigkeit dieser Aufgabe hin, indem es die Heterogenität zwischen der Bedeutung aufzeigt, die für den Forschenden (geprägt durch Glauben, Traditionen, Vorurteile und Werte) und für den untersuchten Zeitraum „gleich“ ist.
Heteronomie (Abhängigkeit von externen Normen)
Heteronomie (griechisch „heteronomos“, abhängig von anderen). Der Begriff wird bevorzugt im Bereich der Ethik verwendet, um eine empirische oder externe Quelle moralischer Normen oder Vorschriften zu bezeichnen, die das Handeln des Subjekts regeln. Individuelles Verhalten wird demnach nicht durch das eigene Gewissen, sondern durch etwas Fremdes bestimmt, was den Verzicht auf eine moralische Handlung bedeutet, die sich auf sich selbst bezieht. Der Begriff wurde von Kant im Gegensatz zur Autonomie verwendet.
Heuristik (Verfahren zur Entdeckung)
Heuristik (griechisch „heurísko“, finden, erfinden) ist der Begriff, mit dem Verfahren oder Methoden bezeichnet werden, die zur Untersuchung oder Entdeckung von etwas verwendet werden.
Hylemorphismus (Materie und Form)
Hylemorphismus (zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern „hyle“ – Materie, etymologisch: Wald, Holz, Baustoffe – und „morphē“ – Form) bezeichnet die aristotelische Lehre von der Substanz. Demnach setzt sich die Substanz aus Materie und Form zusammen und bildet eine unauflösliche Einheit. Materie und Form können also nicht getrennt werden, außer gedanklich. Nach dieser Lehre können weder Materie noch Form eine unabhängige oder getrennte Existenz haben.
Hylozoismus (Materie als lebendig)
Hylozoismus (zusammengesetzt aus den griechischen Wörtern „hyle“ – Materie, etymologisch: Wald, Holz, Baustoffe – und „zoē“ – Leben) bezeichnet die Lehre, dass Materie mit Leben und der Fähigkeit zum spontanen Handeln ausgestattet ist. Demnach ist keine äußere Lebenskraft notwendig, um das Phänomen des Lebens in der Materie zu erklären.
Hypothese (Vorläufige Annahme)
Eine Hypothese ist eine vorläufige Annahme, die eine Tatsache in den empirischen Wissenschaften oder die Begründung eines mathematischen oder logischen Satzes in den formalen Wissenschaften erklären soll.
Hypothetisch (Bedingt, auf Annahme)
Hypothetisch bedeutet, dass etwas an eine Bedingung geknüpft ist oder auf einer Annahme beruht.
Historismus (Denkschule des 19. Jahrhunderts)
Der Historismus ist eine Denkschule, die im späten 19. Jahrhundert in Deutschland entstand, maßgeblich durch das Werk von Wilhelm Dilthey geprägt. Er basiert auf Diltheys Unterscheidung zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften und dem ontologischen Unterschied zwischen der natürlichen und der historischen Welt. Letztere betrachtete er als Ergebnis der einzigartigen und einmaligen Wirkung des Menschen. Die Tatsachen, die aus solchem Handeln resultieren, sind an den Kontext gebunden, in dem sie stehen, und die Beziehung zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind die einzigen Elemente, die ein Verständnis ermöglichen können.
Holismus (Das Ganze ist mehr als die Summe)
Holismus (aus dem Griechischen „holos“, ganz, vollständig). Holismus ist eine methodische und erkenntnistheoretische Position, nach der ein Organismus nicht als die Summe seiner Teile, sondern als ein organisiertes Ganzes untersucht werden muss. Das „Ganze“ kann dabei seine „Teile“ unterscheiden und verstehen, und nicht umgekehrt.
Homöomerien (Anaxagoras' Teilchen)
Homöomerien (griechisch „homoiomereiai“, Teilchen). Aristoteles berichtet, dass für Anaxagoras von Klazomenai die Realität aus unzähligen (unendlich kleinen) Teilchen besteht. Anaxagoras nannte diese Homöomerien „Spermata“ (Samen). Sie unterscheiden sich qualitativ voneinander, da sie Partikel aller Dinge enthalten: Blut, Holz, Gold usw.