Glossar: Wichtige Begriffe der Literaturtheorie & Rhetorik
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Konzepte der Rhetorik und Literaturtheorie
Metrik
Alexandrine
Der Alexandriner ist ein 14-silbiger Vers, der aus zwei siebensilbigen Halbversen (Hemistichien) mit einer festen Zäsur in der Mitte besteht. Charakteristisch ist ein betonter Akzent auf der sechsten und der dreizehnten Silbe. Er war eine weit verbreitete Versform, insbesondere in der Dichtung des Mester de Clerecía. Zwischen den beiden Halbversen ist eine Synalöphe (Verschleifung von Silben) nicht zulässig.
Hemistich
Ein Hemistich (Halbvers) ist jeder der beiden Teile, in die eine Zäsur einen Vers unterteilt.
Zäsur
Die Zäsur ist in der antiken griechischen und lateinischen Dichtung das Ende eines Wortes innerhalb eines Versfußes. In der modernen Dichtung bezeichnet sie einen metrischen Einschnitt innerhalb eines Verses, der ihn in zwei Halbverse (Hemistichien) teilt.
Elegisches Distichon
Das elegische Distichon ist eine klassische Strophenform, die aus zwei Versen besteht: einem Hexameter und einem Pentameter. Diese Metrik war in der griechisch-römischen Dichtung sehr verbreitet.
Hexameter
Der Hexameter ist ein Versmaß aus der griechischen und lateinischen Dichtung, das aus sechs Versfüßen (Metren) besteht. Diese Füße sind typischerweise Daktylen (eine lange, gefolgt von zwei kurzen Silben) oder Spondeen (zwei lange Silben).
Enjambement
Ein Enjambement (Zeilensprung) liegt vor, wenn eine syntaktische Einheit, wie ein Satz oder Teilsatz, nicht am Versende endet, sondern im folgenden Vers fortgesetzt wird.
Literarische Strömungen
Dolce Stil Novo
Der toskanische Ausdruck Dolce Stil Novo („Süßer neuer Stil“) wurde von Francesco de Sanctis im 19. Jahrhundert geprägt, um eine Gruppe italienischer Dichter der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu bezeichnen. Zu dieser Gruppe gehörten:
- Guido Guinizelli
- Guido Cavalcanti
- Dante Alighieri
- Lapo Gianni
- Cino da Pistoia
- Gianni Alfani
- Dino Frescobaldi
Der Ausdruck selbst stammt aus Dantes Göttlicher Komödie (Purgatorio, XXIV, Vers 57: „Di qua dal dolce stil novo ch’i’ odo“), wo der Dichter Bonagiunta da Lucca Dantes Werk von der älteren Troubadourlyrik abgrenzt.
Rhetorik
Allegorie
Die Allegorie ist eine rhetorische Figur oder ein künstlerisches Stilmittel, bei dem ein abstrakter Begriff oder Gedanke durch ein konkretes Bild, oft in Form einer Person (Personifikation), eines Tieres oder eines Gegenstandes, dargestellt wird. Als eindrucksvolles Mittel wurde sie seit der Antike, vom pharaonischen Ägypten über das antike Griechenland und Rom bis ins Mittelalter und den Barock, sowohl in religiösen als auch in weltlichen Kontexten ausgiebig verwendet.
Alliteration
Die Alliteration ist eine rhetorische Figur, die einen Klangeffekt durch die wiederholte Verwendung desselben oder eines ähnlichen Anlauts bei aufeinanderfolgenden Wörtern erzeugt (z. B. „Milch macht müde Männer munter“). Alliterationen können Bilder hervorrufen, die mit den Sinnen in Verbindung stehen.
Anapher
Die Anapher (von griechisch anaphorá, „Rückbeziehung“, „Aufgreifen“) ist eine rhetorische Figur, die durch die Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang aufeinanderfolgender Verse, Strophen oder Sätze gekennzeichnet ist.
Epitheton
Ein Epitheton ist ein Beiwort oder Adjektiv, das eine charakteristische Eigenschaft einer Person oder Sache hervorhebt, oft ohne für das Verständnis notwendig zu sein (z. B. „der listenreiche Odysseus“).
Hyperbaton
Das Hyperbaton ist eine rhetorische Figur, bei der die übliche syntaktische Wortstellung eines Satzes verändert wird, um bestimmte Teile hervorzuheben oder einen kunstvollen Effekt zu erzielen (z. B. „Den Mann, den sah ich nicht.“).
Metonymie
Die Metonymie ist eine rhetorische Figur, bei der ein Wort oder Ausdruck durch einen anderen ersetzt wird, der in einer realen Beziehung zu ihm steht. Beispiele sind die Ursache für die Wirkung („sich seinen Lebensunterhalt verdienen“), das Konkrete für das Abstrakte („der Thron“ für die Monarchie) oder das Werkzeug für die Person („eine der besten Federn des Landes“ für einen Schriftsteller).
Metapher
Die Metapher (von griechisch metá, „über“, und phérein, „tragen“) ist eine rhetorische Figur, bei der ein Wort oder eine Wortgruppe aus ihrem üblichen Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen wird, um eine bildliche Vorstellung zu erzeugen, ohne einen direkten Vergleich (wie bei „wie“) zu verwenden.
Oxymoron
Ein Oxymoron ist eine rhetorische Figur, die zwei sich widersprechende Begriffe in einem einzigen Ausdruck verbindet (z. B. „beredtes Schweigen“ oder „bittersüß“). Da die wörtliche Bedeutung oft absurd erscheint (z. B. „ein ewiger Augenblick“), wird der Leser gezwungen, eine metaphorische Bedeutung zu suchen (in diesem Fall: ein Moment, dessen Intensität das Zeitgefühl aufhebt).
Personifikation
Die Personifikation (oder Prosopopöie) ist eine rhetorische Figur, bei der Tieren, Pflanzen, unbelebten Dingen oder abstrakten Ideen menschliche Eigenschaften und Verhaltensweisen zugeschrieben werden. Sie ist ein weit verbreitetes Mittel in Fabeln und Märchen und gehört zu den Figuren der Fiktion.
Synästhesie
Die Synästhesie ist eine rhetorische Figur, bei der verschiedene Sinneswahrnehmungen miteinander verbunden werden (z. B. „süßer Klang“ oder „schreiende Farben“).
Erzähltheorie und literarische Konzepte
Analepse
Eine Analepse ist eine Rückblende, die die chronologische Reihenfolge einer Erzählung durchbricht, um auf frühere Ereignisse zu verweisen.
Prolepse
Die Prolepse ist ein Voraussprung oder eine Vorausdeutung in einer Erzählung, die zukünftige Ereignisse vorwegnimmt.
Flashback
Ein Flashback ist eine plötzliche, oft kurze Unterbrechung der chronologischen Erzählung, um ein vergangenes Ereignis einzufügen. Der Begriff wird oft synonym mit Analepse verwendet.
Katharsis
Die Katharsis (griechisch für „Reinigung“) ist nach Aristoteles die seelische Reinigung des Zuschauers, die durch das Durchleben von Mitleid (Eleos) und Furcht (Phobos) beim Betrachten einer Tragödie bewirkt wird.
Mimesis
Die Mimesis bezeichnet in der klassischen Ästhetik die Nachahmung der Wirklichkeit als grundlegendes Prinzip der Kunst.
Diegese
Die Diegese bezeichnet die erzählte Welt einer Geschichte, einschließlich aller Ereignisse, Charaktere und Schauplätze, die in ihr existieren.
Poetik des Aristoteles
Die Poetik ist ein Werk des Philosophen Aristoteles, das im 4. Jahrhundert v. Chr. entstand. Ihr Hauptthema ist die ästhetische Reflexion über die Dichtkunst, insbesondere die Charakterisierung und Beschreibung der Tragödie. Ursprünglich bestand das Werk vermutlich aus zwei Teilen: einem ersten Buch über die Tragödie und das Epos, das erhalten ist, und einem zweiten, heute verlorenen Buch über die Komödie und die iambische Dichtung. Die Poetik gehört zu den sogenannten esoterischen Schriften des Aristoteles, die als Vorlesungsnotizen dienten und nicht für eine breite Veröffentlichung bestimmt waren.
Chronotopos
Der Chronotopos (griechisch: chrónos = Zeit und tópos = Ort) ist ein von Michail Bachtin geprägter Begriff, der die unauflösliche Einheit von Zeit und Raum in der Literatur beschreibt. Er bezeichnet die Art und Weise, wie zeitliche und räumliche Verhältnisse in einem literarischen Werk künstlerisch gestaltet und miteinander verknüpft werden, um eine bestimmte Atmosphäre und Wirkung zu erzeugen.
Intertextualität
Unter Intertextualität versteht man im weiten Sinne die Gesamtheit der Beziehungen, die ein Text zu anderen Texten aufweist. Diese Bezüge können vom selben oder von anderen Autoren stammen, aus derselben oder aus früheren Epochen. Sie können explizit (als Zitat oder Anspielung) oder implizit (durch Anlehnung an eine Gattung, eine Formel oder einen Archetyp) sein.
Innerer Monolog
Der innere Monolog (auch als Bewusstseinsstrom oder stream of consciousness bezeichnet) ist eine literarische Technik, die versucht, den ungefilterten Gedanken- und Gefühlsfluss einer Figur direkt wiederzugeben. Oftmals ist dieser Stil schwer zu entziffern, da er durch lange, assoziative Satzketten, den Verzicht auf Satzzeichen, unvollständige Syntax und abrupte Gedankensprünge gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zum geordneten Monolog spiegelt der innere Monolog die chaotische Natur des menschlichen Bewusstseins wider und wird oft verwendet, um verborgene Wünsche oder unterdrückte Gefühle der Charaktere darzustellen.
Rezeptionsästhetik
Die Rezeptionsästhetik ist eine literaturtheoretische Schule, die die Rolle des Lesers und seine Reaktion auf literarische Texte in den Mittelpunkt stellt. Sie untersucht, wie die Bedeutung eines Werkes erst im Akt des Lesens durch den Rezipienten entsteht. Die wichtigsten Theoretiker dieser Richtung, die ab den späten 1960er Jahren vor allem in Deutschland wirkte, sind Hans Robert Jauß und Wolfgang Iser. Die Theorie betont, dass die Interpretation eines Textes stark vom kulturellen Hintergrund und den individuellen Erfahrungen des Lesers abhängt. Daher kann die vom Autor beabsichtigte Bedeutung stark von der tatsächlichen Wirkung auf das Publikum abweichen.