Gounods Faust: Handlung, Musik und Geschichte der Oper

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Die Handlung der Oper Faust von Charles Gounod

Erster Akt: Der Pakt mit Mephisto

In einer Ouvertüre ohne besonderes Interesse am Leben ist das erste Bild das Studium von Dr. Faust, der die Nacht mit Büchern verbrachte, wie viele andere in seinem langen Leben. Aber je mehr er studierte, desto verzweifelter erkennt er, dass es keine Fortschritte bei den großen Fragen der Existenz gibt. In einem Anfall von Melancholie will er Gift nehmen, doch der freudige Gesang der Bauern, die Gott und die Natur loben, hält ihn zurück. Faust beschließt, einen letzten Versuch zu machen: Er ruft den Satan zu Hilfe! Und Satan erscheint in der Tat, beugt sich über ihn und sagt, sein Name sei Mephisto. Faust lehnt zunächst ab, aber er zögert angesichts der eleganten Manieren des Besuchers. Mephisto fragt den Weisen: "Was wollen Sie? Reichtum? Nein. Ruhm? Nein. Macht? Weder noch. Sie wollen etwas, das alle anderen übertrifft: Jugend." Mephisto gibt das Versprechen, fordert aber im Austausch einen Preis: Fausts Seele gehört ihm nach dem Tod. Der Weise zweifelt fortgesetzt, doch dann lässt Mephisto die engelhafte Gestalt einer jungen Frau als fernes Bild erscheinen, um ihn zu locken. Begierig verjüngt sich Faust durch magische Formeln. Und nun: Hinaus, um die Welt zu sehen!

Zweiter Akt: Das Fest und die Begegnung

Im zweiten Akt findet eine fröhliche Feier in der Stadt statt, bei der das Publikum singt und tanzt. Nur Valentin ist ernst; er muss in den Krieg ziehen und sorgt sich um seine jüngere Schwester Margarethe, die er allein zurücklassen muss. Siebel, der sie heimlich liebt, verspricht, bei ihr zu bleiben. Valentin singt eine fröhliche Abschiedsarie, die berühmt geworden ist. Ein geheimnisvoller Besucher unterbricht plötzlich das Lied gegen Valentin. Alle schaudern bei der seltsamen Melodie "Das goldene Kalb", gesungen von Mephisto. Nach dem Ende prophezeit er den frühen Tod von Brander und Valentin und sagt voraus, dass jede Blume, die Siebel berührt, verwelken wird. Er lehnt den angebotenen Wein ab und zaubert stattdessen einen guten Tropfen aus einem leeren Fass. Er bringt einen Trinkspruch auf Margarethes Wohl aus. Valentin, verärgert durch die Erwähnung seiner Schwester, fordert den Fremden heraus. Spottend zerbricht Mephisto dessen Schwert mit magischen Künsten und behindert den Fortschritt der jungen Männer. "Der Teufel!" – ein Schrei des Entsetzens geht durch die Menge. Vor ihm gibt es nur eine Verteidigung: das Kreuz. Mephisto muss vor den Schwertern mit kreuzförmigen Griffen zurückweichen, verspricht aber Rache. Faust erscheint und fordert, dass Mephisto ihn so bald wie möglich zu Margarethe führt. "Es wird nicht leicht sein, ihre Liebe zu gewinnen", entgegnet der Teufel. Die Menschen kehren zum Tanz zurück. Gounod schrieb für diese Szene einen schwindelerregenden Walzer, der sehr populär geworden ist. Faust nähert sich dem Mädchen mit dem Angebot, sie zu begleiten. Margarethe weigert sich verwirrt; sie will nicht als "Fräulein" angesprochen werden. Innerlich geschmeichelt, aber nach außen unzugänglich, geht Margarethe ihren Weg. Faust lässt sie nicht für einen Moment aus den Augen. Margarethe wird von einem zarten Gefühl des Glücks ergriffen, das sie zuvor nie erlebt hat.

Dritter Akt: Die Verführung im Garten

Der dritte Akt spielt im Garten von Margarethes Haus. Siebel hat einen Blumenstrauß gepflückt, doch die Worte Mephistos bewahrheiten sich: Die Blumen welken schnell. Faust und Mephisto erscheinen. Während Mephisto weggeht, um ein glänzenderes Geschenk als Siebels Blumen zu holen, singt Faust eine schöne Arie, die den Eindruck von Keuschheit und Reinheit beschreibt, den er an Margarethes Schwelle empfindet. Mephisto kehrt mit einem Schmuckkästchen zurück, das er an der Tür platziert. Beide ziehen sich zurück. Margarethe kehrt nach Hause zurück, setzt sich ans Spinnrad und singt die alte Ballade vom "König von Thule". Sie unterbricht sich jedoch immer wieder, da die Erinnerung an den jungen Mann ihre Gedanken beschäftigt. Dann entdeckt sie das Kästchen. Trotz Zögerns siegt die Neugierde. Sie legt den Schmuck an und singt die bekannte Juwelenarie. Die Nachbarin Marta kommt herbei und bewundert den Schmuck. Faust und Mephisto kehren zurück. Letzterer lenkt Marta mit der Nachricht vom Tod ihres Mannes ab. Während er sie mit Anekdoten unterhält, nähert sich das junge Paar an, dessen romantische Gefühle immer stärker werden. Nach einem langen, melodischen Liebesduett verabschieden sich Faust und Margarethe. Margarethe betritt ihr Zimmer, dessen Fenster weit offen steht. Sie blickt glücklich zu den Sternen und singt von ihrem Glück. Faust bemerkt sie aus den Büschen, läuft zu ihr und sinkt in ihre offenen Arme. Im nächtlichen Garten erklingt das schreckliche, höhnische Gelächter Mephistos.

Vierter Akt: Valentins Rückkehr und Tod

Faust hat Margarethe, die ein Kind erwartet, verlassen. Sie ist verzweifelt und der Bosheit ihrer Umgebung ausgeliefert. Sie sucht Trost in der Kirche, doch in die heiligen Lieder mischt sich die Stimme Mephistos, bis Margarethe das Bewusstsein verliert. Die Soldaten kehren heim, unter ihnen Valentin. Er hat von der Schande seiner Schwester gehört und verlangt eine Erklärung. Faust und Mephisto erreichen ebenfalls das Haus, wo Mephisto ein Ständchen zur Gitarre singt. Valentin fordert Faust zum Duell heraus. Von Mephisto unterstützt, ersticht Faust den Bruder seiner Geliebten. Die Nachbarn eilen herbei und hören den sterbenden Fluch Valentins gegen seine Schwester.

Fünfter Akt: Walpurgisnacht und Erlösung

Das erste Bild des fünften Aktes beschreibt die Hexenorgien in der Walpurgisnacht. Auf einem felsigen Gipfel im Reich des Mephisto versuchen dämonische Schönheiten, Faust von seinen Erinnerungen abzulenken. Hier folgt ein brillantes Ballett, das in keiner französischen Oper jener Zeit fehlen durfte. Doch Faust kann Margarethe nicht vergessen. Margarethe ist im Gefängnis; sie hat im Wahnsinn ihr Kind getötet. Faust tritt ein, geführt von Mephisto. Margarethe erkennt ihn und erinnert sich an die Melodien ihrer Liebe. Doch als Faust sie mitnehmen will, verfällt sie erneut dem Wahnsinn. Mephisto drängt zum Aufbruch, da der Tag naht. Faust versucht ein letztes Mal, Margarethe zu retten, doch sie stirbt. Mephisto ruft triumphierend: "Gerichtet!", doch himmlische Chöre übertönen ihn mit dem Ruf: "Gerettet!" Ein sanftes Glühen erscheint.

Hintergrund: Quelle, Libretto und Musik

Quelle: Die mittelalterliche Legende von Dr. Faust, einem Gelehrten, der seine Seele dem Teufel verkauft, um die verlorene Jugend zurückzugewinnen und die Lösung der Existenzfragen zu finden, hat zahllose Dichter inspiriert. Goethes Version ist eines der großen Meisterwerke des Abendlandes. Der Stoff hat auch viele Komponisten angezogen, darunter Boito, Berlioz, Spohr sowie modernere wie Busoni und Reutter oder Werke wie "The Rake's Progress" von Strawinsky.

Die dramaturgische Umsetzung

Libretto: Vergleicht man Goethes Werk mit der Bühnenfassung der Autoren, zeigen sich positive Aspekte: eine geschickte Szenenfolge und eine spannende Bildauswahl mit lyrischen Oasen. Bei Gounod ist das Drama eher das einer jungen Kleinbürgerin, das bewegt und begeistert. Der tiefere Sinn des dämonischen Elements ging teilweise verloren (während Boitos Mefistofele näher am Original blieb). Dennoch bietet das Werk hervorragende, dankbare Rollen.

Musikalische Gestaltung und Erfolg

Musik: Gounod entfernte sich von Goethes Drama, dessen Satanskult er musikalisch kaum ausdrückte. Stattdessen schuf er eine große Melodik, eine herrliche Linienführung des Gesangs und eine brillante Orchestertechnik. Viele Teile der Oper sind durch ihre Eingängigkeit sehr populär geworden. Es ist eine effektvolle Musik mit berauschenden Klängen.

Die Entstehungsgeschichte der Oper

Geschichte: Die Entstehung dieser Oper war schwierig, da kurz vor der Fertigstellung ein Melodram zum selben Thema in Paris uraufgeführt wurde. Gounod musste die Arbeit unterbrechen, nahm sie aber später wieder auf. Die Oper wurde am 19. März 1859 am Théâtre Lyrique in Paris uraufgeführt. Das Publikum reagierte zunächst kühl und fand das Werk "zu deutsch". Der weltweite Erfolg begann in Deutschland, wo die Oper unter dem Titel Margarethe bekannt wurde. Zehn Jahre später überarbeitete Gounod das Werk zur Grand Opéra, ersetzte Dialoge durch Rezitative und fügte den Soldatenchor sowie Valentins Gebet hinzu. So wurde sie zum Klassiker der französischen Oper weltweit (USA 1863, Spanien 1864, Argentinien 1866).

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