Goya und Delacroix: Analyse bedeutender Meisterwerke

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Francisco Goya: Die Familie Karls IV.

Formaler Kontext (FC)

  • Name: Die Familie Karls IV.
  • Autor: Francisco Goya
  • Auftraggeber: Im Auftrag von Karl IV.
  • Datum: 1800–1801
  • Relationaler Kontext: Goya widmete sich der Erstellung von Porträts der königlichen Familie; das Werk bezieht sich daher auf andere Porträts.
  • Stil: Spanischer Klassizismus (jedoch mit romantischen Elementen).
  • Ursprünglicher Standort: Königlicher Palast von Madrid.
  • Aktueller Standort: Museo del Prado, Madrid.

Beschreibung (D)

  • Medium: Öl auf Leinwand.
  • Maße: 2,25 m x 3,36 m (Großformat).
  • Kurzbeschreibung: Ein Gemälde, in dem Goya die königliche Familie Karls IV. porträtiert und in dem der Autor selbst ebenfalls erscheint.
  • Trägermaterial: Leinwand.
  • Darstellungsform: Figurativ.

Analyse der Form (AF)

  • Zeichnung und Farbe: Fokus auf Farbe und Zeichnung.
  • Licht: Spiel mit dem Halbschatten (Penumbra). Das Licht ist kühl und natürlich; es fällt von der linken Seite ein und erzeugt eine gewisse Theatralik.
  • Formale Struktur: Symmetrie (Königin), Ordnung und Horizontale. Die Charaktere bilden zusammen ein Rechteck, sind jedoch einzeln vertikal ausgerichtet.
  • Kompositionslinien: Die Personen sind in drei Gruppen zu je vier Personen verteilt. Alle Elemente des Bildes streben zur Mitte hin; es handelt sich um eine zusammengesetzte Einheit.
  • Anatomie und Proportionen: Alle Figuren sind realitätsgetreu proportioniert und weisen eine normale Anatomie auf.
  • Ausdruck: Nur die Kinder zeigen einen freudigen Ausdruck. Goya liefert eine psychologische Studie der Charaktere: Der König wirkt gutmütig (Bonifatius), die Königin hingegen herrschsüchtig (diktatorisch).
  • Zeit: Lang- bis mittelfristig.
  • Farbe: Es herrscht eine Vielfalt an Farben vor. Sie sind kalt, rational und rein. Das Interesse liegt in der Chromatik der Kleider, wobei die Goldtöne der Königin und das Rot des Prinzen hervorgehoben werden.
  • Pinselführung: Einzigartig und kräftig.
  • Bildzentrum: Anstatt den König in die Mitte zu stellen, befindet sich dort die Königin.
  • Ebenen: Ebene 1 umfasst alle Figuren außer Goya, den Sohn und Maria Luisa.
  • Kleidung: Sehr aufwendig und dekorativ. Weiß- und Goldtöne mischen sich mit Rot und Blau.
  • Bewegung: Mangelnde Bewegung (statisch).
  • Rhythmus: Erzeugt durch die Schärpen der Männer.
  • Realismus: Starker Realismus-Effekt.
  • Detailreichtum: Die Frau von Ferdinand VII. ist abgewandt dargestellt, da ihre Identität zum Zeitpunkt der Entstehung nicht bekannt war. Goya erscheint unten links. Hoher Detailgrad bei Schmuck und Kostümen.

Interpretation und Einflüsse (IMCI)

  • Bezug zu anderen Werken: Saturn verschlingt seine Kinder, Die nackte Maja, Die bekleidete Maja.
  • Vergleich mit zeitgenössischen Stilen: Der Schwur der Horatier und Porträts von Napoleon.
  • Stiltiefe: Klarheit der Form, Balance und Einfachheit. Langsame Bewegung, entspannte Haltung und geschlossene Volumina. Die Figuren befinden sich auf derselben Ebene.
  • Innovation: Es ist das erste und letzte Porträt, das er von der gesamten königlichen Familie anfertigte, mit einer innovativen Farbgebung.
  • Einflussfaktoren: Einflüsse von Velázquez (Las Meninas) und Caravaggio (Lichtführung).

Ikonografie und Ikonologie (IIC)

  • Genre: Porträt, historisch.
  • Ikonografischer Log: Ein Kommissionsauftrag der königlichen Familie.
  • Ikonologie: Von links nach rechts: Goya, Infante Carlos María Isidro, der Prinz von Asturien (künftiger Ferdinand VII.), Maria Josefa, Maria Isabel, Maria Luise von Parma, Infant Francisco de Paula, Karl IV., Don Antonio Pascual (Bruder des Königs), Carlota Joaquina (Tochter Karls IV.), Luis de Parma (Herzog von Parma), Maria Luisa de Borbón (Herzogin von Parma) und der Enkel Karl IV. Insgesamt 14 Personen, aufgeteilt in drei Gruppen (links, mitte, rechts).

Funktion und Bedeutung (FIF)

  • Zweck: Propaganda und Dekoration.
  • Zeitbezug: Interesse an klassischen Themen. Goya als Hofmaler in der Zeit der absoluten Monarchie in Europa.
  • Bedeutung: Singularität im Vorgriff auf spätere Stile. Wichtig aufgrund der modernen, expressionistischen und lockeren Pinselführung. Die farblichen Kontraste beeinflussten Impressionisten, Picasso und Delacroix. Ein Vorbote des modernen Expressionismus.

Eugène Delacroix: Die Freiheit führt das Volk

Formaler Kontext (FC)

  • Name: Die Freiheit führt das Volk
  • Autor: Eugène Delacroix
  • Käufer: König Louis-Philippe erwarb das Werk für 3.000 Francs.
  • Datum: 1830
  • Stil: Französische Romantik.
  • Ursprünglicher Standort: Salon.
  • Aktueller Standort: Louvre, Paris.

Beschreibung (D)

  • Medium: Öl auf Leinwand.
  • Maße: 2,60 m x 3,25 m (Großformat).
  • Kurzbeschreibung: Gemälde des Aufstandes in Paris im Jahre 1830. Die Allegorie der Freiheit triumphiert über andere Charaktere aus verschiedenen sozialen Schichten.
  • Trägermaterial: Leinwand.
  • Darstellungsform: Figurativ.

Analyse der Form (AF)

  • Zeichnung und Farbe: Fokus auf Farbe.
  • Licht: Unwirkliches Licht, das die Freiheit mit der Trikolore, den Jungen daneben und die Toten beleuchtet.
  • Komposition: Asymmetrie und Unordnung. Sowohl vertikale (die Frau) als auch horizontale Elemente (Leichen).
  • Kompositionslinien: Pyramidaler Aufbau, der an die Spitze strebt (ähnlich dem Tuch beim Floß der Medusa).
  • Perspektive: Luftperspektive.
  • Anatomie: Realistische Proportionen und Anatomie.
  • Ausdruck: Zeigt pure Energie.
  • Zeit: Kurz- bis mittelfristig.
  • Farbe: Kühle Farben verstärken die Bewegung. Es gibt eine zentrale Linie in Blau und Rot; Ocker- und Grautöne dominieren.
  • Pinselführung: Wellenförmig und von großer Geläufigkeit.
  • Bildzentrum: Die zentrale weibliche Figur als Allegorie der Freiheit.
  • Ebenen: Ebene 1 zeigt die leblosen Körper (Repoussoir-Effekt).
  • Kostüme: Jede Figur ist ihrer sozialen Klasse entsprechend gekleidet. Alle Kleider sind weniger detailliert als die Darstellung der Freiheit/Heimat.
  • Bewegung: Momentaufnahme, die auf den Betrachter zukommt.
  • Realismus: Realismus und Sensualismus (der Betrachter wird emotional bewegt).
  • Sekundäre Details: Bestimmte Gebäude und Kleidungsstücke sind detailliert ausgearbeitet.

Interpretation und Einflüsse (IMCI)

  • Bezug zu anderen Werken des Autors: Das Massaker von Chios, Der Tod des Sardanapal, Dante und Vergil in der Unterwelt.
  • Vergleich mit anderen Werken: Das Floß der Medusa (Stil), Der Mönch am Meer (Stil).
  • Stiltiefe: Vorherrschende Farbe und Bruch mit der klassischen Tradition. Interesse am Kampf; Schönheit ist nicht das primäre Anliegen. Dramatische Lichtbehandlung und Charaktere in instabilen Positionen.
  • Innovation: Erste moderne politische Komposition.
  • Einflussfaktoren: Michelangelo (Terribilità). In Bezug auf die Farbe Einflüsse der Venezianischen Schule und Rubens (überschwängliche Dekoration).

Ikonografie und Ikonologie (CII)

  • Genre: Historienmalerei.
  • Ikonografischer Log: Die Leinwand bezieht sich auf die drei revolutionären Tage (Les Trois Glorieuses), die den Sturz Karls X. verursachten.
  • Ikonologie: In der Mitte die weibliche Figur als Allegorie der Freiheit. Links ein Vertreter der Bourgeoisie und ein Mitglied der Handwerkerschaft (Menestralía), rechts ein Vertreter der Jugend. Die Szene bezieht sich wahrscheinlich auf die entscheidenden Zusammenstöße am 28. Juli 1830.

Funktion und Bedeutung (FIF)

  • Zweck: Ursprünglich Propaganda zur Verteidigung des Vaterlandes, im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Gedenkfunktion (Memorial).
  • Zeitbezug: Ära der bürgerlichen Revolutionen. Bruch mit der klassischen Tradition und Verherrlichung des Nationalismus.
  • Beitrag: Vorläufer von Cézanne in der Farbauffassung. Große Bedeutung für die spätere Malerei.

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