Großmächte der Zwischenkriegszeit: Ein historisches Panorama
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Panorama der Großmächte nach dem Ersten Weltkrieg
Deutschland: Die Weimarer Republik und ihr Scheitern
Das Ende des Krieges bedeutete für Deutschland tiefgreifende politische und soziale Umwälzungen. Die 1918 ausgerufene Republik sah sich ernsthaften Problemen gegenüber:
- Radikalisierung der Positionen: Auf dem linken Flügel erschien unter der Leitung des Spartakusbundes Karl Liebknecht (1871–1919) und Rosa Luxemburg, welche noch im selben Jahr die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gründeten. Auf der populären Ebene wurden Arbeiter- und Soldatenräte nach dem Vorbild der russischen Sowjets gegründet, die vom Spartakusbund unterstützt wurden.
- Separatistische Bewegungen: Diese traten verstärkt im Rheinland und in Bayern auf. Die Sozialdemokraten, die an der Macht waren, erstrebten die Schaffung einer liberal-demokratischen Republik. Mit Hilfe der Armee bemühte sich die Regierung, die Unruhen niederzuschlagen. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden ermordet, die Arbeiterräte verfolgt und separatistische Bewegungen unterdrückt.
Im Jahr 1919, nach der Abdankung des Kaisers im Vorjahr, trat eine verfassunggebende Versammlung in Weimar (1918–1933) zusammen. Dort entstand die Weimarer Verfassung, die ein republikanisches System zwischen Präsidentialismus und Parlamentarismus begründete.
Die neue Republik konnte die extremen Positionen jedoch nicht versöhnen und das Klima der Rache nicht vermeiden. Sie musste sich folgenden Herausforderungen stellen:
- Die Konservativen machten die Armen, Marxisten und Juden für das Elend des Landes verantwortlich.
- Das Militär, von Konservativen unterstützt, versuchte einen (gescheiterten) Putsch.
- Die Arbeiter- und Mittelschichten waren aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehr unzufrieden.
- Nationalisten gründeten die Deutsche Arbeiterpartei, den Ursprung der NSDAP.
- Im Jahre 1923 besetzte Frankreich das Ruhrgebiet.
Ab 1924 verbesserten sich die internationalen Beziehungen Deutschlands. Die Republik nahm unter Präsident Hindenburg eine konservative Wende und erlebte einen Aufschwung, der jedoch durch die Krise von 1929 jäh beendet wurde. Die Situation wurde immer kritischer, was den Aufstieg von Adolf Hitler ermöglichte, der als vermeintlicher „Retter“ des Landes auftrat.
USA: Wirtschaftlicher Aufstieg, Krise und New Deal
Die USA profitierten vom Krieg durch die Eroberung neuer Märkte sowie die Entwicklung der industriellen Produktion und des Versands. Im Jahr 1914 betrug der Überschuss 435 Millionen Dollar, 1917 bereits 3,567 Milliarden Dollar.
- Die Nachkriegskrise und der republikanische Triumph: Nach dem Krieg geriet das Land in eine schwere politische Krise. Die Unzufriedenheit mit Präsident Wilson war weit verbreitet. Kritisiert wurden die Stärkung der Exekutive, die Kontrolle über die Produktion und die exklusive Unterstützung seiner eigenen Partei.
Wie in anderen Ländern lebten die Arbeiterbewegung und die Gewerkschaften wieder auf, um Verbesserungen zu fordern. Ab 1920 begann der langsame Wiederaufbau Europas, während gleichzeitig Kriegsschulden zurückgezahlt wurden. Europa wurde zunehmend autark, was die US-Exporte reduzierte. Dies führte zu erhöhten Lagerbeständen, Firmenschließungen und steigender Arbeitslosigkeit. Diese Umstände verursachten einen Umschwung in der öffentlichen Meinung, der sich im Sieg der Republikaner bei den Präsidentschaftswahlen äußerte.
Die republikanische Ära war gekennzeichnet durch:
- Unterstützung der Hochfinanz durch die Regierung
- Staatlichen Protektionismus
- Beschränkung der Einwanderung
- Unternehmenszusammenschlüsse zur Bekämpfung von Schließungen und Redundanz
Kurzum: In den 1920er-Jahren herrschte ein raffinierter Konservatismus vor.
- Wohlstand und Misserfolg: Der wirtschaftliche Fortschritt der USA war unbestreitbar. Der amerikanische Kapitalismus suchte nach der Krise von 1920 seinen nationalen Markt durch billige Kredite und hohe Gehälter zu entwickeln, um die Kaufkraft der Arbeiter zu stärken (Henry Ford). Es etablierten sich Massenproduktion, Preissenkungen und die Verwaltung großer Unternehmenszusammenschlüsse (Trusts). Doch der scheinbare Wohlstand verbarg gravierende Mängel:
- Die Landwirtschaft war depressiv.
- Arbeitslosigkeit wurde zu einem endemischen Problem.
- Die Finanzen waren hochspekulativ bis zur Krise von 1929.
- Große soziale Gegensätze: Ethnische Minderheiten und Einwanderer wurden zu Opfern.
- Die Ideologie der Ära: Die Mentalität war durch Dogmatismus und Puritanismus geprägt. In dieser Zeit lebten rassistische Gesinnungen und die Aktivitäten des Ku-Klux-Klan wieder auf.
- Der New Deal: Die Reaktion auf die Krise von 1929 erfolgte durch den „New Deal“ unter Roosevelt (1932). Diese interventionistische Wirtschaftspolitik zielte darauf ab, Konsum und Investitionen anzukurbeln. Die Beschäftigung stieg durch ein ehrgeiziges öffentliches Bauprogramm. Ein Arbeitsrecht mit Arbeitslosenhilfe, Mindestlöhnen und maximalen Arbeitszeiten wurde eingeführt. Der Dollar wurde entwertet, um Exporte zu fördern. Die landwirtschaftliche und industrielle Produktion wurde reguliert, um Preisverfälle zu stoppen. Insgesamt ähnelte dies Maßnahmen in totalitären Regimen, die durch massive Rüstungsproduktion das industrielle Wachstum und die Beschäftigung förderten.
Großbritannien: Strukturkrise und die Irland-Frage
- Wirtschaftskrise: Nach dem Ersten Weltkrieg litt das Vereinigte Königreich unter einer strukturellen Wirtschaftskrise. Die Industrie basierte noch immer auf Kohle, während andere Länder bereits Öl und Strom nutzten. Die britische Industrie stagnierte. Exporte, die zuvor eine positive Handelsbilanz garantiert hatten, brachen in der Nachkriegskrise ein.
- Soziale Konflikte: 1919 zählten die Gewerkschaften acht Millionen Mitglieder. Ihre Forderungen waren stark und wurden durch Streiks untermauert. Das größte Problem blieb die hohe Arbeitslosigkeit der Zwischenkriegszeit.
- Politik: Die Wahlen von 1919 gewann eine liberal-konservative Koalition unter Lloyd George, die zwei Hauptprobleme bewältigen musste:
- Die Streiks von 1920/21, die den 8-Stunden-Tag und eine obligatorische Arbeitslosenversicherung forderten.
- Die Irland-Frage: Die irische Unabhängigkeitsbewegung wurde durch die Gruppe Sinn Féin („Wir selbst“) angeführt, die gegen die Briten und die protestantische Minderheit in Ulster kämpfte. Ihr Erfolg bei den Wahlen 1918 basierte auf dem Prinzip der Selbstbestimmung.
Die britische Regierung schuf zwei Parlamente (Belfast und Dublin). In Dublin gewann Sinn Féin die Mehrheit, was zu Zusammenstößen zwischen Nationalisten und Briten führte. Die nationale Miliz (IRA, Irish Republican Army) wurde immer aktiver. 1921 akzeptierte die britische Regierung nach einem dreijährigen Bürgerkrieg die Schaffung des Irischen Freistaats. Dieser erhielt eigene Institutionen, blieb aber zunächst ein Dominion der britischen Krone, während Ulster Teil des Vereinigten Königreichs blieb. 1938 wurde die volle Unabhängigkeit erreicht. Die Insel blieb geteilt: Die Republik Irland im Süden und die Provinz Ulster im Norden. Diese Spannungen führten zum Sturz der Regierung Lloyd George und zum Niedergang der Liberalen Partei zugunsten der Labour Party.
Frankreich: Wirtschaftliche Not und politische Instabilität
- Die französische Wirtschaft lag nach dem Krieg am Boden. Industrie und Landwirtschaft waren vernachlässigt, die Kohleförderung sank und der Franc war stark abgewertet.
- Soziale Probleme: Ein Wirtschaftsrat wurde geschaffen, um Beschäftigung und Löhne zu stabilisieren. Die größte Gewerkschaft, die CGT, forderte bessere Gehälter, den 8-Stunden-Tag, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Verstaatlichung von Schlüsselsektoren. 1920 spaltete sich die Linke in Sozialisten und Kommunisten, woraufhin die Kommunisten die CGTU gründeten.
- Regierungskoalitionen: Die Angst vor einer linken Regierung führte zum Sieg des Bloc national, einer Mitte-Rechts-Koalition unter Millerand.
Ein massives Problem war die Finanzkrise aufgrund ausbleibender deutscher Reparationszahlungen. Raymond Poincaré versuchte zwischen 1922 und 1924, dies durch hohe Steuern und die Besetzung des Ruhrgebiets zu lösen. Dies führte 1924 zum Sieg des linksorientierten „Kartells der Linken“ unter Herriot. Seine Maßnahmen, wie die Reform des Schulwesens, stießen auf Widerstand. Das wirtschaftliche Chaos führte schließlich zur Rückkehr Poincarés, der eine Regierung der nationalen Einheit bildete. Bis zu seinem Rücktritt 1929 erholte sich die französische Wirtschaft kurzzeitig. Die Krise von 1929 erreichte Frankreich verzögert, führte aber erneut zu politischer Instabilität und einem Rechts-Links-Wechsel.