Grundlagen der Linguistik: Phoneme, Morpheme und Semantische Relationen
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Vokalphoneme: Artikulation und Klassifikation
Die Klassifikation der Vokalphoneme erfolgt nach Zungenlage (vorne, zentral, hinten) und Öffnungsgrad (geschlossen, mittel, offen):
- /i/: Vorderer (palataler) Vokal, geschlossen.
- /e/: Vorderer (palataler) Vokal, mittel.
- /a/: Zentraler Vokal, offen.
- /o/: Hinterer (velarer) Vokal, mittel.
- /u/: Hinterer (velarer) Vokal, geschlossen.
Phonem und Graphem: Korrespondenz
Ein Phonem – Verschiedene Schreibweisen (Allographeme)
Ein einzelnes Phonem kann durch unterschiedliche Grapheme (Buchstaben oder Buchstabenkombinationen) dargestellt werden:
- /b/: b, v, w (kontextabhängig)
- /s/ (Zischlaut): z + a, o, u; c + e, i
- /k/: c + a, o, u, l, r; qu + e, i; k
- /x/ (Ach-Laut): j, k
- /g/: g + a, o, u, l, r; gu + e, i
- /tʃ/ (Tsch-Laut): ch
- /ʎ/ (Palataler Lateral): ll (Doppel-L)
- /r/ (Vibrant): r (einfach); rr (zwischen Vokalen); n (vor oder hinter l, n)
Ein Graphem – Mehrere Phoneme (Polyphonie)
Ein einzelnes Graphem kann je nach Kontext unterschiedliche Phoneme repräsentieren:
- C: /s/ und /k/
- G: /x/ und /g/
- R: /r/ (einfach) und /rr/ (stark vibrierend)
- Y (Ypsilon): /i/ (Vokal) ~ /j/ (Halbvokal)
Morpheme und Wortstruktur
Morpheme sind die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten der Sprache.
Bestandteile von Wörtern
- Lexem (Wortstamm): Enthält die lexikalische Grundbedeutung.
- Morpheme: Können unterschieden werden in:
- Freie (unabhängige) Morpheme: Können alleine stehen (z. B. Konjunktionen wie und, oder; Präpositionen; Artikel).
- Gebundene (abhängige) Morpheme: Müssen an ein Lexem gebunden werden.
- Flexionsmorpheme: Verändern die grammatische Form, aber nicht die lexikalische Bedeutung.
- Derivationsmorpheme: Verändern die lexikalische Bedeutung oder die Wortart (z. B. Präfixe, Suffixe, Interfixe).
Typen der Wortbildung
Wörter können nach der Art ihrer Morpheme klassifiziert werden:
- Komposita (Zusammensetzungen): Bestehen aus mindestens zwei Lexemen oder unabhängigen Morphemen.
- Lexem + Lexem (Bsp.: taubstumm)
- Unabhängiges Morphem + Unabhängiges Morphem (Bsp.: weil)
- Lexem + Unabhängiges Morphem (Bsp.: endlos)
- Präfix + Lexem (Bsp.: entladen – beginnt eine Bedeutung)
- Derivate (Ableitungen): Bestehen aus einem Lexem und einem Derivationsmorphem (Suffix oder Präfix).
- Lexem + Suffix (Bsp.: Vase, Seemann)
- Parasynkretische Wörter (Parasynkretika): Gleichzeitige Anwendung von Präfix und Suffix an einem Lexem, wobei das Zwischenwort (Lexem + Präfix oder Lexem + Suffix) allein keine Bedeutung hat.
- Lexem + Lexem + Suffix (Bsp.: US-amerikanisch)
- Präfix + Lexem + Suffix (Bsp.: transozeanisch)
- Präfix + Lexem (Wenn das Entfernen des Präfixes keine Bedeutung ergibt.)
Semantische Relationen und Wortbedeutung
- Totale Synonymie: Wörter sind vollständig austauschbar (Bsp.: Ende / Ziel).
- Partielle Synonymie: Wörter haben unterschiedliche Nuancen oder Konnotationen (Bsp.: Trauer / Melancholie).
- Polysemie: Ein einziges Signifikat hat mehrere Bedeutungen, die miteinander verknüpft sind (Bsp.: Kopf).
- Homonymie: Wörter, die in verschiedenen Wörterbucheinträgen geführt werden, da sie unterschiedliche Ursprünge haben.
- Homographe: Gleich geschrieben und gleich gesprochen.
- Homophone: Gleich gesprochen, aber unterschiedlich geschrieben.
- Paronymie: Wörter mit unterschiedlichem Signifikant und Signifikat, die sich im Klang sehr ähnlich sind (Bsp.: Attitüde / Aptitüde).
Typen von Antonymen
Wörter mit entgegengesetzter Bedeutung:
- Graduelle Antonyme (Klassenantonyme): Beschreiben Gegensätze auf einer Skala (Bsp.: teuer / billig).
- Komplementäre Antonyme: Schließen sich gegenseitig aus; die Verneinung des einen impliziert das andere (Bsp.: stattgegeben / abgelehnt).
- Konverse (Reziproke) Antonyme: Setzen die Existenz des jeweils anderen voraus (Bsp.: Verbindlichkeiten / Forderungen).
Wortfamilien und Semantische Felder
Wortfamilien (Lexikalische Familien)
Eine Gruppe von Wörtern, die denselben Wortstamm (Lexem) teilen, auch wenn unregelmäßige Formen existieren (Bsp.: Feld, ländlich, Mittelfeldspieler).
Semantische Felder
Eine Gruppe von Wörtern, die sich auf dieselbe Realität beziehen, gemeinsame Bedeutungsmerkmale (Sememe) aufweisen, sich aber in mindestens einem Merkmal unterscheiden (Bsp.: Sitzgelegenheiten: Stuhl, Sessel, Sofa).