Grundlagen der Wirtschaftspolitik: Stabilisierung, Allokation und Verteilung
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Stabilisierungspolitik: Aufgaben und Ziele
Diese Aufgaben sind meist durch Eingriffe in den Markt gekennzeichnet und werden durchgeführt, weil das Ergebnis eines sich selbst regulierenden Marktes ineffizient oder sozial nicht zufriedenstellend ist.
Drei Säulen der Wirtschaftspolitik
- Stabilisierungspolitik: Gegen Konjunkturschwankungen.
- Allokationspolitik: Gegen Marktversagen.
- Distributions- oder Verteilungspolitik: Gegen Marktablehnung (soziale Ungerechtigkeit).
Konjunkturschwankungen und das BIP
Konjunkturschwankungen in einer Wirtschaft werden oft durch das reale Wachstum des BIP ausgedrückt. Das BIP bezeichnet die zu Marktpreisen bewertete Summe aller Güter und Dienstleistungen, die in einer Periode durch eine Volkswirtschaft erwirtschaftet werden.
Unterscheidung zwischen nominalem und realem BIP
- Nominales BIP: Bewertung der Güter und Dienstleistungen basierend auf dem aktuellen Preisniveau.
- Reales BIP: Bewertung der Güter und Dienstleistungen anhand der Preise eines Basisjahres.
Der Konjunkturzyklus (ca. 7 Jahre)
Der Zyklus umfasst die Phasen: Aufschwung, Boom, Abschwung, Rezession.
Die Auslastung des Produktionspotenzials einer Volkswirtschaft bleibt nicht konstant, sondern ändert sich entlang des Konjunkturverlaufs.
Mögliche Erklärung des Konjunkturverlaufs
Ein Aufschwung wird durch einen Impuls ausgelöst, der Firmen oder den Staat zu Investitionen anregt. Dadurch steigt das Produktionsvolumen und resultierend auch das Einkommen der Bevölkerung. Ein höheres Einkommen führt dazu, dass mehr konsumiert wird, und eine steigende Nachfrage regt weitere Investitionen an.
Aufgrund der gesteigerten Nachfrage werden einerseits Preiserhöhungen durch die Unternehmen möglich, andererseits ist aber auch mit steigenden Preisen für Produktionsfaktoren zu rechnen, die immer knapper werden.
Bedingt durch die erhöhten Kosten der Produktionsfaktoren versuchen die Unternehmen, den Verbrauch dieser zu reduzieren, wodurch die Nachfrage in der Volkswirtschaft sinkt. Dies verursacht ein Absinken der Wachstumsraten des BIP, was einen Rückgang der Produktion und Investitionen nach sich zieht. Dieser Rückgang signalisiert den Beginn des wirtschaftlichen Abschwungs mit immer weiter sinkenden Investitionen und Produktion.
Durch den Preisabfall im wirtschaftlichen Abschwung werden die Produktionsfaktoren wieder günstiger, wodurch die Produktion wieder angeregt wird und der wirtschaftliche Kreislauf von Neuem beginnen kann.
Auswirkungen von Konjunkturschwankungen
Hohe Arbeitslosenquote und Preisniveau (Soziale Probleme)
Die Arbeitslosigkeit sinkt während des Aufschwungs und Booms aufgrund einer gesteigerten Nachfrage nach Arbeitskräften. Menschliche Arbeit bleibt im Produktionsprozess ungenutzt.
Hohe Inflation
Das aktuelle Preisniveau steigt aufgrund einer gesteigerten Nachfrage, die durch ein höheres Einkommen verursacht wird. Im Abschwung und in der Rezession sinkt die Inflation jedoch wieder, verursacht durch eine niedrigere Nachfrage, und die Arbeitslosigkeit steigt wieder durch eine geringere Nachfrage nach Arbeitskräften, bedingt durch ein reduziertes Produktionsvolumen.
Hohe, unberechenbare Inflationsraten gefährden die Funktionen des Geldes in marktwirtschaftlichen Systemen (Tauschmittel, Recheneinheit, Wertaufbewahrung). Wenn das Geld seine Funktionen verliert, droht die Tauschwirtschaft, was gesellschaftlich unerwünscht ist.
Wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Stabilisierung
Eingriffsziel
Die Oszillation der Konjunkturkurve soll minimiert werden, um die negativen Auswirkungen des Konjunkturzyklus zu verringern. Der Konjunkturzyklus soll stabilisiert werden, weshalb hier von Stabilisierungspolitik die Rede ist.
Postkeynesianisches Stabilisierungskonzept (Krisenfall)
Marktmechanismen sind kurzfristig nicht voll funktionsfähig, und der Markt kann kein eigenes Gleichgewicht finden. Daher muss der Staat handeln (Interventionismus).
BIP beeinflussen: Die Formel (C + I + G + (X - M))
- Fiskalpolitik (C und G): Der Staat nimmt Einfluss auf das BIP, indem er seine Einnahmen (Steueransprüche) und Ausgaben anpasst. Im Abschwung und in der Rezession werden die Steueransprüche gesenkt, um den privaten Konsum anzukurbeln, und die Staatsausgaben erhöht.
- Geldpolitik: Anpassung des Zinssatzes, um Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage und damit auch auf die Inflation zu nehmen. Senken des Zinssatzes im Abschwung, Erhöhen des Zinssatzes im Aufschwung.
Neoklassisch-Monetaristische Stabilisierungspolitik (Normalfall)
Der Markt findet langfristig selbst in ein Gleichgewicht. Der Staat sollte daher möglichst wenige Eingriffe in den Marktmechanismus vornehmen, sondern eine Ideale Ordnung (Ordnungspolitik) sicherstellen, die es dem Marktmechanismus ermöglicht, reibungslos und schnell ein neues Gleichgewicht zu erreichen.
Dabei geht man davon aus, dass die richtigen Angebotsbedingungen Produzenten anziehen werden. Diese steigern dann die Nachfrage nach Arbeitskräften, wodurch zusätzliches Einkommen entsteht und so ein erhöhtes Konsumniveau in der Volkswirtschaft ermöglicht wird.
Allokationspolitik: Marktversagen und Pareto-Optimum
Das Pareto-Optimum
Das Pareto-Optimum ist erreicht, wenn niemand mehr durch marktliche Tauschgeschäfte bessergestellt werden kann, ohne dass ein anderer schlechter gestellt wird.
Statische Interpretation (Zeitpunktbetrachtung)
Bei einer gegebenen Nachfrage- und Angebotskurve gibt es einen Gleichgewichtspreis (p0), bei dem sich Nachfrage und Angebot schneiden.
- Konsumentenrente (KR): Die Ersparnis, die Konsumenten entsteht, die bereit wären, mehr als den Gleichgewichtspreis zu zahlen.
- Produzentenrente (PR): Der zusätzliche Gewinn, der Produzenten entsteht, die bereit wären, das Produkt zu einem günstigeren Preis als dem Marktpreis zu verkaufen.
Im statischen Optimum kann die Summe von Konsumenten- und Produzentenrente nicht weiter erhöht werden.
Dynamisch-langfristige Betrachtungsweise (Zeitraum)
Hierbei wird davon ausgegangen, dass bei Auftreten einer Produzentenrente ein Übergewinn im Markt erzielt werden kann. Dieser Gewinn geht über den Gewinn hinaus, der benötigt wird, um das Eigenkapital zu verzinsen. Dies schafft einen Anreiz für neue Wettbewerber, in den Markt einzutreten.
Die Produzenten versuchen, Produktionsprozesse effizienter zu gestalten (Kostensenkungspotenziale). Dies führt zu einer Verschiebung der Angebotskurve nach rechts und unten, wodurch eine sogenannte dynamische Effizienz entsteht.
Ein Markt ist dann dynamisch effizient, wenn bei größerem Angebot und sinkenden Kosten die Produzentenrente sich Null nähert.
Marktversagen und staatliche Eingriffe
Es muss geprüft werden, ob überhaupt ein Marktversagen vorliegt. Dazu dient das Pareto-Kriterium:
- Statische Sicht: Ist die Summe aus Konsumenten- und Produzentenrente ausreichend?
- Dynamische Sicht: Kommt es im Zeitablauf zu einer Drehung der Angebotskurve und wird somit immer effizienter, mit immer geringeren Grenzkosten produziert?
Es wird untersucht, ob ein Funktionsmangel im Markt vorliegt und ob daraus ein wirtschaftspolitischer Handlungsbedarf abgeleitet werden kann, wobei mögliche Effizienzverluste durch staatliche Eingriffe in die Marktwirtschaft berücksichtigt werden müssen.
Monopole als Form des Marktversagens
In einem Monopol sind die Voraussetzungen der vollständigen Konkurrenz nicht erfüllt.
Vollständige Konkurrenz (Idealzustand)
- Viele kleine Produzenten (großes Angebot) und Konsumenten (große Nachfrage).
- Freier Markteintritt und -austritt.
- Keine Transaktionskosten.
- Vollständige und perfekte Informationen (Konsumenten und Produzenten wissen alles).
- Homogene (gleiche) Güter.
- Rationelles Verhalten – Gewinn- und Nutzenmaximierung.
Monopol
Gekennzeichnet durch einen einzelnen Produzenten. Ein höherer Preis bedingt eine geringere Nachfrage. Es bestehen Markteintritts- und Austrittsbarrieren.
Wenn bei einem Monopol der Preis über dem Gleichgewichtspreis (Verschiebung von q0 zu qM) liegt, entsteht ein sogenannter Wohlfahrtsverlust. Konsumentenrente und Produzentenrente verringern sich, und die verloren gegangene Rente wird als Wohlfahrtsverlust bezeichnet.
Aus statischer Sicht entsteht gemessen am Pareto-Kriterium ein Wohlfahrtsverlust, da Nachfrager, die zu p0 konsumieren konnten, aufgrund des höheren Monopolpreises (qM-q0) wegfallen.
Das dynamische Pareto-Kriterium muss im Zusammenhang mit der zeitlichen Entwicklung der Angebotskurve/Grenzkostenkurve verstanden werden. Im Monopol besteht die Gefahr sogenannter X-Ineffizienzen, das heißt, dass das Monopolunternehmen zu höheren Grenzkosten produziert, als dies unter vollständiger Konkurrenz der Fall wäre.
Nicht nur Wohlfahrtsverluste, sondern auch Wohlfahrtsgewinne
Monopole können auch Vorteile bringen:
- Economies of Scale (Skaleneffekte).
- Pionierunternehmen (temporäres Monopol, z. B. 4 Jahre, als Belohnung für Innovation).
- Finanzierung von Forschung und Entwicklungsausgaben.
Wettbewerbspolitik
Kausaltherapeutischer Ansatz
Versucht, die Ursache des Marktversagens zu beheben. Durch stetigen Eingriff in den Wettbewerb soll die „richtige“ Marktstruktur erreicht werden. Die Marktstruktur wird durch die Anzahl der Marktteilnehmer bestimmt.
Das Verhalten (V) der Marktteilnehmer ist eine direkte Folge der Marktstruktur. Das Marktergebnis (E), gemessen als Wettbewerbsintensität, ergibt sich eindeutig aus dem Marktverhalten. Die Wettbewerbsintensität wird maßgeblich geprägt durch die Höhe des Marktpreises, die Gleichgewichtsmenge, die Grenzkosten der Produktion und die Produktqualität. Es besteht ein direkter, kausaler Zusammenhang zwischen der Marktstruktur und dem Marktergebnis.
Symptomtherapeutischer Ansatz
Zielt darauf ab, die Auswirkungen des Marktversagens zu lindern oder zu bekämpfen. Die Marktstruktur ist hierbei weniger relevant; das Marktergebnis wird durch das Verhalten der Marktteilnehmer bestimmt.
Wichtig ist, dass Marktteilnehmer ihre beherrschende Stellung im Markt in den Bereichen Preis, Menge, Grenzkosten und Qualität nicht missbrauchen.
Probleme der Abgrenzung des relevanten Marktes
Der relevante Markt muss abgegrenzt werden, um eine beherrschende Stellung festzustellen. Vergleiche erfolgen:
- Räumlich (z. B. weltweit).
- Sachlich (z. B. Betriebssysteme wie Windows/Microsoft).
- Zeitlich (z. B. dauerhafte Popularität).
Kollektivgüter und das Free-Rider-Problem
Definition und Eigenschaften von Gütern
Güter stiften Nutzen und sind knapp (ökonomische Güter).
Kollektivgüter (Öffentliche Güter) sind dadurch gekennzeichnet, dass andere Konsumenten nicht vom Nutzen ausgeschlossen werden können und keine Rivalität beim Konsum besteht.
Herrscht Ausschlussmöglichkeit und Rivalität im Konsum, handelt es sich um Private Güter.
- Rivalität: Ein ökonomisches Gut kann nicht gleichzeitig von einem anderen Wirtschaftssubjekt genutzt werden.
- Ausschluss: Es ist technisch oder ökonomisch sinnvoll, einen Konsumenten von der Nutzung auszuschließen.
Das Free-Rider-Problem
Das Free-Rider-Problem führt dazu, dass gewisse Güter über den Markt überhaupt nicht bereitgestellt werden – der Markt als Koordinationsmechanismus versagt.
Marktversagen als Koordinationsmechanismus
Ursachen sind:
- Individuelles, unabhängiges Rationalkalkül (Homo Oeconomicus).
- Das „Free Rider“-Verhalten des Individuums, da man von der Nutzung des Gutes nicht ausgeschlossen werden kann.
Wenn jeder dieses Free-Rider-Verhalten anwendet, kommt es nicht zur Bereitstellung eines Kollektivguts, obwohl der Nutzen höher ausfällt als die mit der Produktion verbundenen Kosten (KR/PR entsteht).
Überwindung des Free-Rider-Problems
Eine Lösung kann ohne oder durch staatliche Eingriffe erfolgen.
Freiwillige Kollektivbereitstellung (Ohne Staat)
Dies ist möglich bei:
- Kleiner Gruppe.
- Geringer Anonymität.
- Asymmetrischen Präferenzen.
Bei freiwilliger Überwindung des Free-Rider-Verhaltens muss der Staat keine Maßnahmen unternehmen. Typische Kollektivgüter, die wegen Marktversagen durch den Staat bereitgestellt werden müssen, sind z. B. Militär oder Polizei.
Wirtschaftliche Maßnahmen (Staatliche Bereitstellung)
Da Kollektivgüter der ganzen Bevölkerung zugutekommen, ist das Free-Rider-Problem wahrscheinlich. Der Staat stellt dieses Angebot nach.
Die Finanzierung erfolgt über Zwangsabgaben:
- Steuern: Gleichmäßig auf alle Bürger verteilt.
- Gebühren: Werden von den eigentlichen Nutzern entrichtet.
Achtung: Dass ein Gut vom Staat angeboten wird (z. B. Autobahn), bedeutet nicht automatisch, dass es ein Kollektivgut ist.
Externe Effekte und ihre Internalisierung
Definition und Beispiele
Externe Effekte sind Wirkungen, die von ökonomischen Aktivitäten privater Wirtschaftssubjekte auf die ökonomischen Aktivitäten anderer Wirtschaftssubjekte ausgehen, ohne im individuellen Kosten-Nutzen-Kalkül des Verursachers berücksichtigt zu werden.
Beispiele
- Konsum: (-) Zigarettenrauchen in einem Restaurant; (+) Weihnachtsdekoration, WLAN-Nutzung in der Stadt.
- Produktion: (-) Abgase bei der Produktion, Abfälle; (+) Energiespeicherung von Wärme bei Müllverbrennung.
Wohlfahrtsverluste durch negative Externe Effekte
Beispiel: Ein Sägewerk wirft Sägespäne in einen Fluss. Ein flussabwärts gelegener Fischzüchter erleidet Schaden (Fische sterben), verkauft weniger Fisch und erzielt eine geringere Produzentenrente.
Wirtschaftspolitische Maßnahmen
Ziel ist die Anpassung des Niveaus der ökonomischen Aktivität an das Pareto-effiziente Ausmaß (da oft zu Qs statt Q0 produziert wird).
Internalisierung Externer Effekte
Die Einbeziehung der externen Effekte in das einzelwirtschaftliche Kalkül.
1. Zwangsweise Internalisierung: Pigou-Steuer/Subvention
Der Staat besteuert die Produktion, die negative externe Effekte verursacht (Pigou-Steuer). Durch die Steuer verschiebt sich die Grenzkostenkurve so, dass der neue Schnittpunkt zwischen Grenzkosten (MCT) und Nachfragekurve genau dem Punkt qs entspricht.
Probleme:
- Informationsprobleme (Kurvenverläufe, Schadenshöhe).
- Flexibilität.
- Unelastische Nachfrage (hohe Steuer führt zu hohen Preisen, aber kaum Nachfragereduktion, z. B. Tabaksteuer).
2. Internalisierung durch Markt (Verhandlungslösung)
Möglich, wenn Verfügungsrechte vollständig zugeordnet sind (Coase-Theorem).
Nachteile der Marktinternalisierung:
- Transaktionskosten.
- Höhere Instanz muss zur Verfügung stehen.
- Zuordnung der Verfügungsrechte.
Verursacher-Regel (Beispiel Fluss)
Das Sägewerk zahlt dem Fischzüchter X nach jedem produzierten Holzbalken. Wenn die Entschädigung hoch ist, produziert das Sägewerk nicht. Wenn das Sägewerk produziert und eine Entschädigung leistet, die höher liegt als der tatsächliche Schaden, entsteht dem Fischzüchter ein monetärer Vorteil (Opportunitätskosten).
Ziel: Minimierung der Opportunitätskosten, die am Schaden entstehen, plus einer Geldeinheit.
Laissez-faire-Regel
Der Fischzüchter zahlt eine Kompensationseinheit an das Sägewerk. Die Kompensationszahlung des Fischzüchters ist geringer als das, was er an Produzentenrente erwirtschaften kann, wenn er die Fische am Markt verkaufen kann.
Probleme bei beiden Regeln:
- Größere Gruppen (Verhandlungsprozess wird schwierig).
- Vermögensverteilung (beeinflusst die optimale, effiziente Lösung).
- Machtgefälle.
Beispiel Wasser: Wasserkonsumenten kompensieren Landwirte wegen der daraus resultierenden reduzierten oder qualitativ geringerwertigen Ernten.
Staatliche Maßnahmen bei Informationsproblemen
Ziel ist es, durch Informations- und Qualitätspolitik die Kostenkurve der Informationsbeschaffung zu verschieben.
Informationspolitik
Ziel ist die Senkung der Informationsbeschaffungskosten für Konsumenten.
- Vergleichbarkeit: Senkung der Grenzkosten der Informationsbeschaffung, z. B. durch Angabe von Inhaltsstoffen auf Lebensmittelverpackungen, sodass Verbraucher diese nicht selbst herausfinden müssen.
- Verlässlichkeit/Qualität: Die Kommunikation eines Unternehmens nach außen muss korrekt sein (z. B. Bier ist nicht gesund, sondern schädlich).
- Menge an Informationen: Die Stiftung Warentest hilft, bestimmte Güter und Dienstleistungen des täglichen Gebrauchs nach Kriterien einzuordnen, zu bewerten und zusammenzufassen. Dies funktioniert nur mit Subventionszahlungen. Der Ausschluss bei Informationen ist schwierig, da Menschen darüber sprechen. Diese Tests sind teuer, und private Unternehmen würden sie sonst nicht durchführen. Der Staat gilt als verlässlicher als private Unternehmen.
Qualitätspolitik
Bezieht sich auf Suchgüter, Erfahrungsgüter und Vertrauensgüter.
- Suchgüter (S): Qualität kann vor dem Kauf festgestellt werden (z. B. Kleidung).
- Erfahrungsgüter (E): Qualität wird erst nach dem Kauf festgestellt (z. B. Lebensmittel).
- Vertrauensgüter (V): Qualität kann nicht festgestellt werden (z. B. ärztliche Dienstleistungen).
Regulierungsansätze
- Regulierung von Eigenschaften: Hilft, Suchgüter zu erkennen (z. B. DIN A4).
- Konditionenregulierung: Bei Erfahrungsgütern legt der Staat Bedingungen fest (z. B. Vertragskonditionen).
- Qualifikationsregulierung: Regulierung von Anbietern, die bestimmte Qualifikationen mitbringen müssen (z. B. Ärzte), um einen Mindeststandard an Qualität zu garantieren und die Informationsbeschaffungskosten zu regulieren.
Probleme der Qualifikationsregulierung (Vertrauensgüter)
Die Regulierung greift in den Markt für Dienstleistungen ein und kann Auswirkungen auf Preis und Menge haben. Die Angebotskurve verschiebt sich nach links (weniger Angebot), der Preis steigt. Konsumenten stehen vor einem Trade-Off: geringere Informationsbeschaffungskosten versus höhere Preise für Dienstleistungen.
Informationsprobleme im ökonomischen Kalkül
Die Annahme der vollständigen Information besagt, dass alle Marktteilnehmer alle notwendigen Informationen besitzen, um eine rationale Entscheidung treffen zu können.
Informationen können jedoch als ökonomisches Gut betrachtet werden, da sie Nutzen stiften und nur begrenzt verfügbar sind (Knappheit). Der Nutzen von Informationen bestimmt sich aus dem Preisvergleich (günstigster Preis bei gegebener Qualität) und dem Qualitätsvergleich (beste Qualität bei gegebenem Preis).
Das ökonomische Kalkül der Informationsbeschaffung
Vollständige Information ist ökonomisch irrational. Der Grenznutzen der gesammelten Informationen für die Entscheidungsfindung nimmt immer weiter ab, während die Grenzkosten der Informationsbeschaffung immer weiter zunehmen (wesentlicher Teil sind Opportunitätskosten der Zeit).
In der einfachen neoklassischen Welt wird angenommen, dass die Beschaffung von Informationen nichts kostet (Grenzkosten gleich null). In der Realität entsprechen die Kosten mindestens den Opportunitätskosten für die aufgewendete Zeit.
Ein Konsument sammelt Informationen nur bis zu einem bestimmten Punkt (qopt), an dem Grenzkosten und Grenznutzen sich ausgleichen. Der Punkt der vollständigen Information könnte nur erreicht werden, wenn ein Konsument unendlich viel Zeit hätte.
Ineffizienzen in der Informationsbeschaffung
Da in der Realität nie vollständige Informationen existieren können, kann es zu Ineffizienzen kommen.
Mögliche Gründe:
- Informationen weisen die Eigenschaften eines Kollektivguts auf, was dazu führt, dass eine privatwirtschaftliche Informationsbeschaffung nicht stattfindet. Dies ist stark abhängig vom jeweiligen Markt und Produkt.
- Externe Effekte treten bei der Informationsbeschaffung auf.
Beispiel positive externe Effekte: Ein Student sucht die besten Croissants in Reutlingen (Grenzkosten MC, Grenznutzen MB0). Er stoppt bei qopt. Seine Mitbewohner profitieren, da sie sich die Suche ersparen. Berücksichtigt man den Nutzen der Mitbewohner, verschiebt sich die Grenznutzenkurve zu MBS. Die neue ideale Informationsmenge wäre qS. Da qopt erreicht wird, entsteht ein Wohlfahrtsverlust für die „Gesellschaft“ (rotes Dreieck). Die Kosten für eine größere Informationsmenge (qS) wären geringer als der Nutzen, der für alle entstehen würde. Werden diese positiven externen Effekte nicht internalisiert, können immense Schäden für die Volkswirtschaft entstehen.
Distributionspolitik: Marktablehnung und soziale Ziele
Marktablehnung (Musteraufgabe 5)
Die Distributionspolitik befasst sich mit der Korrektur von Marktergebnissen, die sozial nicht akzeptabel sind.
Soziale Gerechtigkeit
Betrifft die relative Höhe der Einkommen (z. B. Fußballer vs. Krankenschwester).
Problem der Leistungsgerechtigkeit auf Faktormärkten: Eine staatliche Obergrenze (z. B. 500 Euro) führt dazu, dass Leistungsträger ins Ausland abwandern, das Niveau sinkt, weniger Zuschauer kommen, und Konsumentenrente (KR) verloren geht.
Es besteht ein Konflikt zwischen allokativer Effizienz (hohe KR und PR) und sozialer Gerechtigkeit, wenn der Staat eingreift.
Sozialer Friede
Betrifft die absolute Höhe des Einkommens und das Recht auf das Existenzminimum.
Das Existenzminimum wird unterschieden:
- Physisch (objektiv): Kalorien, Wasser etc.
- Physisch (subjektiv): Überleben in einer Gesellschaft (Internet, Kino etc.).
Einkommensdefizite: Die Differenz zwischen dem Einkommen, das Wirtschaftssubjekte am Markt erzielen können, und dem gesellschaftlich definierten Existenzminimum. Die Einkommenspolitik versucht, diese Defizite auszugleichen. Wenn die Gesellschaft kein Existenzminimum sicherstellt, drohen soziale Unruhen.
Soziale Sicherheit
Betrifft die ungenügende individuelle Risikoabsicherung (z. B. Sparen oder Versicherungen) gegen die „Wechselfälle“ des Lebens.
Risiko (Bekannte Wahrscheinlichkeitsverteilung)
Als Grund für Absicherung (z. B. Krankheit). Eintritt in eine Versicherungsgemeinschaft ist möglich. Es kann ein Sicherungsdefizit bestehen, wenn die individuelle Absicherung aus gesellschaftlicher Sicht nicht ausreichend ist. Dies erfordert Sicherungspolitik durch den Staat.
Unsicherheit (Unbekannte Wahrscheinlichkeit)
Als Grund für Absicherung (z. B. Naturkatastrophe). Eintritt in eine private Versicherungsgemeinschaft ist meist unmöglich. Die individuelle Sicherheit wird hier eher zum Kollektivgut (Fall von Marktversagen).
Bei fehlender Wahrscheinlichkeit kann keine Sicherungsgemeinschaft aufgebaut werden, da die Sicherungsprämie nicht adäquat berechnet werden kann. Es kommt zu einem Marktversagen, bei dem der Staat u. U. die Bereitstellung der individuellen Sicherheit übernehmen muss.
Instrumente der Einkommenspolitik
Die Einkommenspolitik kann ansetzen bei:
- Primärverteilung: Funktionale Einkommensverteilung (Einkommen, das Wirtschaftssubjekte am Markt erzielen).
- Sekundärverteilung: Personelle Einkommensverteilung (Einkommen, das Wirtschaftssubjekte nach staatlichem Eingriff erzielen).
Lohnpolitik (Bekämpfung aktueller Probleme)
- Quantitativ (Arbeitszeit).
- Qualitativ (Arbeitsart).
Vermögenspolitik (Bekämpfung potenzieller Probleme)
- Quantitativ (Erhöhung des Sparvolumens).
- Qualitativ (Anlageform).
Dualismus der Redistribution
Die Umverteilung erfolgt über das Steuersystem und das Sozialleistungssystem.
- Steuersystem (Progression): Mit steigendem Einkommen muss ein immer größerer Teil des Einkommens als Steuer bezahlt werden (steigender Durchschnittssteuersatz).
- Sozialleistungen als Versicherungssystem (Sicherungspolitik): Z. B. Krankenversicherungen. Jeder zahlt einen festen Prozentsatz des Arbeitseinkommens. Unabhängig vom Betrag leistet die Krankenversicherung im Krankheitsfall immer das Gleiche.
Sozialleistungen (Umverteilungstransfer)
- Fürsorgeprinzip: Bei Bedürftigkeit (Sozialleistung, Zahlung des Staates ohne Gegenleistung).
- Versorgungsprinzip: Bei auslösendem Ereignis (z. B. Kindergeld).
- Mix: Z. B. Studierendenförderung (Bafög), die sowohl vom Studium als auch von der Bedürftigkeit abhängt.
Problem: Ineffizienz des Dualismus durch Inkonsistenzen und Doppelspurigkeiten.
Sicherungspolitik
Sicherungsdefizite entstehen, wenn Wirtschaftssubjekte in Risikokonstellationen nicht in der Lage sind, sich über Markt- oder Versicherungsmechanismen ausreichend abzusichern.
Kausaltherapeutischer Ansatz
- Aufklärung: Der Staat stellt Informationen zur Verfügung, damit sich Wirtschaftssubjekte in größerem Umfang gegen Risiken absichern (z. B. Alter).
- Finanzielle Anreize: Anreize, einer Versicherungsgemeinschaft beizutreten (z. B. steuerbegünstigte Altersvorsorge).
Symptomtherapeutischer Ansatz
Sozialversicherung mit Zwangsmitgliedschaft und Beitragszahlung:
- Arbeitslosenversicherung (Zwangsmitgliedschaft).
- Krankenversicherung.
- Pflegeversicherung (ab einem bestimmten Alter gesetzlich/privat versichert).
- Rentenversicherung (Verpflichtung).
Jedes Land kann für sich entscheiden, wie es mit Marktablehnung umgeht, weshalb gleitende Maßnahmen separat zu betrachten sind.
Interessengruppen und ihre Rolle in der Marktwirtschaft
Bildung von Interessengruppen (Olson)
Interessengruppen bilden sich, um einen ökonomischen Vorteil zu erzielen (z. B. Gewerkschaften für Arbeitnehmer).
Sie zielen auf die Bereitstellung von Kollektivgütern in Form eines ökonomischen Vorteils für die Gruppenmitglieder, bei denen Ausschluss nicht möglich ist.
Hier entsteht die „Free-Rider“-Problematik. Es besteht der Anreiz für Unternehmen, die Vorteile eines Importzolls zu genießen (geschützt zu werden), aber nicht die Kosten der Bereitstellung allein zu tragen.
Organisationsfähigkeit von Interessengruppen
Die Organisationsfähigkeit hängt von der Gruppengröße (1) und der Interessenintensität (2) ab:
- (1) Klein, (2) Groß: Leichtere Bildung von Interessengruppen (z. B. Produzenten).
- (1) Groß, (2) Klein: Mühsame Bildung von Interessengruppen (z. B. Konsumenten).
Überwindung des Free-Rider-Problems
- Selektive Anreize: Private Güter erhalten nur diejenigen, die sich an der Bereitstellung des Kollektivguts beteiligen (auch Finanzierung), z. B. Automobilclub.
- Zwang: Unternehmen einer Region werden zwangsweise organisiert (z. B. Industrie- und Handelskammer), um die Interessen der Unternehmen einer bestimmten Region zu vertreten (Zwangsmitgliedschaft).
Einflussnahme von Interessengruppen
Die Beratung von Interessengruppen in marktwirtschaftlichen Systemen ist geprägt durch:
- Rent Seeking: Das Streben nach ökonomischer Rente durch politische Einflussnahme.
- Ressourceneinsatz.
- Asymmetrische Organisierbarkeit: Eröffnet Einflussnahmespielraum.
Grafische Darstellung des Wohlfahrtsverlusts
Wenn es Interessengruppen gelingt, politische Akteure zu gewinnen, können dadurch Wohlfahrtsverluste entstehen.
Ist eine Interessengruppe erfolgreich und eine Kartellbildung wird bewilligt, können Preise durch die Interessengruppen gewinnmaximierend auf die Höhe des Monopolpreises gesetzt werden (P0 → PM).
Die Produzenten erwirtschaften zusätzliche Produzentenrente (PR), während Konsumenten einen Verlust an Konsumentenrente (KR) in Höhe von PR + Wohlfahrtsverlust erleiden.
Ressourcen in Höhe der maximal zu erreichenden PR müssen eingesetzt werden, um den Verteilungsvorteil zu sichern.
Anmerkung: Konsumenten können sich ebenfalls in einer Interessengruppe zusammenschließen, um Kartelle und Preiserhöhungen zu verhindern.
Natürliche Monopole und Regulierung
Eigenschaften natürlicher Monopole
Ein natürliches Monopol liegt vor, wenn die Grenzkosten (MC) unterhalb der Durchschnittskosten (AC) liegen, bis zum Tiefpunkt der Durchschnittskostenkurve. Das bedeutet, dass bei jeder zusätzlich produzierten Einheit Kosten hinzukommen, die unter den bisherigen Grenzkosten liegen, wodurch die Gesamtdurchschnittskosten sinken.
Wenn die Nachfragekurve die MC-Kurve schneidet, während die AC noch sinken (Q0), liegt ein natürliches Monopol vor.
Bei vollständiger Konkurrenz würde das Unternehmen die optimale Produktionsmenge Q0 zu Preis P0 anbieten. Der Erlös (Q0 * P0) wäre geringer als die Produktionskosten (Q0 * AC). Der resultierende Verlust würde dazu führen, dass alle Unternehmen vom Markt verschwinden, bis nur noch ein Unternehmen übrig bleibt, das dann Monopolgewinne erzielt.
Beispiele für natürliche Monopole
Natürliche Monopole sind oft durch hohe Fixkosten in der Produktion und geringe variable Kosten gekennzeichnet:
- Energieversorgung: Leitungsnetz (hohe Fixkosten), geringer Nutzen pro Konsum.
- Personenluftverkehr: Flugzeug/Crew (hohe Fixkosten), variable Kosten pro Passagier nahe Null.
- Schienengebundener Nahverkehr: Schienen (hohe Fixkosten), geringe Grenzkosten pro Nutzer.
Wirtschaftliche Maßnahmen beim Umgang mit natürlichen Monopolen
Der gesamtgesellschaftlich optimale Punkt (Qr) ist die maximale Menge, die zu Bedingungen produziert werden kann, bei denen sämtliche Produktionsfaktoren marktgerecht entlohnt werden. Es entsteht keine Produzentenrente, die über das hinausgeht, was zur Entlohnung der Produktionsfaktoren notwendig ist (Idealfall).
Maßnahmen zur Erreichung des Optimums
- Staatliche Bereitstellung: Der Staat übernimmt die Produktion des Gutes, für das das natürliche Monopol entsteht.
- Regulierung des Monopolisten: Der Staat lässt ein Monopol zu, reguliert dieses jedoch.
Probleme bei der Regulierung
- Informationsproblem: Der Staat kennt die AC-Kurve und die Nachfragekurve nicht genau.
- Anreizproblem: Das Unternehmen muss dem Staat die Produktionskosten belegen. Wenn dem Monopolisten garantiert wird, dass der Preis die Kosten deckt, besteht kein Anreiz zur Kosteneffizienz. Dies führt zu Ineffizienzen (z. B. bei Energieversorgung oder Wasserleitungen).
- Eigeninteresse der Regulierungsbehörde: Wenn sich die Nachfragekurve (D → D') verschiebt und die Grundbedingung für ein natürliches Monopol wegfällt (AC steigt wieder, Wettbewerb wird möglich), müsste die Regulierungsbehörde abgeschafft werden. Dies führt zu Widerstand, da Arbeitsplätze verloren gehen. Die Behörde müsste umgewandelt werden, um sicherzustellen, dass der Wettbewerb reibungslos funktioniert.
Informationsprobleme: Der Wert von Informationen für Konsumenten liegt in der höchsten Qualität oder dem niedrigsten Preis bei gegebener Qualität.