Grundlagen der Wissenschaftstheorie und Philosophie

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1. Descartes und Galileo: Grundlagen der Wissenschaft

Beide Autoren erkennen an, dass wissenschaftliches Wissen Gewissheit erfordert.

  • Galileo Galilei: Er fordert Sicherheit für die Wissenschaft und führt die Methode der Beobachtung ein. Dies erzeugt eine Spannung, da Beobachtungen täuschen können (z. B. die scheinbare Bewegung der Sonne um die Erde).
  • René Descartes: Er verankert Sicherheit in der Vernunft. Sein Grundsatz „Ich denke, also bin ich“ (Cogito ergo sum) bildet die erste absolute Gewissheit. Die Methode dient dazu, Urteile ohne Sicherheit zu vermeiden.

2. Logischer Positivismus und das kartesische Erbe

Der logische Positivismus bleibt kartesisch, indem er weiterhin nach einer sicheren Methode sucht, verlagert das Problem jedoch in den Bereich der Sprache.

  • Metaphysik-Kritik: Metaphysik wird als sinnlos abgelehnt, da ihre Ausdrücke nicht beobachtbar sind (Pseudopropositionen).
  • Logischer Atomismus: Komplexe Sätze müssen in einfache, beobachtbare Protokollsätze zerlegt werden. Nur was empirisch verifizierbar ist, hat Bedeutung.

3. Modelle der wissenschaftlichen Erklärung nach Hempel

Carl Gustav Hempel formalisiert die wissenschaftliche Erklärung in zwei Varianten der „rechtlichen Absicherung“:

  • Deduktiv-nomologisches Modell: Ein Phänomen wird aus allgemeinen Gesetzen und Anfangsbedingungen (Fakten) logisch abgeleitet.
  • Probabilistisch-induktives Modell: Hier basiert die Erklärung auf Wahrscheinlichkeitsgesetzen, wodurch das Ereignis nicht mit absoluter Sicherheit vorhergesagt werden kann.

4. Popper vs. Positivismus: Beobachtung und Objektivität

Karl Popper unterscheidet sich in zwei wesentlichen Punkten vom logischen Positivismus:

  1. Basissätze: Für Positivisten sind Beobachtungen wahre Gegebenheiten. Popper argumentiert, dass jeder Beobachtungssatz bereits Theorie enthält und somit hypothetisch bleibt.
  2. Objektivität: Während Positivisten Objektivität auf Sinneserfahrung gründen, sieht Popper sie in der intersubjektiven Nachprüfbarkeit und dem Widerstand gegen Kritik (Falsifikation).

5. Abgrenzung: Positivismus, Popper und Kuhn

Die Frage der Abgrenzung definiert, was Wissenschaft ist und was nicht.

  • Logischer Positivismus: Wissenschaft ist das, was verifizierbar (wahr oder falsch) ist.
  • Karl Popper: Das Kriterium ist die Falsifizierbarkeit. Theorien sind niemals endgültig wahr, sondern bleiben Hypothesen. Sozialwissenschaften müssen sich der Erfahrung stellen, um als Wissenschaft zu gelten.
  • Thomas Kuhn: Er führt den Paradigmenwechsel ein. Wissenschaft findet innerhalb einer Gemeinschaft unter einem gemeinsamen Paradigma statt („Normalwissenschaft“).

6. Heidegger: Dasein und Interpretation

Heidegger überwindet den klassischen Subjektbegriff durch das Konzept des In-der-Welt-seins.

  • Dasein: Der Mensch kann nicht von der Welt isoliert werden. Verstehen ist kein rein erkenntnistheoretischer Akt, sondern ein ontologischer Zustand.
  • Vorverständnis: Jede Interpretation basiert auf einem Vorverständnis. Der Satz (die Aussage) ist eine abgeleitete Form der Auslegung, die bereits ein „In-der-Welt-sein“ voraussetzt.

7. Wittgensteins Sprachspiele

Ludwig Wittgenstein postuliert, dass die Bedeutung sprachlicher Ausdrücke aus ihrem Gebrauch resultiert.

  • Sprachspiele: Sprache ist untrennbar mit sozialen Praktiken verbunden. Bedeutung ist flüssig und kontextabhängig.
  • Antiessezialismus: Es gibt keine feste Essenz der Bedeutung, sondern nur „Familienähnlichkeiten“ zwischen den Verwendungen.

8. Gadamer: Hermeneutik und Zeitabstand

Hans-Georg Gadamer entwickelt Heideggers Gedanken zur Hermeneutik weiter.

  • Vorurteile: Wir verstehen immer aus unserer eigenen Perspektive und Zeitlichkeit heraus. Vorurteile sind die Bedingung für Verstehen.
  • Produktivität des Zeitabstands: Der zeitliche Abstand ist kein Hindernis, sondern ermöglicht neue Sinnebenen und den Zugang zu tieferen Wahrheiten eines Phänomens.

9. Marx und Freud: Jenseits von Erklären und Verstehen

Marx und Freud überwinden das Dilemma zwischen Erklären und Verstehen in den Sozialwissenschaften.

  • Karl Marx: Er zeigt, dass das alltägliche Verständnis (z. B. der Lohnarbeit als gerechter Tausch) ein falsches Bewusstsein ist, das durch die Theorie der Mehrarbeit erklärt werden muss.
  • Sigmund Freud: Er deutet das „Manifeste“ (das Offensichtliche) als Hieroglyphe für latente Inhalte. Durch Techniken wie die freie Assoziation wird das Unbewusste einer Interpretation zugänglich gemacht.

10. Sozialwissenschaft und soziale Praxis

Es gibt drei Hauptansätze zur Beziehung zwischen Wissenschaft und Praxis:

  1. Positivismus: Soziale Phänomene werden als Ausdruck allgemeiner Gesetze erklärt, um Ziele effizient zu erreichen.
  2. Kritische Theorie: Zielt auf Emanzipation ab. Sie thematisiert die Spannung zwischen dem Ist-Zustand und dem, was sein sollte.
  3. Foucault: Sozialwissenschaften entstehen aus Machtbeziehungen und Disziplinierung (z. B. das Panoptikum), um Wissen über die Gesellschaft zu generieren und sie zu kontrollieren.

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