Das Heilige und das Geheimnis: Merkmale und sakrale Orte in der Religion

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Das Heilige als Ursprung

Der religiöse Ausdruck "Das Heilige" wird als Ursprung und Grundlage sowohl des Profanen als auch seiner selbst präsentiert. Alle weltlichen Dinge sind in ihrem innersten Wesen heilig, da sie von der Transzendenz durchdrungen sind. Dies begründet die ganzheitliche Natur des Heiligen.

Prä-subjektive und objektive Aspekte

Der Gläubige betrachtet das Heilige nicht als bloße Projektion seiner inneren Subjektivität, sondern als etwas, das sowohl prä-subjektive Aspekte der religiösen Erfahrung (psychische Reaktionen, Einstellungen, Absichten usw.) als auch objektive Gegebenheiten (natürliche Fakten, Institutionen, Personen) umfasst. Es existiert zudem unabhängig von einer bestimmten religiösen Konfession.

Die physische Einheit bleibt unverändert

Die Dinge und Menschen, die heilig sind, sind in das Reich des Heiligen eingebettet. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sich ihre Heiligkeit in ihrer Natur, ihren Eigenschaften oder ihrem äußeren Erscheinungsbild manifestiert oder feststellen lässt.

Das Geheimnis (Mysterium)

Im Christentum wird das Geheimnis mit Christus identifiziert, dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus. Andere Traditionen verwenden Namen wie "Das Unaussprechliche". Um alle Religionen der Geschichte abzudecken, bezeichnen wir es als Das Geheimnis (oder Mysterium), ein Begriff, der maßgeblich von Rudolf Otto in seinem Werk Das Heilige (The Sacred) geprägt wurde.

Angesichts seiner absoluten Überlegenheit ist es unmöglich, das Geheimnis direkt oder unmittelbar durch Kontemplation zu beschreiben. Eine solche Beschreibung wäre unkontrollierbar und absolut. Das Geheimnis kann nur durch das Echo, das es im religiösen Subjekt hervorruft, angenähert werden.

Merkmale des Geheimnisses

  1. Real und unbeweisbar

    Das Geheimnis ist real, da es keine menschliche Erfindung ist, um Unerklärliches zu erklären. Dennoch ist es unbestreitbar und setzt seine Existenz mit vollem Gewicht durch. Dies erklärt, warum der menschliche Geist versucht hat, die Existenz des Geheimnisses durch Formeln wie das "reine Sein" auszudrücken, das seine Existenz nur sich selbst verdankt.

    Gleichzeitig ist die Existenz des Geheimnisses unbeweisbar. Der religiöse Mensch kann keine rationalen oder wissenschaftlichen Beweismittel heranziehen, um anderen eine Präsenz zu zeigen, die sich in völliger Unabhängigkeit von menschlichen Bemühungen manifestiert. Es ist einfach, was es ist: Das Undenkbare.

  2. Transzendent und immanent

    Das Geheimnis ist transzendent, da es unserer Welt gegenübersteht – einige Autoren bezeichnen es daher als das Ganz Andere, völlig verschieden von allem Bekannten und Unbekannten. Ohne seine Bedeutung zu verlieren, ist das Geheimnis jedoch auch immanent, da es im subjektiven Hintergrund des Menschen selbst präsent ist. Der Heilige Augustinus sagte, dass es ohne Unterlass höher als das Höchste sei und zugleich etwas, das mehr in ihm als er selbst sei.

  3. Aktiv und verpflichtend

    Das Geheimnis ist aktiv, da seine Präsenz in unserer Welt nicht nur massiv ist, sondern dem religiösen Bewusstsein als ein Wesen mit dynamischer und wirksamer Kraft erscheint, das der Grund für das Sein und Handeln aller anderen Existenzen ist. Einige Autoren sehen darin die wahre Macht im Zentrum der Welt des Heiligen.

    Es ist verpflichtend (einnehmend), weil diese mächtige Kraft weder die menschliche Freiheit überschreibt noch eine mechanische Reaktion hervorruft. Im Gegenteil: Sie respektiert die Freiheit des Menschen, fordert seine Antwort heraus und ermutigt zu freiwilligem Engagement, um die Wirkung des Geheimnisses in dieser Welt zu unterstützen.

  4. Wertvoll und frei

    Das Geheimnis besitzt eine wertvolle Qualität, die in sich selbst ruht und allem Existierenden Wert verleiht. Oder, in den Worten von Juan de Dios Martin Velasco: "Es ist wertvoll an sich und macht wertvoll, was es ist."

    Es ist frei, da es als höchstes Gut durch seine Güte im höchsten Maße wirkt, aber keinen Zwang ausübt. Es erzeugt ein Gefühl der Pflicht, aber keinen unmittelbaren Gewinn. Es kann weder erworben noch durch Versprechen an den Menschen gebunden werden. Es lässt sich vom Menschen nicht manipulieren, um Unbekanntes zu beantworten oder Wünsche zu befriedigen.

  5. Ehrfurchtgebietend und faszinierend

    Das Geheimnis ist ehrfurchtgebietend (Tremendum), weil die Transzendenz mit absoluter, souveräner Majestät und wirksamer Kraft auftritt. Es ist faszinierend (Fascinans), weil es durch seine makellose Schönheit, höchste Güte und Heiligkeit eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt.

  6. Personal und schweigend

    Viele historische Darstellungen des göttlichen Geheimnisses nahmen leblose Formen an: Sterne, Berge, Flüsse, Bäume, Tiere. Dies widerspricht jedoch nicht der personalen Natur des Geheimnisses, die wir ihm zuschreiben. Entscheidend ist nicht die Frage der geistigen Eigenschaften, sondern die Qualität der Beziehung, die der Mensch zum Geheimnis aufbaut – oft vermittelt durch ein interpersonelles Bild.

    Diese Veränderung tritt ein, sobald sich das Geheimnis im religiösen Menschen bemerkbar macht und Haltungen hervorruft, die typisch für eine intersubjektive Beziehung sind.

    Die personale Struktur des Mysteriums verhindert jedoch nicht die religiöse Erfahrung des Schweigens. Obwohl die Gottheit im Christentum als Wort oder Verb charakterisiert wurde, wird das Schweigen Gottes, insbesondere heute, oft thematisiert, was zu verschiedenen Denkrichtungen führt:

    • Deismus: Die Überzeugung, dass Gott alles ist.
    • Säkularisierung: Das Leben in Realitäten um uns herum, wodurch das religiöse Leben verdrängt wird.
    • Atheismus oder der Tod Gottes: Die Annahme, dass Gott nicht existiert oder tot ist, wenn er schweigt.

Sakraler Raum und heilige Stätten

Die Orte, an denen Religionen die Entstehung der Gottheit erfahren, teilen den Raum in Bereiche, die als heilig gelten, und weisen einen zentralen Ort in Bezug auf den gesamten umgebenden Raum zu. Dort werden Altäre und Tempel als ewige Gedenkstätten des Ereignisses errichtet.

Elemente des Heiligen Raumes

  • Der Himmel

    Der Himmel hat eine besondere religiöse Bedeutung, da er die Unzugänglichkeit der Gottheit und des transzendenten Mysteriums ausdrückt. Daher verortet der christliche Glaube Gott metaphorisch im Himmel.

  • Die Sterne

    Die Sterne, insbesondere Sonne und Mond, deren Symbolik der Mensch mit den tellurischen Kräften und der rhythmischen Steuerung vitaler Prozesse in der Natur (Pflanzen, Tiere) in Verbindung bringt. Sie markieren die Wiederholung von Tagen, Monaten und Jahren.

  • Wasser

    Wasser wurde von Religionen ambivalent vergöttert, da es sowohl böse Mächte (wie sintflutartige, verheerende Regenfälle oder das bittere Meer, die Heimat der Dämonen) als auch reinigende Kräfte symbolisiert.

  • Feuer

    Die Eigenschaften des Feuers – Licht und Wärme, aber auch Zerstörung und Reinigung – wurden in vielen Religionen als besondere Hierophanie betrachtet: Zeichen göttlicher Gegenwart, die Gott den Menschen schenkt, oder das Ergebnis eines mythischen Diebstahls (Prometheus), Ausdruck göttlichen Zorns (Blitz), Gegenstand der Verehrung, Inkarnation von Dämonen oder Hausgöttern.

  • Luft

    Ihre schwer fassbare Feinheit symbolisiert die transzendente Natur der Gottheit, die keine Definition und keinen Körper hat. In ihrem Ungestüm (Hurrikan) manifestiert sich die unkontrollierbare Macht Gottes. Als Odem des Lebens ist sie das Lebensprinzip oder der Geist Gottes.

  • Die Erde

    Die Erde ist zugleich Gebärmutter und fürsorgliche Mutter aller Lebewesen, was die spontane Symbolik von Weiblichkeit und Mutterschaft erklärt (Gleichung: Erde – Nacht – Frauen). Sie unterliegt dem abwechselnden Zyklus des Trieb- und Lebens. Doch während sie Gebärmutter für die Lebenden ist, symbolisiert die Erde auch das Grab für die Toten und appelliert somit an die Erfahrung des Todes.

  • Der Baum

    Seine religiöse Bedeutung ergibt sich aus der Analyse seiner spontanen Symbolik als heilige Stätte, wie in der keltischen Kultur. Die majestätische Höhe des Baumes ist ein bevorzugter Ort der Göttlichkeit. Seine aufrechte Form und Entwicklung im Zusammenhang mit dem kosmischen Lebenszyklus (Samen – Blüte – Frucht) stellen den menschlichen Phallus dar, einen Ort der Konzentration vitaler Kräfte: der Baum des Lebens.

  • Tiere

    In Jäger- oder Viehzüchterreligionen zeichnen sich heilige Tiere aus. Die Affinität zwischen Tier und Mensch, die Abhängigkeit des Menschen von Tieren (zu Land oder Wasser) für den Lebensunterhalt, der Glaube an die Seelenwanderung in Tierkörpern – all dies führte dazu, dass Menschen bestimmte Tiere als Träger übernatürlicher Kräfte betrachteten und sie in Tierdarstellungen anbeteten.

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