Hellenismus und hellenistische Philosophien: Zyniker, Skeptiker, Epikur, Stoiker

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Hellenismus (ab 323 v. Chr.)

Hellenismus (ab 323 v. Chr.) Beginnend 323 v. Chr. mit dem Tod Alexanders des Großen veränderte sich die politische und kulturelle Landschaft der Mittelmeerwelt. Ein Jahr später starb Aristoteles, was einen Einschnitt für die klassische Philosophie bedeutete. In vielen alten Monarchien entstanden nun Militärdiktaturen; manche Könige setzten sich über demokratische Institutionen hinweg und schwächten dadurch die politische Beteiligung. Hellenistische Denkschulen lehnten häufig politische Engagements ab und wandten sich stärker dem individuellen Leben und praktischen Ethikfragen zu. Der Hellenismus wird häufig bis zum Beginn des Römischen Kaiserreichs unter Augustus (Ende des 1. Jh. v. Chr., formell um 31 v. Chr.) datiert. Manche Historiker sehen das Ende des Hellenismus auch mit der Einordnung hellenistischer Gebiete in das römische Reich.

Während des Hellenismus verliert die Philosophie zunehmend ihren rein systematischen Charakter zugunsten praktischer Ethik und Lebenskunst. Es entsteht eine stärkere Hinwendung zum privaten, individuellen Leben; zahlreiche philosophische Schulen und Sekten entstehen. Städte wie Alexandria gewinnen an Bedeutung: Hier entstehen erste wissenschaftliche Institutionen wie das Museum und die berühmte Bibliothek.

Die zynische Schule

Die zynische Schule

Die Zyniker betonten Glück durch Selbstgenügsamkeit. Ihr Ideal war ein Leben im Einklang mit der Natur, frei von Abhängigkeiten. Sie propagierten die Notwendigkeit eines einfachen Lebens, das nicht von materiellen oder sozialen Bindungen bestimmt wird. Schmerz und Glück stehen in engem Zusammenhang mit materiellen und sozialen Abhängigkeiten: Ziel ist es, Unabhängigkeit zu gewinnen, um sowohl Schmerz als auch falsche Bedürfnisse zu überwinden.

Die skeptische Schule

Die skeptische Schule

Das griechische Wort skeptomai bedeutet genaues Hinschauen. Die Skeptiker vertraten die Position, dass jede Aussage angezweifelt und kritisch geprüft werden muss. Pyrrhon von Elis gilt als Begründer der Skepsis. Er nahm eine moderat zurückhaltende Haltung ein: Die Erscheinungen sollen zwar beachtet werden, doch ihre endgültige Bewertung erfordert fortwährende Prüfung. Die Skepsis beeinflusste das Wesen wissenschaftlicher Analyse und die Forderung nach kritischer Prüfung aller Behauptungen.

Epikur und die epikureische Schule

Epikur (341–270 v. Chr.)

Epikur lehrte, dass das Ziel des Lebens das Vergnügen und die Vermeidung von Schmerz sei (Gutes = Lust, Schlechtes = Schmerz). Er unterschied die Arten von Genüssen und empfahl, vor allem jene Genüsse zu suchen, die dauerhaftes Wohlbefinden fördern.

  • Arten der Genüsse:
    • 1) natürlich und notwendig
    • 2) natürlich, aber nicht notwendig
    • 3) weder natürlich noch notwendig

Um glücklich zu sein, müsse man sich von Ängsten befreien. Epikur nennt drei Grundängste, die es zu überwinden gilt:

  • Angst vor dem Zufall oder vor äußerer Willkür: Epikur erklärt die Welt durch Atome und gelegentliche Abweichungen (z. B. das atomare "Swerve"), wodurch nicht alles von unbarmherziger Notwendigkeit regiert wird.
  • Angst vor den Göttern: Selbst wenn Götter existieren, greifen sie nicht in das menschliche Leben ein; deshalb sollen sie keine Quelle der Furcht sein.
  • Angst vor dem Tod: Der Tod ist das Ende des Bewusstseins; solange wir existieren, ist der Tod nicht vorhanden, und wenn der Tod da ist, existieren wir nicht mehr – daher kein Grund zur Furcht.

Die stoische Schule

Die stoische Schule (Zeno von Kition)

Zeno von Kition (häufig datiert um 334–262 v. Chr., Zypern) gründete die Stoa. Das Ziel der Stoiker ist die Seelenruhe und Unerschütterlichkeit (Apatheia). Die stoische Ethik strebt eine Seele an, die weder durch Lust noch durch Unlust erschüttert wird.

Wesentliche Merkmale der stoischen Lehre:

  • Apatheia: Ein unerschütterlicher Gemütszustand, unbeeinflusst von Launen.
  • Determinismus: Viele Stoiker vertreten die Auffassung, dass das Universum durch Notwendigkeit geordnet ist; Freiheit wird häufig im Rahmen der Akzeptanz des Schicksals verstanden.
  • Alles menschliche Handeln wird als Teil einer Kausalfolge gesehen: Prinzip von Ursache und Wirkung.
  • Pantheistische Züge: Die göttliche Vernunft durchdringt die Welt; Ziel und Ordnung sind miteinander verbunden.
  • Heraklit: „Panta rhei“ (alles fließt). Trotz des ständigen Wandels bleiben die Dinge in einem fortwährenden Prozess erhalten.

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