Historische und moderne Konzepte von Gesundheit und Krankheit
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Der Krankheitsverlauf als dynamischer Prozess
Der Krankheitsverlauf ist ein dynamischer Prozess, der Bewegung, Transformation, Rotation und ständige Veränderung zeigt. Die Erklärung hierfür ist, dass Gesundheit und Krankheit von objektiven und subjektiven Faktoren abhängen (wie die Produktion und Reproduktion des materiellen und geistigen Lebens organisiert ist und wie der Mensch die Welt um sich herum erklärt). Diese verschiedenen Zustände können zu unterschiedlichen Vorstellungen darüber führen, was als gesund oder krank gilt.
Das magisch-religiöse Konzept
- Die Krankheit wird als das Ergebnis von Kräften außerhalb des Körpers betrachtet – übernatürliche Kräfte, die aufgrund von Sünde oder Flüchen in den Körper eindringen.
- In manchen Kulturen war der Schamane des Stammes ein Medizinmann, der dafür verantwortlich war, durch Rituale böse Geister zu vertreiben, die Kontrolle über die Person erlangt hatten und so die Krankheit verursachten. Die Aufgabe des Schamanen bestand darin, Geister zu beschwören, um das Böse zu eliminieren. Dazu nutzte er Pflanzen mit halluzinogenen Substanzen als Köder für die Geister, um die Krankheit zu bekämpfen.
In Griechenland lag die Erklärung für Gesundheit und Krankheit in der Mythologie. Heilung wurde mithilfe von Pflanzen und natürlichen Methoden erreicht, einschließlich der Wiederherstellung von Hygienepraktiken; dennoch wurden weiterhin Rituale durchgeführt, um eine Heilung zu erzielen.
Hippokrates entwickelte die Theorie der Körpersäfte und postulierte die Existenz von vier Flüssigkeiten (Säften) im Körper: gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim und Blut. Der Gesundheitszustand ist ein Gleichgewicht zwischen diesen Elementen, das unter anderem von den Jahreszeiten, dem Wetter, der Ernährung und der Bewegung beeinflusst wird.
Das christlich-religiöse Konzept
- Konzept der Krankheit: Die Folge von Sünde; Heilung wird als eine Angelegenheit des Glaubens betrachtet.
- Klostermedizin: Gekennzeichnet durch die Verwendung von Kräutern und Gebeten zur Heilung von Krankheiten.
Kontagionstheorie und Miasma-Theorie
Die Krankheit wird nun in den Organen des Körpers lokalisiert. Medizinische Studien konzentrierten sich auf das Verständnis der Funktionsweise des Körpers, anatomische Veränderungen bei Krankheiten sowie den Ort der Krankheit und die Deutung von Zeichen und Symptomen.
- Kontagionstheorie: Im Körper treten Infektionen auf, die von Person zu Person durch Isolation, Luft oder Fomiten (pathologische Substanzen) übertragen werden können.
- Miasma-Theorie: Miasmen wurden als ungesunde Dämpfe oder „schlechte Luft“ in bestimmten Regionen angesehen, die Krankheiten wie Malaria verursachen können. Die Umwelt wird hierbei als die Quelle aller Krankheitsursachen betrachtet.
Die Keimtheorie – Die bakteriologische Ära
Die bakteriologische Ära (spätes 19. Jahrhundert) wurde durch Louis Pasteur eingeleitet, basierend auf der Entdeckung von Mikroorganismen als Erreger von Krankheiten.
- Keimtheorie: Sie besagt, dass für jede Krankheit ein Erreger identifiziert werden muss, der durch Impfstoffe oder Chemikalien bekämpft werden kann, um das ursächliche Agens zu zerstören. Krankheit wird als Dysfunktion verstanden – ein Ungleichgewicht im menschlichen Körper, verursacht durch die Wechselwirkung physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse, die Veränderungen im Körper hervorrufen.
Die multikausale Theorie
- Theorie der multiplen Ursachen: Krankheit wird nicht nur durch Mikroorganismen oder andere Erreger verursacht, sondern auch durch die Art und Weise, wie Gesellschaft und Kultur organisiert sind.
- Humanbiologie: Genetische und biologische Prozesse, die dem Leben und dem Altern inhärent sind.
- Die Umwelt: Boden, Wasser, Luft, Wohnung, Arbeit usw.
- Lifestyle: Entscheidungen, die die Gesundheit beeinflussen (Gewohnheiten, körperliche Betätigung).
- Organisation des Gesundheitswesens: Medizinische Versorgung, Medikamente, Hygiene, Ernährung etc.
Theorie der sozialen Determination von Gesundheit
- Der Begriff der Ursache in der unikausalen Version oder der Version der multiplen Ursachen ist die Identifizierung von unabhängigen Ereignissen oder Prozessen, die durch eine unidirektionale Verbindung verknüpft sind. Solche Ursache-Wirkungs-Beziehungen werden in biologischen Prozessen selten beobachtet.
- Das Konzept der Determination ist besser geeignet für das Verständnis komplexer gesellschaftlicher Prozesse, da es keine völlige Isolierung von Variablen oder die Vorstellung von Unabhängigkeit zwischen ihnen erfordert. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen verschiedenen Dimensionen der sozialen und biologischen Bewegung.
- Die soziale Organisation des materiellen und immateriellen Lebens der Menschen bestimmt das epidemiologische Profil der einzelnen sozialen Schichten in der Gesellschaft.
- Die sozialen Formen der Lebensproduktion bringen eigene Umstände mit sich, die günstig oder schädlich für die Gesundheit sind und letztlich die gesundheitlichen Probleme definieren, die meist einer bestimmten sozialen Gruppe zugeordnet werden.
- Gesundheit und Krankheit sind von historischer und sozialer Natur. Die soziale Natur der Krankheit zeigt sich nicht im klinischen Einzelfall, sondern in der für menschliche Gruppen charakteristischen Art und Weise von Krankheit und Tod.
- Die soziale Natur der Krankheit erschließt sich nicht durch das Studium eines einzelnen Patienten, sondern durch die pathologischen Profile sozialer Gruppen, die sich im Laufe der Zeit und unter den Transformationen der Gesellschaft verändern.
- Die Theorie der sozialen Determination unterscheidet sich von den vorherigen Theorien durch die Bedeutung, die sie der sozialen Organisation bei der Entstehung des Gesundheit-Krankheit-Prozesses beimisst.
- Gesundheit und Krankheit: Die Zusammenfassung aller Bestimmungen, die in einer bestimmten Gesellschaft wirken und sich in Form von Profilen oder Mustern von Gesundheit und/oder Krankheit manifestieren.