Humes Problem der Kausalität und die Rechtfertigung von Wissen
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Nach Hume: Können wir wissen, was wahrscheinlich wahr ist?
Alles unser Wissen, das die unmittelbare Erfahrung transzendiert, basiert auf dem Bestehen kausaler Beziehungen, und diese Beziehungen können nur aus der Erfahrung gewonnen werden. Die kausale Beziehung ist kein vom Geist gewonnenes Wissen durch bloßen Zusammenhang von Ideen und ist daher weder intuitiv noch demonstrativ sicher.
Diese Erkenntnis ist nicht intuitiv wahr
Test:
- Der Geist kann den kausalen Zusammenhang nicht intuitiv wahrnehmen.
- Es wäre nur dann intuitiv wahr, wenn sein Gegenteil einen Widerspruch bedeutete; das ist hier nicht der Fall.
Dieses Wissen ist nicht demonstrativ wahr
Beweis: Die bisher vorgebrachten Argumente sind fehlerhaft.
Erstes Argument
Es wird behauptet, dass alles eine Ursache haben muss, denn wenn etwas keine Ursache hätte, würde es sich selbst ereignen, das heißt, es würde vor seinem eigenen Entstehen bestehen, was unmöglich sei.
Zweites Argument
Es wird gesagt, dass alles, das ohne Grund produziert wird, durch »Nichts« entstünde oder mit anderen Worten durch nichts verursacht würde. Aber ‹Nichts› kann weder Ursache noch etwas anderes sein.
Kritik an der ersten und zweiten Demonstration
Diese Demonstrationen setzen voraus, was sie beweisen sollen.
Drittes Argument
Manche behaupten, jede Wirkung müsse eine Ursache haben, weil dies in der Idee der Wirkung enthalten sei. Die begriffliche Verknüpfung von Ursache und Wirkung bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass tatsächlich Ursachen und Wirkungen in der Welt vorhanden sind.
Es ist Wissen über Tatsachen und völlig abhängig von Erfahrung
Scheinbarer Widerspruch:
- Es wird gesagt, dass wir dieses Wissen nicht als notwendigerweise wahr oder als wahrscheinlich wahr behaupten können, ohne in einen regressus a priori oder ad infinitum zu geraten.
- Hume behauptet, dass der Kausalschluss gerechtfertigt ist — er gibt uns wahrscheinliches Wissen — wenn er auf Eindrücken oder auf Ideen beruht, die aus Eindrücken entstanden sind; nicht jedoch, wenn zwischen dem Eindruck und dem, wovon wir eine Idee haben, kein Eindruck vorliegt. Aus diesem Grund wurde Hume als Skeptiker kritisiert: Man könne den Grad der Übereinstimmung mit der Wahrheit nicht begründen, und da viele mögliche, nicht beobachtete Fälle unendlich sind, nähert sich die daraus resultierende Wahrscheinlichkeit beim Versuch, sie empirisch zu begründen, dem Nullpunkt.
Lösungsvorschlag
Die Wahrscheinlichkeit ist nicht streng quantitativ zu verstehen – also als mehr oder weniger nahe an der Wahrheit – sondern qualitativ: Das Bewusstsein, das die Erfahrung liefert, ist psychologischer Natur; es handelt sich um eine Art Gewohnheits- oder Schutzinstinkt, begründet durch Brauch und Sitte.
Abschließendes Problem
Wie lassen sich jedoch die fortwährenden Übereinstimmungen zwischen unseren Erwartungen, die auf psychologischer Überzeugung beruhen, und den beobachteten Erfahrungen rechtfertigen? Darauf gibt Hume keine zufriedenstellende Antwort. Das Fehlen einer solchen Antwort gab den Impuls zu neuen Anstrengungen, die Skepsis zu überwinden, etwa bei Kant.